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04.07.2013

07:56 Uhr

Bill Gross

Bondkönig unter Wasser

VonJörg Hackhausen

Der Einbruch an den Anleihemärkten fordert ein prominentes Opfer: Bill Gross. Der berühmte Investor, genannt „Bondkönig“, hat die Rechnung ohne die Fed gemacht. Er verliert Milliarden. Droht ihm jetzt der Untergang?

 

Bondkönig unter Wasser: Im Juni hat der Fonds von Bill Gross fast zehn Milliarden an Kundengeldern verloren. Getty Images

Bondkönig unter Wasser: Im Juni hat der Fonds von Bill Gross fast zehn Milliarden an Kundengeldern verloren.

Vor seinem Leben als Anleihemanager war Bill Gross ein Seemann. Allerdings kein besonders Guter. Einmal brachte er sein Schiff in der südchinesischen See an den Rand des Kenterns. Als er schließlich den Dienst bei der US Navy quittierte, war das ein Segen für die Seeschifffahrt. Das sagt er selbst. Die alten Geschichten sind lange her. Doch in diesen Tagen holt ihn die Vergangenheit ein. Gross ist in Seenot geraten.

Bill Gross darf von sich behaupten, dass er zu den erfolgreichsten Investoren der Welt zählt. Seine Verdienste haben Gross den Spitznamen „Bond King“ eingebracht, zu deutsch: „König der Anleihen“. Er hat Pacific Investment Management Co., kurz Pimco, gegründet. Die Gesellschaft ist der mächtigste Anleiheinvestor der Welt, sozusagen der Supertanker auf dem Kapitalmarkt. In den vergangenen Wochen brach jedoch ein Sturm los, der Gross und Pimco mit voller Breitseite erwischte. Weltweit stürzten die Kurse von Anleihen ab. Der Pimco Total Return Fund, der weltgrößte Anleihefonds, verlor im Juni Kundengelder in Höhe von 9,9 Milliarden Dollar. Damit verfügt der Fonds noch über 268 Milliarden Dollar.

„Was vermeintlich alte Hasen wie meine Wenigkeit nicht ahnten, war, dass alle Anleihen – und ja, auch Aktien – Gefahr liefen, durch einen perfekten Sturm zum Kentern gebracht zu werden“, schreibt Gross in seiner Kolumne.

Bill Gross, der "Bond-König" von Pimco, prophezeit eine Zeitenwende. dapd

Bill Gross, der "Bond-König" von Pimco, prophezeit eine Zeitenwende.

Gross hat den Sturm nicht kommen sehen, genauer gesagt: Er hat ihn von anderer Seite erwartet. Damit war er zwar nicht allein. Weltweit waren Investoren in den vergangenen Wochen über Bord gegangen. Aber Gross erwischte es besonders schlimm. Nach Daten von Bloomberg liegt er in diesem Jahr hinter 87 Prozent seiner Wettbewerber zurück.

Auslöser für den Absturz war Ben Bernanke. Der Chef der US-Notenbank hatte Ende Mai angedeutet, dass die Federal Reserve ihr Anleihekaufprogramm – monatlich 85 Milliarden Dollar – noch in diesem Jahr zurückfahren könnte. Zumindest war es das, was die Investoren in seine Worte hineininterpretierten. Sofort setzen Spekulationen ein, dass auch Zinserhöhungen nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen seien, sollte sich die US-Wirtschaft weiter erholen.

In Erwartung, dass die Zinsen tatsächlich steigen könnten, wollte keiner auf niedrig verzinsten Papieren sitzen bleiben. In vorauseilender Panik trennten sich die Anleger von Anleihen, rund um den Globus. Besonders stark waren die Verluste mit Papieren aus Schwellenländern, aber auch US-Staatsanleihen fielen deutlich.

Was 2013 aus 100.000 Euro wurde (1.Halbjahr)

Silber

62.510 Euro

Brasilianische Aktien

73.320 Euro

Gold

74.490 Euro

Russische Aktien

83.690 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

88.730 Euro

Türkische Aktien

90.210 Euro

Bundesanleihen

98.260 Euro

US-Treasuries

98.540 Euro

Sparbuch

100.032 Euro

Tagesgeld

100.930 Euro

US-Dollar

101.220 Euro

Deutsche Aktien

104.360 Euro

Öl (WTI)

105.550 Euro

Japanische Aktien

113.630 Euro

US-Aktien

115.280 Euro

Venezolanische Aktien

151.720 Euro

„Während dieser Schritt der US-Notenbank im Nachhinein besser zu verstehen oder sogar lobenswert sein dürfte, versetzte er die Märkte ohne Zweifel in Panik“, schreibt der Investor. Dabei hatte Gross durchaus geahnt, dass sich auf dem Anleihemarkt etwas zusammenbraute. Bereits Anfang des Jahres warnte er vor einem Crash am Anleihemarkt, oder - wie er es damals ausdrückte - einer „Supernova-Kreditexplosion“. Als Risiko betrachtete der Manager die Geldpolitik, insbesondere in Amerika.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

04.07.2013, 08:42 Uhr

Bill Gross hat nichts falsch gemacht. Die FED versucht das gigantische Chaos, welches sie noch unter Greenspan anrichtete, durch ein noch groesseres Chaos zu beseitigen. Dies haetten nur wenige fuer moeglich gehalten und dazu noch ueber diesen langen Zeitraum und ein Ende ist immer noch nicht in Sicht. Nicht nur Bill Gross fuehlt Unverstaendnis.

azaziel

04.07.2013, 08:52 Uhr

Trotzdem! Gross und El Erian sind die Leute, deren Meinung bei mir sehr hoch im Kurs steht.

Berndt

04.07.2013, 08:58 Uhr

Sowas passiert halt, wenn man ein überholtes (das monetaristische) Theoriegebäude im Hinterkopf hat...

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