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19.06.2014

16:30 Uhr

Bei schwacher Inflation

EZB könnte Anleihen kaufen

„Unkonventionelle Instrumente“ sei die EZB laut Vizepräsident Vitor Constancio bereit einzusetzen, sollte eine längere Periode niedriger Inflation drohen. Gemeint wären damit wohl in erster Linie Anleihenkäufe.

EZB-Vizepräsident Vitor Constancio signalisierte heute, dass die Zentralbank eine längere Inflations-Periode wohl mit einem Anleihekaufprogramm bekämpfen würde. Reuters

EZB-Vizepräsident Vitor Constancio signalisierte heute, dass die Zentralbank eine längere Inflations-Periode wohl mit einem Anleihekaufprogramm bekämpfen würde.

FrankfurtEZB-Vizepräsident Vitor Constancio hat signalisiert, dass für die Europäische Zentralbank großvolumige Anleihekäufe der nächste Schritt sind, sollten sich die Inflationsaussichten verschlechtern.

„Wie würde die EZB reagieren, wenn die Risiken einer längeren Periode niedriger Inflation konkret werden?“, fragte Constancio am Donnerstag in einer Rede in Athen. „Die EZB ist bereit, zusätzliche unkonventionelle Instrumente einzusetzen, sollte die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios zunehmen. Die politische Antwort darauf würde ein breit angelegtes Anleihekaufprogramm beinhalten.“

Nach der Zinsentscheidung der EZB am 5. Juni hatte Notenbankpräsident Mario Draghi ein Maßnahmenpaket bekanntgegeben, das die Eurozone gegen eine Deflation schützen und das Wachstum anschieben soll. Neben einem negativen Einlagensatz der EZB beinhaltet das Paket gezielte Kredite an Banken. Die 18 Mitglieder umfassende Eurozone kämpft darum, die Konjunkturerholung aufrechtzuerhalten, gebremst von einem schwachen Kreditwachstum, hoher Arbeitslosigkeit und einer Inflation von gerade einem Viertel des von der EZB angepeilten Wertes.

„Die EZB hat keinen Zweifel an ihrer Entschlossenheit gelassen, eine Abwärtsentwicklung bei der Inflation in der Eurozone zu vermeiden, weil eine solche Entwicklung äußerst schädlich wäre“, betonte Constancio.

Niedrige Inflation: Wie reagiert die EZB?

Was spricht für ein Eingreifen der EZB?

Die Inflation im Euro-Raum lag im Mai bei 0,5 Prozent – und damit weit entfernt von der Zielmarke der EZB von nahe zwei Prozent. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen niedrig zu halten oder noch unter das Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken. EZB-Präsident Mario Draghi hatte betont, die Notenbank werde sich notfalls entschieden gegen einen Preisverfall stemmen.

Warum sind sinkende Preise schlecht?

Für Verbraucher sind sinkende Preise zunächst erfreulich, schließlich bekommt man mehr für sein Geld. Die Gefahr ist, dass eine Abwärtsspirale in Gang kommt, wenn die Preise auf breiter Front fallen. Ökonomen nennen das Deflation. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen hinauszögern - in der Erwartung, dass es in den nächsten Monaten noch günstiger für sie wird. Das könnte die ohnehin noch fragile Erholung der Konjunktur in Europa abwürgen.

Wie real ist die Deflations-Gefahr?

„Eine handfeste Deflation ist in der Eurozone eine sehr weit entfernte Gefahr“, meint Berenberg-Volkswirt Christian Schulz. Das betont auch regelmäßig das EZB-Spitzenpersonal. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte Mitte März erklärt, er halte die Risiken von Preis- und Lohnrückgängen auf breiter Front im Euroraum für sehr begrenzt.

Was kann die EZB tun?

Bei den Zinsen hat die EZB den Boden fast erreicht. Mit einem Leitzins von 0,25 Prozent ist Zentralbankgeld für die Banken im Euroraum bereits extrem günstig. Ob eine weitere Zinssenkung die Geldinstitute dazu bewegen würde, mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln, ist umstritten. Denkbar wäre, dass die EZB den Zins für Geld, das Geschäftsbanken bei der Notenbank parken, unter Null senkt. Theoretisch möglich wäre auch, dass die EZB in großem Stil Staatsanleihen aufkauft.

Bringen noch niedrigere Zinsen überhaupt etwas?

Theoretisch animiert das billige Geld Unternehmen zum Investieren und Verbraucher zum Konsumieren - beides kurbelt die Konjunktur an und erhöht so den Preisauftrieb. Doch gerade in den kriselnden Eurostaaten in Südeuropa blieb die Kreditvergabe zuletzt schwach. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) kann die EZB mit noch billigerem Geld dagegen so gut wie nichts ausrichten.

Die Erfahrungen von Ländern wie den USA und Großbritannien haben laut Constancio gezeigt, dass Programme zur quantitativen Lockerung effizient gestaltet werden und die Preise für Vermögenswerte, die Kreditvergabe und die Wechselkurse beeinflussen können. „Auch wenn sie neue Instrumente nutzen müssen, die Zentralbanken können ihre Verantwortung für die Sicherung der Preisstabilität nicht vermeiden, solange die Inflation durch die Geldpolitik bestimmt wird.“

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