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31.07.2015

19:54 Uhr

Bill Gross

„Ich bete für höhere Leitzinsen”

VonAndrea Cünnen

Anleiheguru Bill Gross geht fest davon aus, dass die Fed im September die Leitzinsen erhöht. Doch ausgemacht ist das nicht. Denn die Notenbank lässt die Anleger über ihre Pläne gerne im Unklaren.

Bill Gross glaubt, dass an der Zinserhöhung kein Weg vorbeiführe. Schließlich würden niedrige Zinsen der Wirtschaft nicht helfen. Reuters

Bill Gross

Bill Gross glaubt, dass an der Zinserhöhung kein Weg vorbeiführe. Schließlich würden niedrige Zinsen der Wirtschaft nicht helfen.

DüsseldorfSie macht es, sie macht es nicht. Darüber ob die US-Notenbank Fed im September den Schlüsselzins in den USA erhöht, rätseln Anleger schon lange. Seit gut sechseinhalb Jahren liegt der US-Leitzins in einem engen Band zwischen null und 0,25 Prozent. Fed-Chefin Janet Yellen hat sich dabei quasi zu einem Zinsschritt verpflichtet. Zuletzt hatte sie vor gut zwei Wochen bei ihrer halbjährlichen Rede vor dem US-Kongress bekräftigt, dass die Notenbank den Leitzins „noch in diesem Jahr“ erhöhen wolle.

Aufschluss über den Zeitpunkt für diesen wichtigen Schritt hatten sich Investoren von der jüngsten Zinssitzung des geldpolitischen Ausschusses der Fed erhofft. Doch das Protokoll der Juli-Sitzung unterschied sich kaum von dem im Juni. Vor einer Zinserhöhung müsse sich der Arbeitsmarkt noch „ein wenig mehr“ erholen, betonten die Währungshüter. Im Juni war allgemeiner von einer für eine Zinserhöhung nötigen Erholung des Arbeitsmarkts die Rede gewesen. Anleger fragen sich jetzt, ob diese kosmetische Änderung im Wortlaut eine Leitzinserhöhung wahrscheinlicher macht.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Bill Gross – bekannt geworden als Gründer des weltgrößten privaten Anleiheinvestors Pimco, dort aber im September geschasst und inzwischen beim ungleich kleineren Anlagehaus Janus Capital beschäftigt – meint ja. Die Fed werde die Leitzinsen erhöhen, weil sie verstanden habe, dass die niedrigen Zinsen der Wirtschaft nicht helfen. Im Gegenteil: Die niedrigen Zinsen sorgten dafür, dass zu hoch verschuldete Unternehmen zu viel Geld aufnehmen und die Zentralbanken in der nächsten Krise keine Munition mehr hätten, um gegenzusteuern. Ähnlich hat sich auch schon die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich geäußert. Gross, bekannt für markige Sprüche und Metaphern, betet jetzt dafür, dass die Notenbanken dies begreifen.

Auch andere Investoren wie Robert Michele, Anleihe- und Währungschef bei JP Morgan Asset Management, gehen davon aus, dass die Fed den wichtigen Schritt im September wagen wird. „Eine geldpolitische Wende steht unmittelbar bevor, und Yellen ist gefordert vom aktuellen Nullzinsniveau aus eine Rückkehr zur Normalisierung herbeizuführen“, meint Michele. Gegen eine Zinserhöhung sprächen kaum Gründe: So habe der geldpolitische Ausschuss die US-Konjunktur positiv eingeschätzt, da sowhl die Wirtschaft als auch Arbeitsmarkt an Stärke zugelegt hätten.

An den Märkten spiegelt sich diese Einschätzung allerdings so nicht eindeutig wieder. Die an den Terminmärkten abzulesenden Erwartungen für eine Zinserhöhung auf 0,375 Prozent sind in den vergangenen Tagen von 40 auf 50 Prozent gestiegen. Das zeigt aber umso mehr, wie geteilt die Meinungen sind.

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