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08.08.2013

13:53 Uhr

Bank-Blamage in Großbritannien

Der Börsenhändler, der ein Hausmeister war

Bei der größten Bank in Großbritannien schlich sich ein ehemaliger Hausmeister in die Handelsabteilung ein. Er beeindruckte monatelang als angeblicher Bond-Händler die „Kollegen”. Die Bank ist blamiert.

Royal Bank of Scotland: Ein ehemaliger Hausmeister bewegte sich monatelang unbehelligt in der Handelsabteilung des Bank. dpa

Royal Bank of Scotland: Ein ehemaliger Hausmeister bewegte sich monatelang unbehelligt in der Handelsabteilung des Bank.

LondonKK Ho tauchte aus dem Nichts auf. Das berichteten zwei Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind. Vergangenes Jahr habe er regelmäßig seine Runden in der Handelsabteilung der Royal Bank of Scotland (RBS) gedreht. Er zückte frisch gedruckte Visitenkarten, auf denen stand, dass er Anleihehändler war. Er traf sich mit Kunden und beeindruckte Bankmanager mit seinen Erzählungen über reiche Klienten.

Einige Monate sei der Mann genau so schnell verschwunden, wie er auf der Bildfläche aufgetaucht war. Denn Bankmanager hatten angefangen, Fragen zu stellen, die zu dem Schluss führten, dass KK Ho gar kein Bond-Händler war.

Der Vorfall ist peinlich. Denn RBS ist die größte britische Bank. Sie wird vom Staat kontrolliert. Zudem kämpft die Branche nach mutmaßlichen Zinsmanipulationen ums Image. Doch immer noch scheinen die Institute für unerwartete Angriffe auf die Compliance verwundbar. Die RBS informierte damals die Aufsichtsbehörden, hielt den Fall aber ansonsten geheim. Details wurden erst öffentlich, als sie in einer arbeitsrechtlichen Klage eines Mitarbeiters erwähnt wurden.

Die spektakulärsten Betrugsfälle der Finanzbranche

Oktober 2010: Jerome Kerviel

Ex-SocGen-Händler Jerome Kerviel wird zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Ein Gericht befindet ihn der Veruntreuung, des Computermissbrauchs und der Fälschung schuldig. Kerviel hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut - mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen. Den Verlust soll Kerviel seinem Arbeitgeber zurückzahlen.

April 2010: Evan Dooley

Der Händler Evan Dooley von MF Global wird wegen Betrugs angeklagt, nachdem er 141 Millionen Dollar mit Weizen-Futures verzockt hatte. Der Vorfall wurde im Dezember 2009 bekannt, als die US-Aufsichtsbehörden dem Brokerhaus eine Strafe von zehn Millionen Dollar wegen unzureichender Risikokontrollen aufbrummten.

Juni 2009: Steve Perkins

Der Händler Steve Perkins vom Londoner Brokerhaus PVM Oil Futures häuft nach einer Reihe unautorisierter Geschäfte einen Verlust von fast zehn Millionen Dollar an. Seine Spekulationen sollen den Ölpreis weltweit nach oben getrieben haben.

Februar 2009: Alexis Stenfors

Der in London ansässige Merrill-Lynch-Devisenhändler Alexis Stenfors erhält ein mindestens fünfjähriges Berufsverbot. Er soll seine Handelspositionen wissentlich falsch bewertet haben, um Verluste zu verschleiern. Der Bank brockte er Abschreibungen in Höhe von 456 Millionen Dollar ein.

Juli 2006: Bullen und Ficarra

David Bullen und Vince Ficarra, zwei ehemalige Händler der National Australia Bank , werden nach einem Betrugsskandal zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie mit Falschbuchungen ihre Boni retten und Verluste verschleiern wollen. Die Bank kostete das 187 Millionen Dollar.

März,April 2006: Brian Hunter

Der Hedgefonds Amaranth Advisors LLC fährt nach fehlgeschlagenen Wetten auf Erdgaspreise unter dem Händler Brian Hunter einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar ein. Der Hedgefonds bricht wenig später zusammen.

Februar 2002: John Rusnak

Die Allied Irish Bank wirft dem Devisenhändler John Rusnak vor, bei der US-Tochtergesellschaft Allfirst einen Verlust von 691 Millionen Dollar verursacht zu haben. Er selbst strich zwischen 1997 und 2001 rund 850.000 Dollar an Gehalt und Boni ein. Rusnak wird zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Juni 1996: Yasuo Hamanaka

Das japanische Handelshaus Sumitomo Corp erleidet einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar, der auf jahrelange nicht autorisierte Kupfer-Spekulationen zurückgeht. Dafür verantwortlich gemacht wird der Händler Yasuo Hamanaka, der gefeuert und später zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sein Spitzname war „Mr. Fünf Prozent“ - sein Team soll zu den Boomzeiten fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrolliert haben.

September 1995: Toshihide Iguchi

Die japanische Daiwa-Bank verliert 1,1 Milliarden Dollar nach unautorisierten Geschäften des Anleihehändlers Toshihide Iguchi, der zum Management in den USA gehört. Er wandert 1996 ins Gefängnis.

Februar 1995: Nick Leeson

Barings, eine der ältesten Investmentbanken in Großbritannien, bricht zusammen. Auslöser ist ein Verlust von 1,4 Milliarden Dollar im Derivatehandel durch den Händler Nick Leeson in Singapur. Leeson muss ins Gefängnis. Barings wird wenig später an die niederländische ING für ein Pfund verkauft.

Ho soll vor seinem Auftauchen in der Handelsabteilung der Bank im selben Haus im Bereich Gebäudedienste tätig gewesen sein. Er soll vor der Kündigung gestanden sein. Die Bank habe ihm einen Schreibtisch gegeben, um nach einem neuen Job zu suchen. Er war keinem Team zugeordnet, hatte keinen Chef. Natürlich war es ihm auch nicht erlaubt, Wertpapiere zu verkaufen oder sich mit Kunden zu treffen.

„Dies ist die Geschichte grundsätzlicher menschlicher Fehler auf vielen Ebenen”, sagt James Carlton, ein Anwalt für regulatorische Fragen bei Fox Williams LLP in London. Es sei schwer nachvollziehbar, wie führende Mitarbeiter in der Handels- und in der Personalabteilung eine solche Situation übersehen konnten.

Kommentare (8)

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Kapturak

08.08.2013, 14:00 Uhr

Solche Typen gibt es in allen Banken. Meist jedoch nur auf Vorstandsebene.....

sucher533

08.08.2013, 14:18 Uhr

Eben ein facility manager - der geht mit Geld noch konservativ um. Er konnte wohl nicht beim Thema Golf u.ä. mitsprechen - da flog er auf. So ein Pech - für die Kunden. :-)

Account gelöscht!

08.08.2013, 14:28 Uhr

Vielleicht sollten grundsätzlich nur Hausmeister (neudeutsch Facility Manager) in den Handelsräumen sitzen und die Bankster kümmern sich halt ums "Facility Management". So könnten die Banker nicht so viel Mist verzapfen und die Finanzkrise wäre uns eventuell erspart geblieben! "Mensch Manni, Lehman Brothers will uns CeeDeeOhh-Papiere verkaufen! Soll'n wir die nehmen? Ey, Klaus, lass mal lieber sein, ick hab keene Ahnung wat dit is!"

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