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21.11.2011

12:38 Uhr

Bestnote in Gefahr

Moody's droht Frankreich mit Herabstufung

VonAnnika Williamson

Moody's droht Frankreich mit Entzug der Bestnote. Es ist nicht die erste Warnung einer Ratingagentur - und wird wohl auch nicht die letzte sein. Für die Regierung wird es eng, das Ruder noch herumzureißen.

Drei A's aus Pappe vor dem Pariser Büroviertel La Défense: Die Ratingagentur Moody's droht Frankreich mit Verlust der Bestnote. dpa

Drei A's aus Pappe vor dem Pariser Büroviertel La Défense: Die Ratingagentur Moody's droht Frankreich mit Verlust der Bestnote.

DüsseldorfEs ist schon der zweite Warnschuss für Frankreich: Die Ratingagentur Moody's hat klar gemacht, dass das Land einer Herabstufung seiner Bonitätsnote "AAA" gefährlich nahe ist. Die Zinsen, zu denen sich Frankreich derzeit refinanzieren muss, machen den Schuldendienst ungemütlich teuer: Derzeit liegen die bei 3,59 Prozent. Zum Vergleich: Deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentieren aktuell bei 1,89 Prozent. Sollten die erhöhten Finanzierungskosten für längere Zeit anhalten, teilte Moody's heute mit, würden die Haushaltsschwierigkeiten steigen und negative Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit haben. Zudem habe sich der Konjunkturausblick eingetrübt.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte jüngst - nach eigenen Angaben - versehentlich Frankreichs Toprating „AAA“ herabgestuft. „Frankreich (Republik) (unbeauftragtes Rating): Herabstufung“ hieß es in der Betreffzeile der E-Mail, die "versehentlich" entsendet wurde. Obwohl der Text der Nachricht nicht zum Titel passte, schossen die Anleiherenditen augenblicklich in die Höhe. Analysten spekulierten, dass S&P damit die Reaktion der Märkte auf eine Herabstufung testen wollte.

Moody's hatte bereits Mitte Oktober die Kreditwürdigkeit Frankreichs unter Beobachtung gestellt. Es sollte überprüft werden, inwieweit die französische Regierung die angekündigten Maßnahmen zur Reduzierung des Staatsdefizits umsetzt. Innerhalb von drei Monaten sollte entschieden werden, ob Frankreich noch die Bedingungen für die Perspektive „stabil“ erfüllt. Ein negativer Ausblick wäre der erste Schritt zu einer späteren Herabstufung.

Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker sieht eine mögliche Herabstufung kritisch. „Ich würde das der tatsächlichen Lage Frankreichs für nicht angemessen halten“, sagte der luxemburgische Regierungschef am Montag bei einer Ordensverleihung in Mainz. Sollte Moody's diesen Schritt tatsächlich gehen, sei nach dem AAA-Rating Frankreichs auch das AAA-Rating des EU-Rettungsschirms EFSF gefährdet. „Ich möchte nicht, dass das passiert“, sagte Juncker.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Die Regierung von Nicolas Sarkozy will mit einem härteren Sparkurs das Vertrauen der Investoren wiedergewinnen - doch die selbst gesteckten Ziele erscheinen selbst der EU-Kommission zu ehrgeizig. Diese prognostizierte Frankreich für 2012 ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent und für 2013 von 1,4 Prozent. Die Rechnung der Regierung allerdings basiert auf einem Wachstum von ein Prozent 2012 und zwei Prozent im Jahr 2013.

Nur mit diesem optimistischeren Szenario könnte Frankreich bis 2013 sein Haushaltsdefizit wieder unter drei Prozent drücken. Behielte die EU-Kommission recht, läge der Wert dann rund zwei Prozentpunkte höher. Sollte Frankreich tatsächlich eine Herabstufung blühen, dürfte das Defizitziel erst recht in weite Ferne rücken.

Kommentare (2)

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TransatlantischePolitik

21.11.2011, 13:20 Uhr

Muss man da den Kontext zur gescheiterten Verhandlung des "Super Committee" in den USA sehen? Für mich klintgt das so, als wolle man Frankreich, Italien und England gleichzeitig mit den USA abwerten.

Dies würde ja durchaus Sinn ergeben, da dann die schlechten Nachrichten "bilanzneutral" verteilt würden, wir damit zwar zu einer Geldentwertung kommen, jedoch in einer Balance von Dollar zu Euro.

Account gelöscht!

21.11.2011, 23:51 Uhr

oh wunder oh wunder die argenturen machen endlich mal was und lassen sich nicht kaufen wär ja mal ganz was neues

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