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06.12.2013

13:46 Uhr

Berkshire Hathaway

Warren Buffett ist der beste Investor

Warren Buffett ist nicht nur ein großartiger Investor – er ist der beste. Das hat eine neue Studie des National Bureau of Economic Research gezeigt. Auch sein Erfolgsrezept hat die Studie entschlüsselt.

Da hat Warren Buffett gut lachen: Jetzt ist es offiziell – er ist der beste Investor. Reuters

Da hat Warren Buffett gut lachen: Jetzt ist es offiziell – er ist der beste Investor.

Ein Index, der Erträge um Kursschwankungen bereinigt misst, zeigt auf, dass der Milliardär und Chef von Berkshire Hathaway Inc. ein besseres Ergebnis abgeliefert hat, als jede langlebige US-Aktie und jeder Investmentfonds.

In einer Studie, die in dieser Woche vom National Bureau of Economic Research veröffentlicht wurde und die alle US-Aktien von 1926 bis 2011 berücksichtigt, die seit mehr als 30 Jahren an der Börse gehandelt werden, kam Buffett auf eine Sharpe Ratio von 0,76 seit 1976. Das liegt um fast das doppelte höher als der Wert von 0,39 für den Aktienmarkt.

Buffett übertrifft damit auch die Entwicklung sämtlicher 196 US-Investmentfonds, die seit 30 Jahren am Markt sind. Diese kommen im Median auf eine Sharpe-Ratio von 0,37.

Wer ist Warren Buffett?

Die Grundlagen

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.

Der Förderer

Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdienten Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.

Buffett Partnership , LTD

Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.

Der Aufstieg

Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.

Berkshires Umwandlung

Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre währt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.

Buffetts Bilanz

Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommen- wie auch der Kapitelertragsteuer.

Das Prinzip

Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.

Das Dilemma

Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.

American Express

Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren einen Profit von 20 Millionen Dollar ein.

Das Versicherungsgeschäft

Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re. 

Washington Post

Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.

Coca-Cola

Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Gillette

Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam, aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.

Fruit of the Loom

Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.

Clayton Homes

Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.

Wells Fargo

Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Geheimnis von Buffetts Anlageerfolg in seinem Einsatz von Fremdkapital zusammen mit einem Augenmerk auf billige, sichere und qualitätsvolle Aktien liegt.

Buffett ist demnach bereit, Kredit aufzunehmen, um sein Investment zu finanzieren. Dann sucht er Aktien heraus, die eine geringe Volatilität haben und günstig sind - gemessen am niedrigen Kurs-Buch-Verhältnis. Zudem müssen sie von hoher Qualität sein, das heißt, die Unternehmen sind profitabel und leisten hohe Ausschüttungen.

Die Autoren haben überdies das Portfolio von Buffett aufgeschlüsselt und zwischen Aktieninvestments und nicht börsengehandelten Unternehmen in seinem Besitz unterschieden. Dabei stellte sich heraus, dass börsennotierte Aktien die beste Performance aufzuweisen hatten. Das führte zu dem Schluss, dass Buffetts Erträge mehr auf seine Aktienauswahl zurückzuführen sind, als auf den Druck, den er auf Unternehmen in seinem Portfolio ausübt, damit sie ihr Management verbessern.

„Der Erfolg von Buffett ist offenbar kein Glück, sondern zeigt, dass Substanzwert- und Qualitätsinvesting umgesetzt werden kann“, schrieben die Autoren der Studie, Andrea Frazzini und David Kabiller von AQR Capital Management LLC und Lasse H. Pedersen von der Copenhagen Business School, „wer eine Zeitreise unternimmt und 1976 eine Aktie auswählt, sollte Berkshire nehmen.“

Kommentare (6)

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Hagbard_Celine

06.12.2013, 15:51 Uhr

Buffet spekuliert nicht, er investiert.

Da er dadurch indirekt das Zinsgefüge pflegt, also dazu beiträgt das der Erfolgt der Unternehmen sich in deren Kreditkosten niederschlägt, sorgt er für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze.

Buffet hat vermutlich mehr für die US Wirtschaft und dessen Arbeitsmarkt getan als jeder andere Amerikaner.

Er hat sich damals geweigert die Belegschaft von Berkshire Hathaway die aus dem Textilbereich kam zu entlassen "since their skills were specific and difficult to redeploy in the current economy".

Fast grenzenloser wirtschaftlicher Erfolgt gepaart mit sozialer Verantwortung, daß ist (leider) wirklich einzigartig.

Minderwertigkeitskomplexe

06.12.2013, 16:36 Uhr

Buffett ist fuer mich die Perversion des Spekulanten. Schon so alt und will immer noch mehr...fuer was?!

rs.depot.de

06.12.2013, 17:45 Uhr

Buffett konnte mit seinen Fonds seit 1990 also über rund 24 Jahre eine durchschnittliche jährliche Rendite von 14,2 % erreichen. Das ist durchaus beachtlich. Das Einzige was man kritisieren könnte ist der Einbruch um 45% im Jahr 2008/2009. Das hat sicher viele Investoren verunsichert.
Aber es gibt inzwischen auch kombinierte Modelle, die in Krisenzeiten umschichten und so diese radikalen Einbrüche vermeiden [...].

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