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15.05.2014

06:40 Uhr

Bert Flossbach im Interview

„Das ist ein Freibrief für die Enteignung“

VonJörg Hackhausen

Bert Flossbach klagt über Gehaltsexzesse von Managern und mangelnde Ehrlichkeit bei Banken. Das will der Vermögensverwalter nicht hinnehmen. Was ihn ärgert, was er fordert und wie er seine Macht als Aktionär nutzen will.

Bert Flossbach im Handelsblatt Online Interview: „Das Geld darf niemals der Antrieb sein.“

Bert Flossbach im Handelsblatt Online Interview: „Das Geld darf niemals der Antrieb sein.“

Von seinem Büro im 25. Stock eines gläsernen Turms schaut Bert Flossbach auf Köln herab, an schönen Tagen ist die Sicht frei bis zur Eifel. Meistens hat der Vermögensverwalter einen der acht Bildschirme auf seinem Schreibtisch im Blick. Flossbach war in den vergangenen Jahren einer der erfolgreichsten Geldmanager in Deutschland. Zusammen mit Kurt von Storch verwaltet er rund 14 Milliarden Euro im Auftrag seiner Kunden. Am liebsten investiert er in Aktien.

Herr Flossbach, ein Thema bewegt Sie gerade besonders: Hohe Gehälter in den Vorstandsetagen. Was stört Sie?
Wir beobachten mit großer Besorgnis, dass die Gehälter von Managern exorbitant steigen, obwohl die Leistung in vielen Fällen das nicht rechtfertigt. Die Entwicklung hat in Amerika angefangen, bei Unternehmen wie General Electric oder den Banken, mittlerweile ist sie in Deutschland angekommen.

Verdienen deutsche Manager zu viel?

In den 1990er-Jahren waren die Gehälter deutscher Dax-Chefs vergleichsweise gering. Das ist nicht mehr so. Wir sind bei Gehältern angekommen, die bei den erfolgreichen Chefs gerade noch nachvollziehbar sind, bei einigen aber viel zu hoch ausfallen.

Woran liegt das?

Das schaukelt sich hoch. Die Manager schauen auf die Gehaltslisten wie auf eine Bundesligatabelle. Sie vergleichen untereinander: Wer liegt noch vor mir – und sollte ich nicht eigentlich davor liegen!? Dann wird beim Aufsichtsrat eine Erhöhung durchgesetzt.

Das klingt, als hätten wir es nur mit unersättlichen Geldgeiern zu tun.

Das Verhalten ist ganz menschlich. Sie können noch so zufrieden sein mit Ihrem Gehalt. In dem Moment, in dem Sie erfahren, dass ein anderer, den Sie für weniger qualifiziert halten, mehr verdient, bricht Ihr Glück zusammen.

Die verlässlichsten Dividendenzahler

Platz 15

Siemens
Dax
Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 7
Jährliche Steigerung: 11,8 Prozent

Platz 14

Generali Deutschland

GeneralSt

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 7

Jährliche Steigerung: 16,2 Prozent

Platz 13

Gerry Weber

MDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 7

Jährliche Steigerung: 17,6 Prozent

Platz 12

Henkel

Dax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 10,1 Prozent

Platz 11

Grenkeleasing

SDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 10,3 Prozent

Platz 10

Linde

Dax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 10,7 Prozent

Platz 9

BayWa

MDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 11,7 Prozent

Platz 8

Nürnberger Beteiligungs-AG

GeneralSt

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 12,6 Prozent

Platz 7

Axel Springer

MDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 17,4 Prozent

Platz 6

Munich Re

Dax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 8

Jährliche Steigerung: 21,1 Prozent

Platz 5

Fielmann

MDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 9

Jährliche Steigerung: 14,5 Prozent

Platz 4

Fresenius Medical

Dax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 10

Jährliche Steigerung: 9,2 Prozent

Platz 3

Fresenius SE

Dax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 10

Jährliche Steigerung: 11,9 Prozent

Platz 2

Fuchs Petrolub

MDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 10

Jährliche Steigerung: 25,0 Prozent

Platz 1

Stratec Biomedical

TecDax

Dividendenanhebungen in 10 Jahren: 10

Jährliche Steigerung: 40,8 Prozent

Quelle: DSW/dips, April 2013

Transparenz bei Vorstandsgehältern ist also ungesund?

Ich bin sehr für Transparenz – an der richtigen Stelle. Als Aktionär will ich zum Beispiel wissen, nach welchen Kriterien bestimmte Boni bezahlt werden. Boni sollten Belohnung für besondere Leistungen sein, aber in vielen Fällen sind sie das nicht. Stellen Sie sich vor, der FC Bayern München würde seinem Trainer eine Sonderprämie für das Erreichen des Klassenerhalts zahlen. Absurd, aber leider Realität in vielen Unternehmen.

Wenn ein Unternehmen solche Dinge zulässt, könnte man sagen: selbst schuld.

Den Schaden haben aber die Eigentümer. Es ist ihr Geld, was dort verbrannt wird. Das lässt sich auch am Aktienkurs ablesen. Schauen Sie sich die Deutsche Bank an – die Aktie notierte vor 20 Jahren höher als heute. Von anderen Banken, die noch schlechter waren, wollen wir hier gar nicht reden.

Sind überzogene Gehälter und Boni vor allem ein Problem der Banker?

Das Problem ist im Investmentbanking am größten. Dort gibt es reihenweise Leute, die selbst keinerlei unternehmerisches Risiko tragen, aber in unvorstellbare Gehaltssphären vorstoßen. Dort können 30-jährige „Talente“ so viel verdienen, wie ein erfolgreicher Unternehmer am Ende eines langen Arbeitslebens, wenn überhaupt. Der Banker geht Risiken ein, der Unternehmer trägt sie, das ist ein feiner Unterschied. Während die Banken hier teilweise zurückrudern, nehmen die Auswüchse in anderen Branchen eher zu. Es führt dazu, dass die Unternehmen, die überzogen hohe Gehälter nicht zahlen wollen, Schwierigkeiten bekommen, gute Leute zu finden.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

15.05.2014, 08:41 Uhr

„Ich will nicht beschissen werden“
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Wer will das schon?

Aber mit Managerbashing allein ists noch nicht gerichtet, betrachtet man die Ertragsansprüche, denen sich viele Manager gegenübergestellt sehen.

Leute: Risiko kostet.

Und bei High-Risk Investments auf Angestellte schimpfen, wenns daneben geht: das klingt nicht nur merkwürdig.

Account gelöscht!

15.05.2014, 08:44 Uhr

Schon wieder ein Manager-bashing-Beitrag. Ich frage mich wie Herr Flossbach bei seinem Gehalt abschneidet. Und kein Wort darüber, dass so mancher Fussbaler mehr als DAX-Manager verdienen. Oder Schauspieler? Oder Musiker?

Warum gleich nur Manager-bashing und nicht Er-verdient-mehr-wie-ich-bashing? Ich habe früh genug im Leben gelernt - es geht nicht darum wieviel Geld ich verdienen will, es geht darum wieviel Geld jemand bereit ist, mir zu geben.

Offenbar sind Aufsichtsräte bereit soviel Geld zu geben, genau wie Real Madrid bereit ist, 21 Millionen für Cristiano Ronaldo zu zahlen.

Account gelöscht!

15.05.2014, 08:53 Uhr

Jeder ist ersetztbar!

Diesen Spruch sollte man Top-Managern jeden Tag in's Gesicht sagen!

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