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10.01.2005

07:02 Uhr

DÜSSELDORF. Die Pharmabranche könnte der Überraschungssektor des laufenden Jahres werden, jubeln die Analysten von Morgan Stanley in einer aktuellen Studie. Die Aktien seien günstig bewertet, die Perspektiven gut. Aufmerksamen Anlegern mag das wie ein Déjà-vu erscheinen: Schon zu Beginn des vergangenen Jahres wurden Pharmawerte bei vielen Finanzexperten als Top-Favoriten geführt. Schon damals galten die Papiere als günstig und attraktiv. Investoren, die auf die Empfehlungen der Profis hörten, wurden jedoch bitter enttäuscht.

Im amerikanischen S&P-500-Index, der im Vorjahr rund neun Prozent zulegte, war die Gesundheitsbranche 2004 der schwächste Sektor. Und auch in Großbritannien zählten die Papiere der Pillenproduzenten zu den größten Verlierern. Europas größtes Pharmaunternehmen Glaxo Smithkline kam mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Schlimmer traf es den Konkurrenten Astra Zeneca, dessen Kurs fast 30 Prozent einbüßte. Nur die deutschen Werte schnitten vergleichsweise gut ab. Auf Jahressicht findet sich Altana im Mittelfeld des deutschen Leitindexes Dax. Schering konnte sich als einer der wenigen Pharmawerte sogar in der Spitzengruppe halten.

Dabei sprach das Umfeld am Aktienmarkt eigentlich für die Titel der Branche. Der hohe Ölpreis und die allgemeine Risikoscheu trieben Anleger 2004 in defensive Werte – zu denen auch die Pharmaaktien zählen. Doch einer erfreulichen Entwicklung in den ersten Monaten des Jahres folgte eine abrupte Wende: Hiobsbotschaften über Nebenwirkungen bei wichtigen Medikamenten, verzögerte Zulassungen, drohende Prozesse über Schadensersatz in Milliardenhöhe oder enttäuschende klinische Tests für neue Wirkstoffe setzten die Aktienkurse von Glaxo, Pfizer und Co. zunehmend unter Druck.

Bei Astra Zeneca zeigten sich beispielsweise bei einem Cholesterinsenker Nebenwirkungen. Und die Aktie von Merck, die auf Jahressicht zu den größten Verlierern an der Wall Street zählt, stürzte binnen weniger Wochen um 40 Prozent ab, nachdem der US-Konzern das Schmerzmittel Vioxx vom Markt nehmen musste. Das Medikament, das dem Unternehmen jährlich 2,5 Mrd. Dollar in die Kassen spülte, soll das Herzinfarktrisiko erhöhen. Zudem soll Merck bereits im Vorfeld die Nebenwirkungen erkannt, diese den Patienten aber verschwiegen haben. Am Markt schürt das Befürchtungen, dass dem Konzern Schadensersatzklagen im zweistelligen Milliardenbereich drohen.

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