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22.11.2011

16:59 Uhr

Banken verlieren Vertrauen

Schuldenkrise trocknet den Geldmarkt aus

Keine Bank traut mehr einer anderen über den Weg. Die EZB soll in die Bresche springen, doch allen kann sie nicht helfen. Es herrschen Zustände auf dem Geldmarkt wie zum Höhepunkt der Finanzkrise.

MadridDie Schuldenkrise in Europa lässt den Geldmarkt austrocknen: Die Banken leihen sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) so hohe Summen wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor gut zwei Jahren nicht mehr, weil sie sich untereinander misstrauen und gegenseitig weniger Kredite gewähren. Spanien muss trotz des Machtwechsels so hohe Zinsen zahlen wie seit 14 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig strahlt die Krise immer mehr auf Osteuropa ab. Wegen nervöser Märkte blies Lettland am Dienstag die Auktion einer Staatsanleihe ab. Trotz steigender Zinskosten lehnt Bundeskanzlerin Angela Merkel die rasche Ausgabe gemeinsamer Euro-Bonds ab, für die die EU-Kommission am Mittwoch mit konkreten Vorschlägen werben will.

178 Banken aus den Euro-Ländern borgten sich bei der EZB zusammen 247 Milliarden Euro. Eine so hohe Summe haben die Frankfurter Währungshüter seit Mitte 2009 nicht mehr ausgegeben. „Wir brauchen nicht groß zu suchen, um Spannungen am Geldmarkt zu finden“, sagte Analyst Divyang Shah von IFR. Die Banken sind immer weniger bereit, sich untereinander mit Geld auszuhelfen. Sie fürchten, dass andere Kreditinstitute pleitegehen und sie auf ihren Forderungen sitzenbleiben könnten. „Der Geldmarkt funktioniert derzeit überhaupt nicht“, sagte ein anderer Experte. „Es ist im Grunde noch schlimmer als zur Zeit der Lehman-Pleite 2008, weil die Staaten nun ebenfalls handlungsunfähig sind. Das besorgt uns sehr.“

Die Eurokrise trocknet den Geldmarkt aus. dpa

Die Eurokrise trocknet den Geldmarkt aus.

Europas Banken können sich bei ihrer Refinanzierung auch immer weniger auf die US-Geldmarktfonds verlassen. Diese ziehen mehr und mehr Mittel aus den Instituten diesseits des Atlantiks ab, um nicht selbst in den Strudel der Euro-Schuldenkrise zu geraten, wie eine Studie der Ratingagentur Fitch zeigt. Demnach bauten die zehn größten US-Geldmarktfonds ihr Engagement im Oktober zum Vormonat auf Dollar-Basis um weitere neun Prozent ab.

"Die Zinskosten stechen ins Auge"

Um die Spannungen am Geldmarkt zu bekämpfen, vergibt die EZB unbegrenzt Kredite mit einjähriger Laufzeit an Banken. Diese haben sich bislang mehr als 500 Milliarden Euro von der Zentralbank besorgt. Fast zwei Drittel davon haben sie anschließend wieder bei ihr angelegt. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 waren es lediglich ein Drittel gewesen.

Dass die Waffen der EZB nicht immer helfen, zeigt die Versteigerung von Anleihen durch den klammen spanischen Staat. Bei der ersten Auktion seit dem Erdrutschsieg der konservativen Partei PP am Sonntag mussten Anleger mit extrem hohen Zinsen von mehr als fünf Prozent von dem Investment überzeugt werden - so hoch lagen sie seit 14 Jahren nicht mehr. Und das, obwohl die EZB jede Woche Milliarden für den Kauf von Staatsanleihen aus Krisenländern wie Spanien und Italien ausgibt, um so die Zinsen zu drücken. „Die Zinskosten stechen ins Auge“, fasste Analystin Jo Tomkins von 4Cast. Das Interesse der Anleger an den Anleihen mit drei- und sechsmonatiger Laufzeit war allerdings sehr hoch.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

22.11.2011, 17:41 Uhr

Die nSchuldenkrise wäre mit einer einzigen Entscheidung zu beenden: Löst den unglückseligen Euroverbund auf und führt endlich wieder nationale Währungen für alle ein. Dann werten Krisenländer ab, werden aber auch wieder wettbewerbsfähig. Die Retterei bewirkt nichts außer auch die Starken mit der Euroschuldenkrankheit zu infizieren. Schluss damit! Kein Land profitiert mehr von der Chaoswährung. Alle kollabieren derzeit...

Alfons-Alias

22.11.2011, 17:52 Uhr

Meiner Meinung nach sind die meisten Investmentbaken eh schon länger pleite, die Tatsache ist nur durch das ständige hin und her Schieben von Buchgeld verschleiert worden. Würde mal zu einem bestimmten Stichtag für eine Stunde der Zahlungsverkehr auf der ganzen Welt unterbrochen und dann Bilanz gemacht, ich glaube dann würde der ganze Schwindel herauskommen und da soll der Steuerzahler den Schwindel auch noch unterstützen.

Pinin

22.11.2011, 17:53 Uhr

Genau.
Denn es stimmt nicht, ein Austritt aus dem Euro wäre "zu teuer" etc.

Alles was die Pleiteländer und Pleitebanken an Schulden aufgehäuft haben ist sowieso verloren und wird niemals zurückgezahlt werden können.

Aber beim Auflösen der Euro-Bande kann wenigstens das weitere Anwachsen dieser verlorenen Ersparnisse und der verlorenen künftig erarbeiteten Vermögen Deutschlands verhindert werden.

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