Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.06.2014

12:12 Uhr

Beate-Uhse-Anleihe

„Sex sells“ – auch bei Minibonds?

VonSara Zinnecker

Jahrelang kämpfte Beate Uhse mit schwindenden Umsätzen, mittlerweile läuft die Restrukturierung. Ein Minibond soll Deutschlands bekanntestem Erotikkonzern jetzt 30 Millionen Euro bescheren. Was Anleger beachten sollten.

Beate-Uhse-Aktien können Anleger schon länger zeichnen. Jetzt gibt es auch eine Anleihe. dpa

Beate-Uhse-Aktien können Anleger schon länger zeichnen. Jetzt gibt es auch eine Anleihe.

Düsseldorf„Sex sells“ – Die Erkenntnis, dass sich alles rund um die Liebe recht gut zu Geld machen lässt, ist so alt wie grundsätzlich auch zutreffend. Dementsprechend optimistisch dürfte der Erotikkonzern Beate Uhse auf den heutigen Montag blicken. Denn zum Wochenbeginn startet die Zeichnungsfrist für eine neue Anleihe, über die das Unternehmen von Investoren 30 Millionen Euro einsammeln möchte.

Der Erlös aus der Emission soll zur Finanzierung von Investitionen in das weitere ertragsstarke Wachstum, zur weiteren Umsetzung des Marken-Relaunchs und zur Rückführung von Bankkrediten verwendet werden, heißt es in der Ad-Hoc Mitteilung der Beate Uhse Gruppe, die bereits seit 1999 an der Börse notiert ist.

Allerdings lief es spätestens seit dem Tod der Firmengründerin und Namensgeberin Beate Uhse im Jahr 2001 nicht mehr wirklich rund. Anfangs 64-fach überzeichnet, war die Aktie bis 2008 zum Pennystock geschrumpft. Was einst lukrativ erschien – der Unterhalt von Sexshops in Bahnhofsgegenden, die auf das männliche Publikum ausgerichtet waren – zog nicht mehr. Durch das stetig wachsende Angebot von kostenlosen Filmen im Internet brach der einstige Umsatztreiber nach und nach weg. Jahrelang schrieb das Unternehmen tiefrote Zahlen.

Fakten zu Mittelstandsanleihen

Viele Pleiten

Insgesamt 27 Anleihen von 23 Emittenten mit einem platzierten Anleihevolumen von fast einer Milliarde Euro sind laut der Ratingagentur Scope seit 2010 ausgefallen.

Hohe Renditen

Mittelstandsanleihen locken mit hohen Zinskupons. Bei den seit 2010 begebenen 150 Papieren reicht das Spektrum von 4,0 bis immerhin 11,25 Prozent.

Milliardenmarkt

In diesen fünf Segmenten sind 113 Anleihen mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro emittiert worden. Tatsächlich platziert wurden nach Angaben der Ratingagentur Scope 4,14 Milliarden Euro. Weitere 37 Anleihen mittelständischer Unternehmen sind im Prime Standard oder im Freiverkehr (Strenesse) notiert. Insgesamt kommt Scope auf ein Volumen von 7,26 Milliarden Euro (platziert 5,77 Milliarden Euro).

Spezielle Marktsegmente

Die meisten Minibonds – mehr als 100 – sind in speziellen Segmenten an den deutschen Börsen notiert, und zwar Bondm in Stuttgart, m:access in München, Mittelstandsmarkt in Düsseldorf, Mittelstandbörse in Hamburg-Hannover und dem Frankfurter Entry Standard. Einige wenige Anleihen finden sich im Prime Standard der Frankfurter Börse wieder, der stärker reguliert ist als die Mittelstandssegmente. Die Anleihe des insolventen Modelabels Strenesse ist dagegen lediglich im Freiverkehr (Open Market) der Frankfurter Börse gelistet, dem am wenigsten regulierten Markt.

Kleine Bonds

Mittelstandsanleihen gibt es seit 2010. Die Minibonds sollen Mittelständlern neue Finanzierungsmöglichkeit über den Bankkredit hinaus ermöglichen.

Schließlich kam im 2010 mit Serge van der Hooft ein neuer Mann an die Unternehmensspitze – er wollte das Schmuddel-Image, das Beate Uhse anhaftete, loswerden. 80 Prozent der angebotenen Waren richten sich heute an Frauen, vor allem Dessous verkaufen sich gut. Das Unternehmen, das bis dato zahlreiche Shops geschlossen und Mitarbeiter entlassen hat, macht seinen Hauptumsatz heute im Internet. 2013 war das Konzernergebnis mit rund 3,7 Millionen Euro wieder positiv.

Dennoch sollten Anleger einen Moment überlegen, ob sie dem bekannten Markennamen ihr Geld überlassen wollen. Denn die Restrukturierung ist nicht abgeschlossen – um sie weiterzuführen braucht das Unternehmen, das bei der langfristigen Finanzierung künftig auf Banken verzichten dürfte, ja gerade das frische Geld.

Die Konditionen der Anleihe erscheinen natürlich verlockend: Über fünf Jahre soll der Minibond, gelistet im Entry Standard der Frankfurter Börse, jedes Jahr 7,75 Prozent Zinsen abwerfen. Doch könnte es mit den Ausschüttungen und der Rückzahlung schwierig werden, sollte die Restrukturierung nicht in geplanter Weise ablaufen. Die Einschätzung unterstützt auch das aktuelle Emittentenrating von Euler Hermes, die die Beate Uhse AG auf BB- einstufen. Übersetzt heißt das, die Anleihe kann nur in wirtschaftlich stabilem Umfeld bedient werden – und enthält spekulative Elemente.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×