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28.11.2014

11:24 Uhr

Bankanleihen

Neue Finanzregeln zeigen erste Wirkung

Vorrangige Anleihen von Barclays und Royal Bank of Scotland rentieren höher als Anleihen der operativen Gesellschaften. Grund dafür ist die Sorge der Anleger, dass vorrangige Anleiheinvestoren Verluste hinnehmen müssen.

Bankkunden benutzen einen Barclays-Automaten. An den Anleihen der Bank kann man bereits die Sorgen der Anleger ablesen. dpa

Bankkunden benutzen einen Barclays-Automaten. An den Anleihen der Bank kann man bereits die Sorgen der Anleger ablesen.

LondonFünf Jahre bevor sie in Kraft treten sind die Auswirkungen neuer Kapitalregeln für die weltgrößten Kreditinstitute bei europäischen Bankanleihen bereits sichtbar.

Vorrangige Anleihen von Barclays und Royal Bank of Scotland rentieren bis zu 38 Basispunkte höher als vergleichbare Papiere, die von den operativen Bankgesellschaften begeben wurden. Noch im Oktober gab es kaum Renditeunterschiede.

In der Differenz kommt die zunehmende Sorge der Investoren zum Ausdruck, dass die vorrangigen Anleihen der Holdinggesellschaften Verluste mittragen müssen, wenn eine Bank in Schieflage gerät, während die Anleihen der operativen Gesellschaften davon verschont bleiben - ein Szenario, das die Aufseher befürworten. Im Zuge der größten Reform bei Verbindlichkeiten aus der Bankenbranche seit einer Generation nehmen die Investoren auch einen Anstieg bei der Emission von vorrangigen Anleihen, die abgeschrieben werden können, vorweg.

„Es besteht nun ein größeres Risiko bei Anleihen von Holdinggesellschaften und es wird ein größeres Angebot geben“, sagte Dan Lustig, Leitender Analyst bei Legal & General Investment Management in London. „Es gibt immer ein Wettrennen zwischen den Banken, wenn sie sich auf eine Regulierungsänderung vorbereiten, und der Markt wird alles sofort diskontieren“, fügte er an.

Der Finanzstabilitätsrat FSB in Basel hat vor, bei den 30 größten und systemisch wichtigen Banken vorrangigen Anleihegläubigern Verluste aufzubürden, bevor Steuergelder eingesetzt werden müssen, um Banken in Schieflage zu retten.

Die Banken haben nach Daten von Bloomberg verlustabsorbierende Anleihen im Volumen von 650 Milliarden Dollar in Euro, Yen und Dollar im Umlauf. Nach Einschätzung von Douglas Flint, Chairman von HSBC, müsste das Volumen wohl fast verdoppelt werden, um die Vorgaben des FSB zu erfüllen.

Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen

Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben

Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.

Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben

Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen. Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen.

Was passiert wenn die Zinsen steigen

Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten. Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern.

Was tun wenn die Zinsen steigen

Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv. Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell.

Fazit

In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds gut geeignet. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren kaum noch geben.

Das Zusatz-Risiko der Anleihen von Holdinggesellschaften ist auch den Ratingagenturen aufgefallen. So werden Bonds von Barclays Plc, der Holdinggesellschaft, von Standard & Poor's mit „A-” und von Moody's Investors Service entsprechend mit „A3“ benotet. Hingegen werden die von der operativen Bank emittierten Papiere eine Stufe höher benotet.

„Wo möchte man als Anleiheinvestor lieber sein?”, fragt Giles Edwards, Analyst bei S&P in London. „In der operativen Gesellschaft oder in der Holdinggesellschaft, bei der man von einem Dividendenstrom abhängig ist, den ein Regulierer unterbrechen könnte? Man nennt es strukturelle Nachrangigkeit.“

In Europa sind die Aufsichtsbehörden in der Schweiz und in Großbritannien besonders entschieden für die Trennung der Banken in eine Holdinggesellschaft und eine operative Bank. Banken in anderen Ländern, die vorzugsweise über die operative Bank Anleihen emittieren, werden aber ebenfalls zu einer neuen Art von Anleihe finden müssen, die abgeschrieben werden kann.

Dirk Müllers Cashkurs

Anleihen: Was passiert, wenn die Blase platzt?

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