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21.01.2011

11:10 Uhr

Baltic-Dry-Index

Anleger fürchten fallende Frachtkosten

VonGeorgios Kokologiannis

Kaum beachtet von den Anlegern ist der Baltic-Dry-Index (BDI), der als Frühindikator der Weltwirtschaft anerkannt ist, seit September nahezu kontinuierlich gefallen - insgesamt um rund 50 Prozent. In der Regel ist das ein Alarmsignal für Anleger. Diesmal besteht jedoch kein Grund zur Sorge.

Die Frachtkosten fallen: Könnte gerade der exportgetriebene deutsche Wirtschaftsaufschwung früher und abrupter enden, als es derzeit den Anschein hat? Quelle: dpa

Die Frachtkosten fallen: Könnte gerade der exportgetriebene deutsche Wirtschaftsaufschwung früher und abrupter enden, als es derzeit den Anschein hat?

DÜSSELDORF. Mittlerweile hat der Frachtratenindex, der als Frühindikator der Weltwirtschaft anerkannt ist, ein 21-Monats-Tief bei 1 439 Punkten erreicht. Der Index bildet die Kosten für sogenannte Trockenfrachten wie Erz, Kohle oder Getreide auf den wichtigsten internationalen Schifffahrtslinien ab. Dabei sind steigende Frachtraten in der Regel ein Indiz dafür, dass es mit der Wirtschaft und am Aktienmarkt aufwärts geht - und umgekehrt.

Wie dramatisch die jüngste Entwicklung ist, lässt sich daran ermessen, dass der Index seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise im Herbst 2008 nicht mehr so stark eingebrochen ist. Damals war der BDI von 11 800 Punkten auf 660 Zähler abgestürzt. Anschließend erholte er sich bis Mitte vergangenen Jahres auf über 4000 Punkte.

Ist der erneute Einbruch für Börsianer ein Warnsignal, das sie im Rausch der aktuellen Aktienhausse kollektiv übersehen? Könnte gerade der exportgetriebene deutsche Wirtschaftsaufschwung früher und abrupter enden, als es derzeit den Anschein hat? Anleger sollten die auf den ersten Blick besorgniserregende Entwicklung des BDI nicht überbewerten. Aus zwei Gründen.

Erstens: Glaubt man Experten, so ist der Rückgang nur zum Teil auf eine nachlassende globale Wirtschaftsdynamik zurückzuführen. Dominierenden Einfluss haben derzeit andere Faktoren. Zum einen die Flutkatastrophe in Australien. Aufgrund der Wassermassen können einige australische Häfen nur eingeschränkt oder gar nicht angelaufen werden, so dass insbesondere weniger Kohle und Agrarrohstoffe transportiert werden. Die hieraus resultierenden freien Transportkapazitäten spiegeln sich in niedrigeren Frachtraten wider. Zum anderen steigt laut Angaben der Londoner Schiffsmakler Simpson, Spence & Young die Anzahl neuer Frachtschiffe signifikant.

Zweitens: Die Aktienmärkte haben sich von der wirtschaftlichen Entwicklung teilweise abgekoppelt. Stichwort Vermögenspreisinflation: Ein Großteil der Kurserholung seit den Tiefständen Anfang 2009 ist darauf zurückzuführen, dass die Notenbanken die Kapitalmärkte mit Liquidität fluten. Allen voran die amerikanische Fed. Mangels attraktiver Alternativen und aus Angst vor steigenden Inflationsraten fließt das frisch gedruckte Geld in Sachanlagen. Dazu zählen neben Edelmetallen, Rohstoffen und Immobilien auch fundamental starke Aktien.

Solange es keine Kehrtwende der expansiven Geldpolitik gibt, müssen Investoren daher nicht zwangsläufig einen Trendwechsel an der Börse fürchten. Selbst wenn die wirtschaftliche Erholung ins Stocken geraten sollte und es mit dem BDI weiter abwärts geht. Und glaubt man Experten wie dem US-Starökonomen Nouriel Roubini, bleibt es auf absehbare Zeit bei der laxen Geldpolitik - zumindest in den USA, deren Aktienmarkt eine Leitfunktion hat.

Kommentare (1)

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Siggi40

21.01.2011, 15:13 Uhr

2011 erlahmt der Asienboom:
Die Konjunktur des Kontinents droht sich im kommenden Jahr deutlich abzukühlen und damit den Aufschwung in Deutschland massiv zu schwächen. Experten rechnen nur noch mit halb so viel Wachstum in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. Gleichzeitig haben viele Regierungen angefangen, ihre Konjunkturprogramme zurückzufahren, denen wir unseren „Aufschwung" zu verdanken hatten.

2011 laufen alle Konjunkturstrohfeuerprogramme aus. Nachschub ist nicht in Sicht, immer mehr Staaten sind pleite.
Wegbrechende Steuereinnahmen und explodierende Ausgaben für die Staatsverschuldung, sowie bei den Sozialausgaben geben dem "Aufschwung" den Rest.

Hätte jetzt fast vergessen, dass die Krise schon vorbei ist. Wie man sich irren kann, gell?
Parallel zum Sommer 1989 in der DDR. Da waren auch alle Politiker davon überzeugt, dass die bevölkerung vom Exportboom partizipiert und sogar bald die Wirtschaft der bRD überrundet wird.

+++ Unser erträumter Aufschwung - Eine Fata-Morgana +++

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