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21.09.2011

12:41 Uhr

Begehrte Bundesanleihen

Sicherheit um jeden Preis

VonAndrea Cünnen

Die Bundesrepublik kann sich so billig verschulden wie nie. Investoren reißen sich um deutsche Bundesanleihen, obwohl die Rendite mickrig ausfällt. Rational ist das nicht. Doch um Rendite geht es schon lange nicht mehr.

Schwarz, rot, gold ist auch bei Investoren angesagt. dpa

Schwarz, rot, gold ist auch bei Investoren angesagt.

FrankfurtEs klingt paradox: Viele Investoren finden deutsche Staatsanleihen zu teuer, aber sie kaufen sie dennoch. Das macht die Bundesanleihen über die steigenden Kurse noch teurer und im Gegenzug die Renditen immer niedriger und unattraktiver. Bei der Aufstockung einer zehnjährigen Bundesanleihe fiel der Zins erstmals unter die Marke von zwei Prozent. Die Durchschnittsrendite lag bei 1,8 Prozent, teilte die mit dem Schuldenmanagement beauftragte Finanzagentur am Mittwoch mit. Bei der vorherigen Auktion Ende August waren es noch 2,15 Prozent.

Der Bund nahm bei der Aufstockung insgesamt 4,2 Milliarden Euro ein. Die Nachfrage übertraf das Angebot um das Anderthalbfache. „Bei einem negativen Realzins ist das nicht schlecht“, sagte Analyst Marc Ostwald von Monument Securities. Der Bund will sich in diesem Jahr 291 Milliarden Euro am Kapitalmarkt leihen.

Dabei entschädigen die Renditen nicht einmal für die Inflation, die zuletzt in Deutschland bei 2,4 Prozent lag. „Rational ist das nicht, aber die Investoren setzen so sehr auf Sicherheit und darauf, ihr Kapital zumindest nominal zu erhalten, dass sie auch negative Realrenditen in Kauf nehmen“, sagt Oliver Borgis, Leiter des Portfoliomanagements für Anleihen bei der Weberbank.

Die meisten Strategen gehen zwar davon aus, dass die Renditen wieder steigen werden, aber nur vergleichsweise moderat. Renditen von drei Prozent für die Laufzeit von zehn Jahren dürfte es nach Meinung der meisten Volkswirte erst in zwölf Monaten wieder geben.

Jetzt noch in Bundesanleihen einzusteigen lohnt sich nach Ansicht von Lazlo Belgrado, der bei der belgischen Fondsgesellschaft KBC für Anleiheinvestments verantwortlich ist, nur, wenn die Wirtschaft in eine neue Rezession abgleitet. Allenfalls kurzfristig seien langlaufende Bundesanleihen als sicherer Hafen für institutionelle Anleger attraktiv.

Der bisherige neue Run auf Bundesanleihen setzte mit dem Einbruch der Aktienmärkte Ende Juli ein. Auch die sich weiter zuspitzende Krise um die wirtschaftlich schwachen Euro-Randländer und die Diskussionen um einen Zahlungsausfall Griechenlands bescherten den Bundesanleihen unter den professionellen Anlegern Zulauf. Privatanleger haben dagegen ihre Investments in Bundesanleihen unter dem Strich nicht erhöht.

Bei der deutschen Finanzagentur – dem Schuldenmanager des Bunds – haben Privatanleger derzeit rund elf Milliarden Euro in Bundeswertpapiere angelegt. Das sind nach Angaben eines Sprechers so viel wie Anfang des Jahres. Am beliebtesten sind Bundesschatzbriefe, in denen private Investoren bei der Finanzagentur direkt 8,4 Milliarden Euro angelegt haben.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

21.09.2011, 13:33 Uhr

Und da sage noch einer Deutschland profitiert nicht von der momentanen Schuldenkrise einiger europäischer Staaten.

Bei ca. 330 - 350 Mrd. Euro Refinanzierungsbedarf des Bundes im Jahr, kann sich Schäuble vor Lachen wegen der "wind-fall-profits" in zweistelliger Milliarden-Höhe kaum mehr auf seinem Rollstuhl halten !!!

Account gelöscht!

21.09.2011, 14:17 Uhr

schwarz-rot-geil

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