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07.06.2013

12:47 Uhr

Bisher ohne Nachfolger

Gibt Buffett noch schnell das letzte Geld aus?

An der Wall Street in New York brodelt die Gerüchteküche. Kann der legendäre amerikanische Investor Warren Buffett keinen geeigneten Ersatz für sich finden? Seine letzten Investitionen bestärken diese Theorie.

Berkshire-Chef Warren Buffett ist bereits zu Lebzeiten eine Legende. Da ist es nicht leicht einen Nachfolger zu finden. ap

Berkshire-Chef Warren Buffett ist bereits zu Lebzeiten eine Legende. Da ist es nicht leicht einen Nachfolger zu finden.

New YorkWarren Buffett investiert vornehmlich in den USA und in etablierte Wirtschaftszweige. Insofern passte die jüngste Übernahme des Stromkonzerns NV Energy perfekt ins Bild. Aber an der Wall Street in New York wird gemunkelt, dass der legendäre Investor nicht einfach nur seinem bewährten Muster gefolgt ist, sondern weitaus mehr dahinter steckt.

Obwohl Buffett mittlerweile 82 Jahre alt ist, ist weiterhin unklar, wer das riesige Firmen-Imperium Berkshire Hathaway mit mehr als 280.000 Mitarbeitern künftig führen wird. Vielleicht hat Buffett, so die Mutmaßung vieler Beobachter, zu wenig Vertrauen in seinen Nachfolger. Insofern taugt die Energiebranche momentan als ideale Spielwiese, um zu Lebzeiten noch einen großen Teil der Barbestände in Höhe von 50 Milliarden Dollar sinnvoll anzulegen.

Wer ist Warren Buffett?

Die Grundlagen

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.

Der Förderer

Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdienten Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.

Buffett Partnership , LTD

Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.

Der Aufstieg

Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.

Berkshires Umwandlung

Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre währt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.

Buffetts Bilanz

Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommen- wie auch der Kapitelertragsteuer.

Das Prinzip

Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.

Das Dilemma

Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.

American Express

Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren einen Profit von 20 Millionen Dollar ein.

Das Versicherungsgeschäft

Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re. 

Washington Post

Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.

Coca-Cola

Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Gillette

Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam, aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.

Fruit of the Loom

Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.

Clayton Homes

Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.

Wells Fargo

Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.

Aktionäre von Berkshire Hathaway trauen Buffett zwar zu, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Aber die Experten sind sich einig, dass das „Orakel von Omaha“ eben doch sehr besonders ist. Wie kein anderer findet er immer wieder unterbewertete Firmen und investiert - wie etwa bei Goldman Sachs auf dem Höhepunkt der Finanzkrise - zum richtigen Zeitpunkt, so seine Bewunderer.

Viel Geld – aber keine Ideen?

Klassische Branchen wie eben Energie oder Logistik versprächen auf viele Jahre stabile Einnahmen, sagt Morningstar-Analyst Greggory Warren. Außerdem könnten die Gewinne hier ideal wieder in das bestehende Geschäft reinvestiert werden. „Das eliminiert einen Teil des Risikos, dass der Nachfolger, wer immer es auch wird, zu viel Bargeld hat und nicht genug gute Ideen dafür.“

Ähnlich sieht es David Rolfe, Investmentchef von Wedgewood Partners aus St. Louis, einem Aktionär von Berkshire Hathaway: „Der Energiesektor scheint der Weg zu sein, um viel Geld zu investieren.“ In zehn Jahren werde die Branche vermutlich den größten Teil in dem bunt gemischten Berkshire-Portfolio ausmachen. Momentan steht die Energie-Tochter MidAmerican erst für rund zehn Prozent des Berkshire-Vorsteuergewinns. Noch dominieren andere Engagements, zum Beispiel im Versicherungsbereich. Das dürfte sich aber ändern.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

07.06.2013, 16:03 Uhr

"Gibt Buffett noch schnell das letzte Geld aus?"

Es wird ihm sicherlich als Grabbeigabe mitgegeben, damit er auch im Jenseits spekulieren kann ;-)

Aber mal ernsthafter. Wenn jemand Buffett ersetzen koennte, dann waere er genauso erfolgreich wie Buffett und haette wohl seine eigenen erfolgreichen Investitionen. Aber vielleicht macht Buffett wirklich einen Glueckstreffer wie Google mit Eric Schmidt. Dies war eine sehr erfolgreiche Kombination.

azaziel

07.06.2013, 18:44 Uhr

... oder Buffet rechnet mit einem sich bescheunigenden Kaufkraftverlust des Dollars.

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