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04.01.2013

12:53 Uhr

Bill Gross

Bondkönig fürchtet Inflation und Währungsverfall

Die lockere Geldpolitik verunsichert Anleihenmanager. Erst in vielen Jahren werde sich zeigen, wie viel Inflation das nach sich ziehe, warnt Bill Gross von Pimco. Was er Zinsjägern rät und warum er Aktien kritisch sieht.

Bill Gross managt den Pimco Total Return Fund. Er ist einer der bekanntesten Anleihenmanager der Welt. dapd

Bill Gross managt den Pimco Total Return Fund. Er ist einer der bekanntesten Anleihenmanager der Welt.

New YorkInvestoren sollten die langfristigen Inflationsgefahren im Auge behalten. Diesen Rat hat Bill Gross, Manager des größten Anleihefonds bei Pacific Investment Management Co. (Pimco), zu Beginn des neuen Jahres gegeben. Als Risiko für die Preisstabilität betrachtet der Manager der Allianz-Tochter die Geld- und Fiskalpolitik, insbesondere in Amerika.

Die US-Notenbank Fed hat mehrere Programme aufgelegt, die sogenannte quantitative geldpolitische Lockerung (QE). „Schlussendlich werden staatliche Finanzierungs-Systeme wie das heutige QE (…) schlecht enden”, schrieb der Manager in seinem jüngsten Investment-Ausblick. Wegen seiner herausragenden Anlageergebnisse wird er im Anleihenhandel auch Bondkönig genannt.

Was die Inflation aus 1000 Euro macht

Inflation schmälert Kaufkraft

1000 Euro bleiben 1000 Euro. Die Frage ist nur: Was kann man sich davon in Zukunft kaufen? Inflation schmälert die Kaufkraft. Da viele Dinge teurer werden, muss man für die gleiche Kaufkraft mehr Geld einplanen. Statt 1000 Euro braucht man also...

In fünf Jahren

1.051 Euro bei einer Inflation von einem Prozent
1.104 Euro bei einer Inflation von zwei Prozent
1.159 Euro bei einer Preissteigerung von drei Prozent
1.217 Euro bei vier Prozent
1.276 Euro bei einer Inflation von fünf Prozent

In zehn Jahren

1.105 Euro bei einem Prozent Inflation
1.219 Euro bei zwei Prozent Inflation
1.344 Euro bei drei Prozent Inflation
1.480 Euro bei vier Prozent Inflation
1.629 Euro bei fünf Prozent Inflation

In 15 Jahren

1.161 Euro bei einer Inflation von einem Prozent
1.346 Euro bei einer Inflation von zwei Prozent
1.558 Euro bei einer Inflation von drei Prozent
1.801 Euro bei einer Inflation von vier Prozent
2.079 Euro bei einer Inflation von fünf Prozent

In 20 Jahren

1.220 Euro bei einer Inflation von einem Prozent
1.486 Euro bei einer Inflation von zwei Prozent
1.806 Euro bei einer Inflation von drei Prozent
2.191 Euro bei einer Inflation von vier Prozent
2.653 Euro bei einer Inflation von fünf Prozent

In 25 Jahren

1.282 Euro bei einer Inflation von einem Prozent
1.641 Euro bei einer Inflation von zwei Prozent
2.094 Euro bei einer Inflation von drei Prozent
2.666 Euro bei einer Inflation von vier Prozent
3.386 Euro bei einer Inflation von fünf Prozent

In 30 Jahren

1.348 Euro bei einer Inflation von einem Prozent
1.811 Euro bei einer Inflation von zwei Prozent
2.427 Euro bei einer Inflation von drei Prozent
3.243 Euro bei einer Inflation von vier Prozent
4.322 Euro bei einer Inflation von fünf Prozent

Das Risiko der insgesamt 6.000 Milliarden Dollar umfassenden Bilanzausweiterung bei den sechs größten Zentralbanken der Welt durch Anleihekauf-Programme seit Anfang 2009 „zeigt sich in der Form von Inflation und der Entwertung von Währungen - entweder in Relation zueinander oder zu Rohstoffen” wie Öl oder Gold, erklärte der Anleihen-Experte.

Sein Rat: Investoren sollten länger laufende Anleihen vermeiden, denn die inflationären Effekte der von der US-Notenbank Federal Reserve ergriffenen Maßnahmen würden sich wahrscheinlich erst in vielen Jahren zeigen. Er rät stattdessen zu kurz- bis mittelfristigen Papieren, die von den Zentralbank-Aktionen eher profitieren dürften.

Teuerung - Inflation wäre ein Irrweg

Um was geht es?

Die Liquiditätsschwemme, mit der die EZB das Bankensystem stabilisiert hat, schürt in Deutschland die Angst vor einer steigenden Inflation. Zwar gibt es kurz- und mittelfristig keine Anzeichen für einen starken Preisanstieg. Dennoch mahnen Deutschlands Wirtschaftsvertreter Politik und EZB zu Wachsamkeit.

Martin Wansleben, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

„Mehr Inflation wäre ein Irrweg.“
„Noch nie in der Geschichte hat ein großer Preisauftrieb nicht am Ende doch Einkommen und Ersparnisse der Menschen deutlich entwertet.“

Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken

„Bei einer Erholung der Euro-Konjunktur könnte der Prozess schnell außer Kontrolle geraten.“

Jörg Asmussen, EZB-Direktor

„Die Inflationserwartungen im Euro-Raum sind auch nach den außergewöhnlichen Maßnahmen der EZB stabil.“
„Die Sondermaßnahmen sind befristet. Die EZB kann jederzeit aussteigen, wenn Preissteigerung droht.“

Georg Fahrenschon, Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

„Die Unabhängigkeit der EZB und ihre Freiheit von Interessenkonflikten müssen gestärkt werden.“

Nutznießer der Anleihenaufkäufe der Zentralbanken sind auch risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Doch letztlich könnten die Aktionen der Notenbanken diesen Anlageklassen schaden, warnt Gross. Denn die geldpolitische Lockerung könnte sich als “zunehmend ineffektiv” erweisen - und zwar mit Blick auf die Unterstützung der Realwirtschaft.

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat seit diesem Monat ihr Aufkauf-Programm für US-Staatsanleihen um 45 Milliarden Dollar ausgeweitet. Dieses Programm läuft zusätzlich zu jenen 40 Milliarden Dollar an Hypotheken-Papieren, die ohnehin schon aufgekauft werden.

Triebfedern für die Inflation

Die Inflation kommt

„Das Inflationsgespenst kehrt zurück“, schreibt Gottfried Heller in seinem Buch „Der einfache Weg zum Wohlstand“ und nennt sechs Triebfedern, die die Inflation verstärken.

1. Geldflut der Notenbanken

Seit mehr als einem halben Jahrzehnt sorgen die Notenbanken der USA, der Euro-Zone, Großbritannien und Japan im Kampf gegen die Banken- und Schuldenkrise für sehr hohe Liquidität.

2. Nebenwirkung der Überdosis Geld

Sobald die Konjunktur anzieht, zeigt sich eine Nebenwirkung der Geldflut: Rohstoffe wie Kupfer, Öl, Weizen und Mais werden teurer. Das lässt auch die Lebenshaltungskosten steigen.

3. Staatsverschuldung der Industrieländer

Inflation hilft den Regierungen beim Tilgen ihrer Schulden. Bei der Entschuldung profitiert der Staat also von der Inflation.

4. Preissteigerungen in den Schwellenländern

Längerfristig ist es unausweichlich, dass die Preise in den Schwellenländern, insbesondere China und Indien, steigen. Durch Importe aus diesen Ländern steigt auch die Teuerungsrate in den Industriestaaten.

5. Der Euro

Die Wachstums- und Kostentrends in den Süd- und Nordländern des Währungsraums sind sehr unterschiedlich. Das steigert die Inflation.

6. Höhere Löhne

Steigt die Inflationsrate, verlangen auch die Gewerkschaften höhere Löhne. Das führt zu zusätzlicher Verteuerung.

Vergangenen Monat hatte die US-Notenbank zudem den Ausblick für den Leitzins erstmals an die Arbeitslosenquote und an die Inflationsziele gebunden. Nicht Investoren und Analysten fürchten, dass die Maßnahmen von Fed-Chef Ben S. Bernanke die Preisstabilität gefährden.

Kommentare (14)

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Traue-Fondsmanagern-nicht

04.01.2013, 13:20 Uhr

Ich rate, Pimco besser kein Geld anzuvertrauen. Wer sagt denn, dass der Total Return Fund in diesem Jahr wieder erfolgreich abschneidet. Diese Fondmanager machen sich zunächst mal selbst die Taschen voll. Außerdem wäre ich bei ausgerufenen "Bondkönigen" besonders vorsichtig!

daniela

04.01.2013, 13:50 Uhr

Er irrte sich doch in 2010 im Frühjahr - oder war es 2011? - mit den von ihm angebetenen Anleihen einfach nur ABSOLUT.

Entlarvend

04.01.2013, 14:17 Uhr

"Inflation bezeichnet einen andauernden starken Anstieg des Preisniveaus: Waren- und Dienstleistungspreise steigen insgesamt an, blasen sich quasi auf."


-Da sollten wir die "Bundeszentrale für politische Bildung" wohl besser mal in "Bundeszentrale für politische Propaganda" umtaufen, denn was sich da aufbläht sind ja nicht etwa die Preise (=reine Folge der Inflation), sondern die Geldmenge dank fleissigen Missbrauchs der Notenpresse..

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