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21.01.2010

11:28 Uhr

Bert Flossbach im Interview

„Die Gelddruckmaschine läuft weiter“

VonJörg Hackhausen

Weltweit nimmt die Staatsverschuldung ungeahnte Ausmaße an. Griechenland steht vor der Pleite. Und auch große Staaten geraten unter Druck. Was das für Anleger bedeutet, warum man Ratingagenturen nicht trauen kann und wieso Mandarinunterricht zum Pflichtfach an Schulen werden könnte - darüber spricht Vermögensverwalter Bert Flossbach im Interview mit dem Handelsblatt.

Bert Flossbach, Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch, rät Anlegern zu Bundesanleihen, Gold und soliden Unternehmen. Pressebild

Bert Flossbach, Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch, rät Anlegern zu Bundesanleihen, Gold und soliden Unternehmen.

Handelsblatt: Wie wahrscheinlich ist es, dass Staaten pleite gehen?

Bert Flossbach: Unmittelbar besteht kein Risiko bei starken Staaten. Am meisten gefährdet sind offenkundig Staaten wie Griechenland, Portugal und Irland. Wobei Irland ein Sonderfall ist, weil die Bevölkerung dort leidensfähiger ist und Sparmaßnahmen eher erträgt.

Ab wann wird es kritisch?

Entscheidend ist nicht so sehr wie hoch die Verschuldung insgesamt ist, sondern wie viel Zinsen auf die Schulden gezahlt werden müssen. Ein Beispiel: Müsste das Griechenland so wie Deutschland im Durchschnitt nur knapp drei Prozent Zinsen auf seine Anleihen zahlen, wäre auch eine weitaus höhere Verschuldung problemlos zu bedienen. Tatsächlich ist das Zinsniveau für 10jährige Griechenanleihen aber in den letzten Wochen bereits auf fast sechs Prozent, das für 5jährige Anleihen auf fast fünf Prozent geklettert. Damit sind wir schon im kritischen Bereich. Würde das durchschnittliche Zinsniveau auf acht Prozent steigen, wäre der Staatsbankrott unausweichlich.

Dann könnte Griechenland seine Schulden nicht mehr bezahlen.

Schon bei einem durchschnittlichen Zinsniveau von fünf Prozent muss Griechenland rund 30 Prozent seiner Steuereinnahmen für Zinszahlungen aufwenden. Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass ein Staat nur einen Teil seiner Steuereinnahmen für Zinsen ausgeben kann und der größere Teil für Soziales, Bildung, Investitionen und Infrastruktur aufgewendet werden muss. Spätestens bei einem Drittel wird die Lage kritisch. Theoretisch könnte sich der Staat durch eine Erhöhung der Steuerquote Luft verschaffen. Aber auch hier gibt es bekanntlich Grenzen.

Was sind die Folgen?

Griechenland ist ein kleiner, isolierter Brandherd. Das ist ein griechisches Problem und ein Problem der Leute, die griechische Staatsanleihen haben. Möglicherweise gibt es einen Staatsbankrott in Form eines Moratoriums, so dass mal zwei Jahre keine Zinsen bezahlt werden oder die Rückzahlung der Anleihe um ein Jahr verschoben wird.

So weit werden es die anderen Euroländer vermutlich nicht kommen lassen.

Das Schlimmste, was passieren kann, wäre eine Rettungsaktion für Griechenland. Das würde Moral Hazard kreieren. Andere Staaten wie Portugal könnten sich dann darauf berufen, dass Griechenland geholfen wurde. Gleichzeitig würde die Kreditwürdigkeit der bislang noch starken Staaten wie Deutschland leiden. Ich hoffe, die Politiker kommen nicht einmal auf die Idee, einzelne Euroländer künstlich am Leben zu halten. Die Griechen müssen sehen, wie sie klar kommen.

Kommentare (3)

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Konsul (Hon.) Prof. Klaus D. Nielen

21.01.2010, 13:18 Uhr

Das die Gefahr einer Superinflation bzw. Geldabwertung nicht vorhanden ist,erscheint zweiflhaft.Die Geschichte lehrt uns: Es passiert immer nur dann, wenn niemand damit rechnet! Würde auch nur im entferntesten ein Signal für eine Abwertung zu sehen sein, hätte am Tag X kaum noch jemand bargeld.

Jonas

21.01.2010, 14:08 Uhr

> Niemand hätte damals für möglich gehalten, dass die banken nur ein Jahr später schon wieder horrende boni ausschütten.

Doch, man nennt das Lernresistenz. So lange er es überlebt, wird der gemeine bankster nichts aus seinem Fehlverhalten lernen, denn er ist sehr dumm, strunzdumm.

Es fehlt die Strafe, mehrere Jahre Gefängnis könnten helfen, die Leute wieder einzunorden. Lasst uns beginnen, den bankstern was beizubringen.

wem es geschenkt wird...

21.01.2010, 23:24 Uhr

@ Jonas, das stimmt so nicht, eher ist das Gegenteil der Fall, banker sind nicht strunzdumm, sondern verstehen es aus den (scheinbaren ) Abhängigkeiten der Staaten und deren politisch führenden das Höchstmögliche an Kapital zu generieren. Wenn man Zinsen bekommt für Kapital, das aus Forderungen besteht, für das nie ein wirtschaftlicher Gegenwert vorhanden war, ist das doch eine geniale Einrichtung. Wenn man dann noch so clever ist den/die Staaten, also jedes Gemeinwesen als Schuldner zu benennen, kann man getrost seine Spekulationen nicht nur fortführen, sondern, wie derzeit überall der Fall, Alles und Jedes zum Spekulationsobjekt machen. Derzeit sind Rohstoffe und vor allem Agrarflächern der große Renner. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, was mit der gehandelten Ware passiert, entscheidend ist der Handel an sich, an ihm wird verdient, hier wird die Marktbewegung erzeugt, die für boni, Provisionen, Cashbacks, Fees usw. sorgt und die den Handelnden volle Taschen beschert. Wenn der Wert der Ware, die in der Regel von unwissenden, gutgläubigen, vielleicht auch gierigen Anlegern finanziert ist im Wert sinkt, d.h. die blase platzt, sind die Gewinne längst gut angelegt. Die Verluste der Anleger führen, wenn Sie denn so groß sind, dass Sie ggf. eine systemrelevante bank, also eine bank in der einige wichtige Einzelpersonen oder institutionen besonders stark engagiert sind, sprengen würden dazu, das wieder eine Rettungsaktion des Staates alternativlos ist, wie das dem bürger gerne verkauft wird. im übertragenen Sinne kann man vielleicht ein wenig zynisch sagen, " der Kapitalismus atmet".
Also, banker sind alles andere als strunzdumm, lediglich bei den Politikern, die dieses Treiben nach Kräften unterstützen und nicht einige Mindestregeln einfordern sondern diese sogar noch abschaffen, sollte man Zweifel haben, oder ggf. den einen oder anderen Vorteil vermuten....

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