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13.09.2016

19:08 Uhr

Bank of England

Apple-Anleihen sollen der britischen Wirtschaft helfen

VonKerstin Leitel

Hat der Hype um das neue iPhone auch die britische Notenbank erfasst? Die Bank of England hat angekündigt, unter anderem Anleihen des US-Konzerns kaufen zu wollen. Das stößt auf Kritik.

Die britischen Währungshüter wollen Apple-Anleihen kaufen. Das sorgt für Kritik. AP

Hype um das neue iPhone

Die britischen Währungshüter wollen Apple-Anleihen kaufen. Das sorgt für Kritik.

LondonDie Stimmung in Großbritannien gegenüber dem amerikanischen Technologieriesen Apple ist derzeit durchwachsen, könnte man sagen: Einige Verbraucher freuen sich über das neue iPhone, das sie seit kurzem bestellen können, andere sind jedoch wütend über die happigen Preise für das Smartphone, das in Großbritannien wegen des schwachen Pfund-Kurses besonders teuer geworden ist. Daneben wirkt natürlich noch der Streit um die Steuernachzahlung in Irland nach. Und nun noch das: Die Bank of England (BoE) hat erklärt, Anleihen des US-Konzerns kaufen zu wollen.

Mit dem Ankauf von Unternehmensanleihen will die britische Notenbank nach dem überraschenden Brexit-Votum der Briten am 23. Juni die heimische Wirtschaft stützen. Experten hatten prophezeit, dass das „Leave“-Votum einen heftigen Rückschlag für die britische Wirtschaft darstellen werde, das wollte die Notenbank mit allen Mitteln verhindern. Sie senkte deswegen Anfang August die Zinsen auf 0,25 von zuvor 0,5 Prozent, den niedrigsten Stand seit ihrer Gründung im Jahr 1694. Zugleich signalisierte Notenbankchef Mark Carney die Bereitschaft zu weiteren Schritten und kündigte an, am Markt Unternehmensanleihen kaufen zu wollen. „Der Kauf von britischen Unternehmensanleihen wird die Realwirtschaft direkt unterstützen, weil sich dadurch die Finanzierungskonditionen der Unternehmen verbessern“, erklärte Carney dazu.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Jetzt hat die Notenbank eine Liste derjenigen Unternehmen veröffentlicht, deren Anleihen für Käufe in Frage kommen: Apple ist in der Excel-Tabelle aufgeführt, aber auch BMW, die Deutsche Bahn, die Deutsche Telekom oder AT&T und natürlich britische Firmen wie National Grid oder Vodafone. In Betracht kommen nach Angaben der BoE insgesamt Anleihen im Volumen von 110 Milliarden Pfund, davon will die Notenbank letztlich Papiere für zehn Milliarden Pfund einsammeln.

Nach Angaben der BoE ist entscheidend für die Auswahl, dass die Unternehmen „eine wesentlichen Beitrag zur Wirtschaft des Vereinigten Königreichs“ leisten, etwa, weil sie ihr Hauptquartier auf der Insel haben, viele Arbeitsplätze geschaffen haben oder auch viele britische Kunden hat. „Eine Firma mit Sitz außerhalb des Vereinigten Königreichs, das hunderte Menschen in Großbritannien beschäftigt und hier Umsätze erzielt in Höhe von 20 Millionen Pfund“ (umgerechnet knapp 23,5 Millionen Euro) würde damit die Kriterien erfüllen, erklärte die Notenbank in einem Statement.

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