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05.06.2013

17:50 Uhr

Billiges Geld

Anleger fürchten den Entzug

VonJörg Hackhausen

Die Börsen haben eine lange Party gefeiert. Die Droge dazu war: billiges Geld. Doch nun droht der Entzug. Goldman Sachs und Deutsche Bank rechnen damit, dass die Notenbanken bald keinen Stoff mehr liefern.

Auf die Börsenparty könnte die große Ernüchterung folgen. dpa

Auf die Börsenparty könnte die große Ernüchterung folgen.

DüsseldorfDas Ende ist nahe. Jedenfalls tun die Börsianer gerade so, als stünde der Weltuntergang bevor. Vermutlich fühlt es sich für sie sogar so an. Sie fürchten, dass man ihre schöne Börsenwelt auf einen Schlag zerstören könnte.

Der Grund: Die US-Notenbank könnte aufhören, Geld zu drucken, und zwar früher als gedacht. Seitdem Notenbank-Chef Ben Bernanke erstmals angedeutet hat, dass dies schon „auf einer der nächsten Sitzungen“ der Federal Reserve (Fed) beschlossen werden könnte, kochen die Spekulationen hoch. Die Fed werde ihre monatlichen Anleihekäufe „schon im September“ reduzieren, meint Joseph LaVorgna, Chefvolkswirt der Deutschen Bank in den USA. Auch Jan Hatzius, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, sagt:  „Ein Auslaufen im September ist sicherlich möglich.“ Und wenn nicht dann, dann wahrscheinlich im Dezember.

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise haben die Notenbanken, allen voran die Fed in den USA, das Geld so billig wie möglich gemacht. Sie haben die Leitzinsen praktisch abgeschafft, damit Banken und Staaten leichter an Geld kommen. Die Banken sollen das Geld verleihen, an Unternehmen und Privatleute. Diese sollen es ausgeben, was wiederum die Konjunktur ankurbeln soll. So ist jedenfalls der Plan. Zusätzlich kauft die Fed monatlich Anleihen und Hypothekenpapiere für rund 85 Milliarden Dollar auf. Insgesamt hat sie dafür bereits 2,5 Billionen Dollar ausgegeben.

Die größten Börsenpannen

Nasdaq lahmgelegt

Ein Softwarefehler führt dazu, dass die US-Börse Nasdaq im August 2013 einige Stunden den Handel komplett einstellen muss. Nach der Wiederaufnahme des Handels steigt der Markt – die Aktie des Börsenbetreibers aber verliert.

Dow Jones (2013)

Am 23. April 2013 meldete der Twitter-Account der US-Nachrichtenagentur eine Explosion im Weißen Haus. Die Meldung war jedoch falsch – Hacker hatten das Nutzerkonto übernommen. Dennoch brach die Börse innerhalb von Sekunden um mehr als ein Prozent ein. Möglicher Grund: Computer werteten die Meldung als wahr und lösten Verkaufssignale aus.

Kraft-Aktie (2012)

4. Oktober 2012: Die Nasdaq und mehrere andere Börsen haben nach einem ungewöhnlichen Kurssprung von Kraft Foods einen Teil des Handels mit der Aktie annulliert. Grund für den plötzlichen Anstieg der Papiere von 45,55 auf 58,54 Dollar war nach Angaben der US-Technologiebörse der Fehler eines Börsenmaklers. Nähere Angaben machte sie nicht. „Die Systeme von Nasdaq haben normal funktioniert und der Prozess der Industrie zum Umgang mit solchen Angelegenheiten verlief wie geplant“, hieß es in einer Erklärung.

Software-Panne bei Knight Capital (2012)

Durch einen Fehler hatte die Knight-Software enorm viele Orders platziert, die heftige Kursschwankungen auslösten. Dem Treiben konnte erst nach einer Dreiviertelstunde ein Ende gesetzt werden. In dieser Zeit hatten sich bereits 440 Millionen Dollar Verlust angehäuft, die das US-Brokerhaus fast zum Zusammenbruch brachten.

Das Facebook-Desaster (2012)

Die Erfolgsstory von Facebook bekam an der Börse einen starken Dämpfer. Nach gravierenden Pannen im Handelssystem der Technologiebörse Nasdaq in New York stürzte der Kurs des Börsenneulings rapide in die Tiefe. Beteiligte Firmen erlitten Millionen-Verluste. Die Schweizer Großbank UBS, die 290 Millionen Euro verlor, drohte sogar mit einer Klage gegen die Börse.

Pannen-Start für BATS (2012)

Die Erstnotiz der drittgrößten US-Börse BATS Global Markets im März 2012 endete mit einem Totalschaden. Die neuen BATS-Aktien sackten innerhalb weniger Minuten von 16 Dollar auf unter einen Cent. Schuld daran war eine neue Software. BATS musste die falschen Transaktionen zurücknehmen - und nahm dabei die eigenen Aktien gleich mit von der Börse

Fünf-Minuten-Chaos bei der Citigroup durch Kursrutsch

Die Aktien der Citigroup fielen im Juni 2010 nach Massenverkäufen durch elektronische Handelssysteme zeitweise um 17 Prozent. Doch da die Börsenaufsicht SEC nach dem „Flash Crash“ bereits zuvor beschlossen hatte, Aktien aus dem Index S&P 500 vom Handel auszusetzen, falls diese innerhalb von fünf Minuten mehr als zehn Prozent steigen oder fallen, stoppte das Sicherungssystem den Kursrutsch. Der Handel stand fünf Minuten lang still. Am Ende des Tages lag die Citigroup-Aktie sieben Prozent im Minus.

Flash Crash, 2010

Der „Flash Crash“ wurde im Mai 2010 durch den Hochfrequenzhandel ausgelöst: Durch einen blitzartigen Kurseinbruch lösten sich innerhalb weniger Minuten fast eine Billion Dollar Marktwert in Luft auf. Der Kurs des Dow Jones fiel um rund 1.000 Punkte. Einige Aktien verloren in der Zeit rund die Hälfte ihres Wertes. Der Spuk dauerte eine halbe Stunde lang an. Der sogenannte Hochfrequenzhandel, bei dem Tausende Transaktionen binnen Millisekunden durch Computer ausgelöst werden, stand schon vorher in der Kritik.

Strafe für Morgan Stanley (2007)

Morgan Stanley musste im Februar 2007 für den Fehler eines Händlers 300.000 Dollar Strafe an die Börse New York zahlen. Der Banker wollte einen Order über 100.000 Wertpapiere abgeben, übersah aber automatischen Multiplikator von 1000. Dementsprechend hatte seine Order einen Wert von 10,8 Milliarden Dollar statt der gewünschten 10,8 Millionen Dollar. Erst nachdem Aktien im Wert von 875,3 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt hatten, wurde der Fehler bemerkt. Die Bank hat die Handelsvorschriften am Desk seitdem deutlich verschärft.

Football vermasselt 50 Millionen Dollar Deal

Ein äußerst ungewöhnliches Missgeschick passierte einem Händler der Bank of America im September 2006. Er wartete auf die Anordnung seines Vorgesetzten, um einen fertig vorbereiteten Deal über 50 Millionen Dollar abzuschließen. Es fehlte nur noch der Druck auf die Enter-Taste. Während er wartete, warf ein Trainee einen Football durch den Raum und traf die Tastatur, inklusive der Enter-Taste.

Milliarden statt Millionen, 2002

Ein Händler von Bear Stearns verzählte sich im Oktober 2002 beim Verkauf von Aktien bei den Nullen und handelte sie für vier Milliarden Dollar anstelle von vier Millionen. Bevor der Vertipper auffiel, gingen bereits Wertpapiere im Wert von 600 Millionen Dollar an neue Besitzer. Dadurch sank der Leitindex Dow Jones um 2,3 Prozent.

100 Millionen für Verdreher

Im Dezember 2001 begleitete UBS Warburg den Verkauf neuer Aktien des japanischen Unternehmens Dentsu. Ein Händler vertippte sich und verkaufte statt 16 Dentsu-Aktien zu 600.000 Yen 610.000 Aktien zu je 6 Yen. Innerhalb kürzester Zeit verkaufte die USB dadurch 61.915 Aktien, was etwa der Hälfte des Emissionsvolumens entspricht. Die UBS verlor durch die Panne 100 Millionen Dollar, weil sie die Aktien zum Marktpreis zurückkaufen musste.

Lehman Banker verkauft zu viel (2001)

Ein Händler der Investmentbank Lehman Brothers verkaufte 2001 aus Versehen hundertmal mehr Aktien als er wollte. Darunter waren auch Schwergewichte wie AstraZeneca und BP. Der Banker vernichtete damit zeitweise 30 Milliarden Pfund an Börsenwert.

Tippfehler mit Folgen (1999)

Ein Aktienhändler der UBS gab im Januar 1999 zu viele Nullen in seinen Rechner ein und handelte damit innerhalb von nur zwei Minuten zehn Millionen Aktien des Pharmakonzerns Roche, obwohl nur sieben Millionen Stück existierten. Das Handelsvolumen überstieg die Marktkapitalisierung von Roche um knapp die Hälfte.

Der Schwarze Montag (1987)

Am 19. Oktober 1987 bricht der Dow Jones um fast 23 Prozent auf 1.728 Punkte ein, der größte prozentuale Tagesverlust in der Geschichte des Index. Der seinerzeit beliebte Programmhandel - eine Art Vorläufer des heutigen Algo-Tradings - hat den Absturz noch verschlimmert.

Die US-Wirtschaft erholt sich nur zaghaft. Vor allem aber geht es an den Finanzmärkten aufwärts. Die Aktienmärkte haben in den vergangenen Jahren fast ununterbrochen zugelegt. In New York erreichte der Dow Jones im Mai den höchsten Stand aller Zeiten. In Frankfurt stellte der Dax neue Rekorde auf. Selbst der Nikkei in Tokio erwachte aus seiner Lethargie. Nicht weil sich die Wirtschaft so gut erholt hat, sondern weil ein großer Teil des billigen Geldes an den Finanzmärkten versickert ist.

Doch selbst unter Investoren ist die Geldpolitik inzwischen umstritten. Ihnen wird klar, dass es so nicht ewig weitergehen kann. „Die Notenbank ist das Problem, nicht die Lösung“, schreibt Bill Gross in seinem monatlichen Anlageausblick. Die Fed versuche mit ihrer Politik „verzweifelt  eine Wirtschaft zu kurieren, die eher Strukturreformen als geldpolitische Lösungen benötigt“. Gross ist der bekannteste, vielleicht auch der einflussreichste Anleiheinvestor der Welt. Er ist Gründer und Co-Chef von Pacific Investment Management, kurz Pimco. Die Gesellschaft verwaltet ein Vermögen von 1,5 Billionen Dollar.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

05.06.2013, 18:05 Uhr

"Anleger fürchten den Entzug"

Ginge dies wirklich so bald? Die groessten Dealer Bernanke, Obama, Draghi sind gerade kurz vor dem Hoehepunkt ihres Tripps. Die haetten wohl selber die groessten Entzugserscheinungen ;-)

Klar der "Cold Turkey" wird kommen, aber fuer Nachfolger ohne weiteren Stoff und fuer alle, welche die Party finzanziert haben, aber nicht mitfeiern durften.

CrAsHi

05.06.2013, 18:33 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

kraehendienst

05.06.2013, 18:53 Uhr

Wenn die Weltregierer Goldman Sachs damit rechnen, wird es dazu kommen! (!...) Wie vor einigen Wochen beim Gold wird es nun mit den gesamten Börsen bergab gehen. Auch das sagten GS voraus.
EU=Europäischer Untergang. Der EURO ist die Monopolywährung dieses Untergangs, dieser Tragödie ohne professionelle Regie! Untergang europäischer Kulturgeschichte in ihrer Vielfalt und eine bodenlos freche Gleichmacherei über alle Nationen hinweg (alle Bürger: EU-Ausweis, nicht "Reisepass der Republik..."!!) sind "Weltbürger" - ach wie toll!!...sie sind defacto: ENTRECHTET! Dann sollen ALLE bitte ein digitales Konto haben - damit Schäuble & Co zypriotisch, wie Schäuble auch bestätigte am besten an einem Freitag zum Wochenende, darauf zugreifen können! Vertrauenswürdig! So kann Wachstum entstehen. Aber das soll ja garnicht sein. 60% der Bevölkerung sollen 2030 verarmt sein und bangladeshi-sch leben, in Wellblechhütten, ohne Strom weil zu teuer...ausgehungert sein. Den Rest kann man sehr gut kontrollieren. Alternativlos wird dieser Weg an die Wand, diese durch die Wucht der Eliten nieder gefahren. Für den Einen ist die Wand Hartz-4, den anderen seine Dividenden, den Dritten sind es Renten...Europa braucht den EURO nicht sondern die USA, Brüssel, die INVESTOREN und die neue Weltregierung brauchen den EURO
um ihn 1:1 zum USD zu inflationieren. Um Europa mürbe und arm zu machen

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