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24.06.2013

12:07 Uhr

Bankenkrise

Chinas Börsen brechen ein

Chinas Zentralbank will nicht mehr Finanzfeuerwehr spielen. Die Banken sollen mehr Disziplin zeigen. Die neuen Töne der Notenbanker wirken wie ein Schock. Die Börsen sacken dramatisch in den Keller.

Blick auf die Kursverluste: Der Schock an den chinesischen Börsen sitzt tief. dpa

Blick auf die Kursverluste: Der Schock an den chinesischen Börsen sitzt tief.

PekingChinas Aktienmärkte haben den schwersten Absturz seit fast vier Jahren erlebt. Ursache ist die Weigerung der Zentralbank, neues Geld in den Markt zu pumpen. Die Notenbanker wiesen die Sorgen über eine Kreditklemme zurück und betonten vielmehr, die Liquidität sei auf einem „vernünftigen Niveau“. Außerdem rief die Zentralbank die Banken auf, ihre Zahlungsfähigkeit besser zu steuern und auf Kreditrisiken zu achten.

Die Verunsicherung ließ den Composite Index an der Börse in Shanghai um 5,3 Prozent auf 1963 Punkte in den Keller fallen. Es ist der tiefste Stand seit fast sieben Monaten. In Shenzhen ging es sogar um 6,73 Prozent auf 7588 Punkte nach unten. Die Zentralbank beharrte auf ihrem Kurs, mehr Disziplin in den Finanzmarkt zu bringen, der durch massive Kreditvergabe auch im boomenden Schattenbankensystem große Risiken angesammelt hat.

Die Notenbanker wiesen die Finanzhäuser an, wegen der Fluktuationen, einschließlich der Mitte des Jahres üblichen hohen Geldnachfrage, ihre Liquidität besser zu handhaben. Sie sollten ihre Ausgaben rechtzeitig planen und ausreichend Geldmittel bereithalten. Die Erklärung ist vom 17. Juni datiert, wurde aber erst am Montag auf der Internetseite der Notenbank veröffentlicht.

Der Zeitverzug wurde nicht erklärt, doch wurde die Veröffentlichung am Montag als Zeichen gewertet, dass die Zentralbank ungeachtet der jüngsten Unruhe an ihrer langfristigen Strategie festhalten will. Die Weigerung, weiter Geld in die Märkte zu pumpen, hatte vergangene Woche zu einem explosionsartigen Anstieg der Geldmarktsätze auf Rekordwerte geführt.

Der Handel am Interbankenmarkt war am vergangenen Donnerstag praktisch zum Stillstand gekommen. Die Geldmarktrate war kurzfristig auf 25 Prozent gestiegen, lag am Montag mit mehr als sechs Prozent weiter auf hohem Niveau. Mit der Veröffentlichung des eine Woche alten Kommentars wolle die Notenbank deutlich machen, dass sie nicht mehr Liquidität in den Markt stecken wolle, sagte Li Miaoxian von Bocom International Holdings in Peking.

Die Instabilität des Finanzmarktes weckt neue Sorgen über den Zustand der zweitgrößten Volkswirtschaft. Die Hinweise auf eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China mehren sich. So reduzierte die Investmentbank Goldman Sachs ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf 7,4 Prozent. Bisher ging sie noch von 7,8 Prozent aus. Goldman begründete die Prognosesenkung mit den verschlechterten Finanzierungsbedingungen.

Nach einer Sitzung ihres zuständigen Ausschusses bekräftigte die Zentralbank ferner, weiter eine vorsichtige Geldpolitik verfolgen und zur angemessenen Zeit Feineinstellungen vornehmen zu wollen. Die Steuerung der Liquidität solle verbessert und stabiles, gemäßigtes Kreditwachstum auf dem regulären und grauen Franzmarkt gesichert werden. Wirtschaft und Finanzmarkt entwickelten sich „insgesamt stabil“, stellte die Notenbank fest.

Von

dpa

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

24.06.2013, 12:49 Uhr

" Außerdem rief die Zentralbank die Banken auf, ihre Zahlungsfähigkeit besser zu steuern und auf Kreditrisiken zu achten."

Ja Bernanke und Draghi, davon koennt ihr was lernen. Vor allem Bernanke, der ja genau die Krise, die ER selber mit anderen FED-Leuten erst verursacht hatte, mit endlosem Gelddrucken und Massenenteignungen bekaempft. Und jetzt kommt die Bernanke-Ueberbubble, oder wie?

China geht den richtigen Weg und dies in einem extrem aufstrebenden Land, wo jede Politik sehr schwierig ist.

eksom

24.06.2013, 13:31 Uhr

In China gibt es keine freie Marktwirtschaft, aber auch kein Kommunismus mehr.
Die kommunistische Partei bestimmt die Gesetze, die Märkte und damit die Zukunft des Landes, sonst niemand! Bürgerbegehren, Demos, Volksentscheide alles nur bedeutungslose Fremdwörter für die chinesischen Machthaber! Und die westliche Welt kann nur zuschauen und beten!

Suss

24.06.2013, 14:08 Uhr

Das Schneeballsystem kommt an seine Grenzen. Die Chinesen steigen langsam aus. Vielleicht nicht so dumm, denn wer als erster aussteigt hat die geringsten Verluste.

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