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01.04.2014

15:20 Uhr

Bank of England

„Märkte sehen Zinswende zu gelassen“

Die Zinsen verharren auf sehr niedrigem Niveau – das könnte sich schon bald ändern. Die britische Nationalbank warnt allerdings die globalen Finanzmärkte: Das Ende der Niedrigzins-Ära birgt Gefahren.

Ein Logo der Bank of England. Das Finanzinstitut warnt: „Die Märkte sehen der Zinswende zu gelassen entgegen.“ dpa

Ein Logo der Bank of England. Das Finanzinstitut warnt: „Die Märkte sehen der Zinswende zu gelassen entgegen.“

LondonDie britische Notenbank warnt die globalen Finanzmärkte vor einem zu laxen Umgang mit dem anstehenden Ende der Niedrigzins-Ära. Sie hätten sich bislang von den Aussichten auf eine straffere Geldpolitik weitgehend unbeeindruckt gezeigt, heißt es in den am Dienstag veröffentlichten Protokollen der Zinssitzung von Anfang März. Dies berge die Gefahr, dass sich eine „verstärkte Risikoneigung“ einschleiche. Gefährlich sei vor allem, dass Händler und Investoren den Übergang in eine normalisierte Geldpolitik „nicht vollständig mit ins Kalkül ziehen“ würden.

Die Bank of England (BoE) dürfte nach Ansicht von Beobachtern nächstes Jahr als eine der ersten Zentralbanken der führenden Industriestaaten die Zinszügel anziehen. Derzeit liegt ihr Schlüsselzins noch auf dem historisch niedrigen Niveau von 0,5 Prozent, auch wenn sich die Wirtschaft bereits kräftig erholt hat.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Auch US-Notenbankchefin Janet Yellen hat durchblicken lassen, dass angesichts des Aufschwungs eine Straffung der Geldpolitik ab Frühjahr 2015 auf die Agenda kommen dürfte. Die signalisierte Abkehr vom Kurs des ultrabilligen Geldes in den USA hat bereits seit Mitte 2013 vor allem in den Schwellenländern für wirtschaftliche Turbulenzen gesorgt.

Viele ausländische Investoren zogen ihr Geld in der Hoffnung auf steigende Renditen in den Vereinigten Staaten aus den als riskanter geltenden Anlagen in Ländern wie Indien, Brasilien und der Türkei ab. Inzwischen liegen die Währungen dieser Volkswirtschaften allerdings wieder bis zu zehn Prozent über ihren Tiefs vom Januar, als die US-Notenbank mit dem Abbau ihrer Konjunkturspritzen begann.

Von

rtr

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