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10.06.2011

14:30 Uhr

Bill Gross

Abkehr von US-Anleihen zahlt sich (noch) nicht aus

Bill Gross hat die Finanzwelt in Aufruhr versetzt. Der Anleiheinvestor der Allianz-Tochter Pimco kündigte an, alle US-Staatsanleihen aus dem Depot zu verbannen. Bislang jedoch war das keine gute Idee.

Bill Gross steht zu seiner Strategie. Quelle: dapd

Bill Gross steht zu seiner Strategie.

DüsseldorfEs war ein Misstrauensvotum gegen die US-Regierung und deren Schuldenpolitik. Als Bill Gross im Februar ankündigte, er habe alle US-Staatsanleihen verkauft, sorgte er damit für einen mittleren Erdrutsch. Bill Gross ist nicht irgendwer - der Manager bei Pacific Investment Management (Pimco) ist vielleicht der einflussreichste Anleiheinvestor der Welt. Gross bewegt die Märkte.

In der Vergangenheit lag er öfter richtig als falsch. Die Entscheidung, auf US-Anleihen zu verzichten, hat sich bis jetzt allerdings nicht ausgezahlt. Sein Total Return Fund mit einem Volumen von 243 Milliarden Dollar verzeichnet dem Datenanbieter Bloomberg zufolge seit Februar gerade mal einen Zuwachs von 2,52 Prozent. Andere haben in dieser Zeit deutlich mehr verdient. Gross liegt nur im Durchschnitt - für ihn noch kein Grund die Nerven zu verlieren. "Ich bedauere nichts", sagte Gross in einem Interview mit Bloomberg News am Mittwoch in Chicago. "Wir haben den Markt um 50 Basispunkte geschlagen. Wir sind nicht völlig zufrieden, aber es ist keine negative Schlagzeile." Gross denkt langfristig, bleibt bei seiner Einschätzung, dass die seit 30 Jahren anhaltende Rally bei US-Staatsanleihen vorüber ist.

Damit steht Gross nicht alleine da. "Wir würden an eine haushaltspolitisch unverantwortliche Organisation mit unattraktiven realen Renditen kein Geld ausleihen", sagt Thomas Atteberry, Vermögensverwalter bei First Pacific in Los Angeles, gegenüber Bloomberg.

Was die US-Schuldenkrise für die Märkte bedeutet

Sind die USA ein wackliger Schuldner?

Im August 2011 stufte S&P die USA herab und entzog ihnen damit das Top-Rating. Die Zeit des unumstößlichen AAA-Ratings der USA ist damit vorbei. Grund waren mangelnde Aussichten auf einen Abbau der Rekordverschuldung von 15 Billionen Dollar. Eine weitere Herabstufung schlossen S&P nicht aus.

Fitch und Moody's drohen ebenfalls mit einer Herabstufung, sollte keine neue Strategie zum Schuldenabbau folgen.

Warum haben die USA nicht längst ein noch schlechteres Rating?

Die USA sind mit dem Dollar flexibel in der Zins- und Geldpolitik und können Geld drucken, um Dollar-Schulden zu bedienen. Als größte Volkswirtschaft der Welt tragen sie fast ein Viertel zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Die Wirtschaft ist wettbewerbsfähig und flexibel. Zudem zahlt die Regierung, bei einer Inflation von drei Prozent und Renditen unter drei Prozent für Anleihen mit Laufzeiten von weniger als zehn Jahren, real aktuell keine Zinsen. "Das steht in krassem Gegensatz, zu der Situation in vielen Euro-Ländern", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der VP Bank.

Wann werden die USA weiter herabgestuft?

Der Verlust des AAA-Ratings war vor einigen Monaten noch die "Billion-Dollar-Frage". Jetzt rätseln Analysten darüber, wann noch eine Stufe weiter abwärts geht. S&P haben eine weitere Herabstufung der USA nicht ausgeschlossen, sollte das Schuldenproblem nicht in den Griff bekommen werden. Behält die US-Regierung den jetzigen uneinigen Kurs bei der Schuldenbekämpfung bei, so werde Fitch spätestens 2013 den USA das Top-Rating entziehen.

Warum sind US-Staatsanleihen kaum unter Druck gekommen?

Weil die Ratings nicht (mehr) das non plus ultra für die Marktteilnehmer bilden. Die Warnungen der Ratingagenturen rücken zwar die problematische US-Verschuldung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, bedeuten für professionelle Anleiheinvestoren "aber nichts, was wir nicht schon ohnehin wussten", sagt William O'Donnel von der Royal Bank of Scotland. Frankreichs Wirtschaftsminister Baroin meinte, man dürfe die Herabstufung nicht überbewerten. Ein nicht namentlich genannter Regierungsvertreter Japans erklärte ebenfalls, dass er weiterhin Vertrauen in die Anleihen der USA habe.

Drohen US-Staatsanleihen längerfristig Probleme?

Ja, wenn die Probleme nicht gelöst werden und die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit weiter senken. Der Ruf der US-Anleihen als weltweiter risikoloser Maßstab für andere Zinspapiere werde dann weiter abbröckeln. "Wenn die USA ihre langfristige Verschuldung nicht in den Griff bekommen, droht ein Vertrauensverlust der Investoren", warnt Thomas Meißner von der DZ Bank. Diese Gefahr gebe es vor allem deshalb, weil die USA fast zur Hälfte im Ausland verschuldet seien und ausländische Investoren schneller nervös würden als einheimische.

Profitieren Bundesanleihen vom Verlust des "AAA"-Ratings der USA?

„Ja“ sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt bei der Unicredit, „sie dürften die größten Gewinner sein, unter anderem, weil die Inflation in den USA spürbar anziehen wird.“ Voraussetzung dafür sei allerdings noch, dass Deutschland seine Spitzenbonität behält, was zurzeit der Fall ist.

Wie sind die Aussichten für den Dollar?

Bislang hat die US-Währung wenig reagiert. "Der Dollar profitiert seit mindestens drei Jahren stetig von Krisenszenarien, egal wo die Ursachen der Probleme liegen", erklärt Ralf Umlauf, Analyst bei der Helaba. Das liege vor allem daran, dass in Krisenszenarien viele US-Investoren ihre Anlagen in ausländischen Währungen verkaufen, und das stärke den Dollar.

Gegenüber dem Euro hat der Dollar keinen Wert einbüßen müssen, weil im Rahmen der Schuldenkrise der Euro-Länder der Euro zunehmend unter Druck geraten ist. Im August, dem Monat der Herabstufung der USA, ging es nämlich für den Euro stark abwärts.

Aber es gibt auch kritische Stimmen. "Er hat die Rally verpasst", sagt Edward Lashinski, Anleihe-Stratege bei ABN Amro. "Letztendlich mag er Recht haben. Doch selbst der smarteste Investor liegt nicht immer richtig. Gross hat die Aussichten für kurzfristig niedrigere Treasuries-Renditen deutlich unterschätzt", erläutert er.

Dass Gross gar keine Staatsanleihen mehr hält, ist übrigens nicht ganz richtig. Bei der Veröffentlichung der Zahlen im vergangenen Monat war die Kategorie "Staatsanleihen und ähnliches" im Total Return Fund bei noch mit einem Anteil von minus vier Prozent geführt worden. Allerdings fielen in diesen Bereich auch Swaps und andere Investments, die nun erstmals in einer eigenen Kategorie gelistet und mit minus neun Prozent angegeben werden. In der Kategorie Staatsanleihen wird gleichzeitig der Anteil von US-Staatsanleihen mit fünf Prozent ausgewiesen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

10.06.2011, 15:41 Uhr

US Bonds, die kaum Zinsen bringen, braucht niemand im Depot.

Wie kann also Pimco da falsch liegen?

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