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09.02.2015

16:01 Uhr

Bitcoin-Betrug

Anleger in Hongkong fürchten Millionenverluste

Die Börse MyCoin für die virtuelle Währung Bitcoin ist geschlossen. Jetzt fürchten Anleger Verluste in Millionenhöhe. In Honkong wird geschätzt, dass mehr als 3000 Menschen betroffen sind.

Die virtuelle Währung Bitcoin wurde im Jahr 2009 als Antwort auf die Finanzkrise erfunden. dpa

Antwort auf die Finanzkrise

Die virtuelle Währung Bitcoin wurde im Jahr 2009 als Antwort auf die Finanzkrise erfunden.

HongkongErneut fürchten Anleger hohe Verluste im Zusammenhang mit der virtuellen Währung Bitcoin. Nach der Schließung der Bitcoin-Börse MyCoin in Hongkong sei zu befürchten, dass rund drei Milliarden Hongkong-Dollar (342 Millionen Euro) verloren seien, sagte der örtliche Abgeordnete Leung Yiu-chung am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Bei seinem Büro hätten sich dutzende besorgte Anleger gemeldet – allein in den vergangenen zwei Tagen seien mehr als 30 Fälle zusammen gekommen. „Wir schätzen, dass mehr als 3000 Menschen betroffen sind.“

Eine Anlegerin berichtete, sie habe im September über die Plattform 1,3 Millionen Hongkong-Dollar in Bitcoin investiert. Die Mitarbeiter der Börse hätten ihr gesagt, dass sie das Geld innerhalb von vier Monaten wieder einnehmen und binnen eines Jahres 200 bis 300 Prozent Gewinn machen könne.

Die virtuelle Währung Bitcoin war im Jahr 2009 als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden. Geschaffen hat sie ein unbekannter Programmierer, der eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung wollte. Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet; der Wechselkurs zu echten Währungen schwankt stark. Im Jahr 2013 war ein Bitcoin zeitweise mehr als 1200 US-Dollar (1060 Euro) wert, im vergangenen Monat waren es etwa 285 Dollar.

Mit Bitcoins zahlen – so funktioniert es

1. Konto eröffnen

Zunächst lädt der Nutzer den Bitcoin-Client aus dem Netz und installiert ihn auf seinem Computer. Persönliche Angaben müssen nicht gemacht werden. Beim ersten Öffnen lädt die Software die gemeinsame Datenbank des Netzwerks herunter – ein Verzeichnis aller Zahlungen im Bitcoin-Netzwerk. Die Datenbank stellt sicher, dass niemand Falschgeld überweisen kann: Sie weist jeden Bitcoin einer Bitcoin-Adresse zu und damit einem Nutzer. Die eigene Bitcoin-Adresse, einen kryptischen Buchstabencode, bekommt der Nutzer automatisch mit dem Installieren der Software. Außerdem speichert die Software eine Datei namens wallet.dat auf dem Computer. Sie enthält kryptografische Schlüssel, mit denen der Nutzer gegenüber dem Bitcoin-Netzwerk ausweist, dass ihm die entsprechende Bitcoin-Adresse gehört.

2. An Bitcoins gelangen

Börsenhandel: Diverse Internetseiten bieten Bitcoins gegen Euro oder andere Währungen an. Dazu muss sich der Nutzer einmalig registrieren und den Geldbetrag etwa per Banküberweisung oder Zahlsysteme wie Dwolla an die Börse senden. Wie an einer Aktienbörse lassen sich dann Bitcoin-Kauforder platzieren. Eine Order, die über dem aktuellen Preisangebot an der Börse liegt, wird sofort erfüllt. Die Börse schickt die Bitcoins schließlich an die Bitcoin-Adresse des Nutzers. Die Börse ist auch der Ort, um Bitcoins wieder in Euro umzuwandeln. 

Bitcoins schürfen: Bitcoin-Nutzer können auch selbst neue Bitcoins errechnen. Dieses sogenannte Mining erfordert leistungsstarke Computer und ist Computer-Laien nicht zu empfehlen.

Bargeld-Eintausch: Privatpersonen bieten Bitcoins gegen Bargeld – Wohnort und Telefonnummern oder E-Mailadressen der Bitcoin-Händler sind auf der Seite Bitcoin local gelistet.

3. Mit Bitcoins bezahlen

Hat jemand Bitcoins an der Börse erworben, so ist die entsprechende Summe in seinem Bitcoin-Client aufgeführt. Um nun einen Geldbetrag zu überweisen, reicht die Angabe der Summe und der Adresse des Empfängers in der Software. Nach etwa zehn Minuten ist das Geld beim Empfänger angekommen. Eine Liste der Geschäfte, die Bitcoin akzeptieren, gibt es hier.

4. Sicherheit

Um dem Verlust der virtuellen Bitcoin-Geldbörse etwa durch Beschädigung der Festplatte vorzubeugen, sollte die wallet.dat-Datei kopiert werden - zum Beispiel auf einen USB-Stick. Da sich Hacker über das Internet Zugriff auf den Computer verschaffen und die Datei stehlen können, sollte sie zudem mit Hilfe eines speziellen Programms verschlüsselt werde. Eine Anleitung dazu gibt es hier.

5. Bitcoins fürs Handy

Wer häufiger mobil ins Internet geht, kann sich inzwischen auch Android-Apps herunterladen. Sie machen das Handy zur Bitcoin-Geldbörse. Zum Bezahlen generiert die Software des Empfängers eine Rechnung in Form eines QR-Codes. Sobald der Sender diesen Code mit der Handykamera einscannt, verschickt die Software via Internet das Geld zur Bitcoin-Adresse des Empfängers. Vorsicht: Die Programme sind noch in der Entwicklung und können fehlerhaft sein. Darum sollten sie allenfalls zur Übertragung kleiner Geldsummen genutzt werden. Für das iPhone gibt es bisher noch keine Bezahl-Apps, aber Programme wie Bitcoin App, die aktuelle Kursverläufe darstellen.

Virtuelle Währungen unterliegen praktisch keiner behördlichen Regulierung. Mehrere Länder haben vor den Risiken gewarnt, da Nutzer im Falle von Problemen oder Betrugs nicht vor Verlusten geschützt sind. Die Pleite einer der ältesten und wichtigsten Bitcoin-Handelsplätze, MtGox, Anfang 2014 erschütterte das Vertrauen in die Währung schwer. Dem Unternehmen kamen nach eigenen Angaben bei einem Hackerangriff „Münzen“ im Gesamtwert von mehreren hundert Millionen Euro abhanden.

Von

afp

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