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08.05.2015

14:17 Uhr

Ausverkauf bei Bundesanleihen

Wer hat Angst vorm „schwarzen Schwan“?

VonSara Zinnecker

Den Kursverfall der Bundesanleihen dürfte es auf den ersten Blick gar nicht geben. Bei genauerem Hinsehen tun sich aber allerlei Erklärungen auf. Analysten warnen: Jetzt dabeizubleiben, erfordert Mut.

Der Ausverkauf bei deutschen Staatsanleihen lässt sich auf den ersten Blick nicht erklären. Imago

Schwarzer Schwan

Der Ausverkauf bei deutschen Staatsanleihen lässt sich auf den ersten Blick nicht erklären.

DüsseldorfDer aktuelle Kursverfall europäischer Staatsanleihen ist ein „Schwarzer Schwan“ – ein Ereignis am Markt, das es so eigentlich nicht geben dürfte, das in höchstem Maß unwahrscheinlich ist, sich am Ende aber erklären lässt. Analysten der französischen Bank Société Générale haben die Metapher des Börsenhändlers Nassim Nicolas Taleb aufgegriffen – und sie passt.

Mit Blick auf die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) müssten Kurse von Staatsanleihen in Europa eigentlich eher steigen. EZB inbegriffen, düften mehr Akteure an europäischen Staatsanleihen interessiert sein als vorher. Auch wird das Angebot an (deutschen) Staatsanleihen knapper. Momentan emittiert der Bund nur neue Bonds, um auslaufende abzulösen – nicht, um neue Schulden zu machen.

Stattdessen hatten sich in den ersten Maitagen die Verluste bei den Kursen deutscher Staatanleihen zu einem Ausverkauf ausgewachsen – acht Tage in Folge gaben zehnjährige deutsche Anleihen nach. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen war am Donnerstag um bis zu 19 Basispunkte auf 0,78 Prozent geklettert – der höchste Wert seit dem 8. Dezember. Vor weniger als einem Monat lag die Rendite noch auf einem Rekordtief bei 0,049 Prozent.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Das Rätsel lösen Finanzexperten jetzt mehr und mehr auf. Der simpelste und erste Grund: Die Inflationserwartungen in der Euro-Zone sind nach zuletzt positiven Teuerungsraten weiter gestiegen. Marktteilnehmer gehen also davon aus, dass die ultralockere Geldpolitik endlich greift – und rechnen bereits jetzt mit mittelfristig höheren Zinsen. Mit der Aussicht einer Zinswende in Europa, gehen Investoren jetzt aus niedrig verzinsten Anleihen heraus, nehmen Gewinne mit – und warten, bis Anleihen mit höheren Kupons auf den Markt kommen.

Die höheren Inflationserwartung allein hätten indes wohl keinen derartigen Ausverkauf verursacht. Stattdessen gehen viele Marktteilnehmer davon aus, dass die Aussagen bekannter Investoren die Entwicklung am Markt verstärkt hat. Fast zeitgleich hatten Bill Gross, Ex-Chef von Pimco, und Jeffrey Gundlach, Chef der US-Anlagefirma Doubline, offen für Leerverkäufe deutscher Staatsanleihen geworben – als für Wetten auf fallende Kurse. Das Timing hänge von der EZB-Politik ab, so Gross.

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Auch „technische Faktoren“ können dazu geführt haben, dass Staatsanleihen europäischer Länder derart an Wert verloren haben, glauben Beobachter. In der Regel sichern sich institutionelle Investoren gegen zu starke Kursverluste ab, indem sie sogenannte Stopp-Loss-Marken setzen. Das heißt: Wenn der Kurs unter eine bestimmte Schwelle fällt, wird automatisch verkauft. „In den letzten Monaten haben viele Anleger ähnliche Strategien verfolgt“, meinen Felix Herrmann, Anleiheanalyst bei der DZ Bank.

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

08.05.2015, 18:09 Uhr

Eigentlich ist das genau die richtige Zeit für eine "Absprache" mit den Versicherern! Nämlich der Kauf von Staatsanleihen gegen ein neues Gesetz als weitere Enteignung der Lebensversicherten!

Wenn kein Händler mehr Staatsanleihen im Bestand haben will, weil ein Anstieg der Zinsen befürchtet wird und die Kurse der Bonds dann sinken, dann können die Händler der Banken die Staatsbonds nur noch schnell auf den Markt werfen. So die Theorie. In der Praxis fallen die Kurse der Bonds wie wir es sehen.

Wer soll da noch die Staatsbonds zu den manipulierten, hohen Kursen kaufen?

Übrig bleiben die EZB und die Versicherungen, bzw. die Anlage der fremden Gelder, der angesammelten Guthaben der Lebensversicherten.

Kauft die EZB zu den von ihr selbst hochmanipulierten Marktkursen, fallen die Marktpreise bis zum Fälligkeitstag auf Pari, bzw. 100 %. Dies bringt zwangsläufig Verluste, die das Kapital - wenn es denn noch vorhanden sein sollte - aufzehrt. An allen Verlusten ist dann die Bundesrepublik zu 28 % beteiligt. Eine Milchmädchenrechnung, wie zuvor bei der Zinsmanipulation seitens der EZB auch.

Es bleiben nur noch die Versicherungen mit der Anlage der Versichertenguthaben. Der Kursverlust aus den Bonds führt dann nach handelsrechtlicher und MtM-Bewertung zu Verlusten, die dann gegen die Bewertungsgewinne, die heute (noch) vorhanden sind, gegengerechnet werden. Reichen diese Bewertungsreserven nicht mehr aus, weil man sich mit dem Staat bereits wegen dem Lebensversicherungsreformgesetz gemeinsam gegen den Lebensversicherten arrangiert hat, werden diese Bewertungsverluste gegen die Guthaben der Versicherten gerechnet.

Bei nüchterner Betrachtung muss man eingestehen, dass eine Gegenargumentation - von kritischen Betrachtern der Szene -, dass hier ein groß angelegter Betrug abläuft, nicht zu entkräften ist. Dennoch brauchen die Akteure nichts zu befürchten, weil die Staatsanwaltschaft "wie die Kettenhunde" des Staates funktionieren und nicht gegen ihren Dienstherrn ermitteln.

Herr Peter Spiegel

08.05.2015, 18:46 Uhr

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