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07.05.2015

11:22 Uhr

Block Trades

Große Aktiendeals sind in Mode

VonRobert Landgraf, Susanne Schier

Zwei große Aktiendeals an einem Morgen: Für 700 Millionen Euro gibt der Finanzinvestor CVC Evonik-Anteile ab. Haniel trennt sich von Metro-Anteilen im Wert von einer halben Million. Es ist das Jahr der Megaplatzierungen.

Der Finanzinvestor CVC hat Evonik-Aktien im Wert von 700 Millionen Euro abgestoßen. dpa

Der Finanzinvestor CVC hat Evonik-Aktien im Wert von 700 Millionen Euro abgestoßen.

FrankfurtDer jüngste großangelegte Aktiendeal ist gerade mal ein paar Stunden alt: Am Mittwochabend warf der Finanzinvestor CVC weitere 22 Millionen Evonik-Aktien für insgesamt 700 Millionen Euro auf den Markt. CVC reduziert damit seine Evonik-Beteiligung um ein Drittel auf 9,4 Prozent. Erst im März hatte sich CVC von einem Evonik-Paket im Volumen von 3,9 Prozent der Anteile getrennt.

CVC ist nicht der einzige Investor, der derzeit große Mengen an Aktien bewegt. Auch der Metro-Großaktionär Haniel hat seine Abhängigkeit von dem Düsseldorfer Handelsriesen weiter verringert. 16,25 Millionen Metro-Aktien hat Haniel bei institutionellen Anlegern zu einem Preis von je 30,37 Euro platziert. Dadurch streicht Haniel knapp 500 Millionen Euro ein. Der Haniel-Anteil an der Metro von zuletzt 30,01 Prozent sinkt auf rund 25 Prozent.
Erst im März hatte der Beteiligungsinvestor Permira im verflixten siebten Jahr seines Engagements beim Edelschneider Hugo Boss seine restlichen Aktien losgeschlagen. Fast eine Milliarde Euro schwer waren die Anteile am schwäbischen Konzern. Sie wurden innerhalb von Stunden bei Großinvestoren platziert.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Künftig schneidert Hugo Boss also allein. Lediglich der italienische Textilclan, die Familie Marzotto, mischt noch mit. Als Belohnung winkt Hugo Boss der Aufstieg in den Dax, was angesichts des gestiegenen Streubesitzes gelingen sollte. Auch für den Finanzinvestor Permira hat es sich gelohnt: Gut eine Milliarde hatte das Private-Equity-Haus eingesetzt. Durch den schrittweisen Verkauf der Anteile hat sich der Einsatz mehr als verdoppelt.

Große Aktienplatzierungen, sogenannte Block Trades, laufen in diesem Jahr in Deutschland besonders gut - nicht nur bei Hugo Boss. Auch Großaktionäre von Aareal Bank, Deutsche Annington, Kion und Zalando haben umfangreiche Aktienpakete losgeschlagen. Weitere Kandidaten stehen laut Finanzkreisen kurz davor: Das Private-Equity-Haus CVC plane, „zeitnah weitere Anteile von Evonik zu verkaufen“. Zudem wolle die Beteiligungsgesellschaft Lone Star ihren Anteil an TLG Immobilien reduzieren. Bei beiden Firmen kam es dieses Jahr schon zu Verkäufen.

Für Jörg Rockenhäuser, Deutschlandchef von Permira, liegen die Vorteile von Block Trades auf der Hand: „Die von den Permira Fonds kontrollierte Holding Red & Black hat viele Jahre mehr als die Hälfte der Hugo-Boss-Aktien gehalten. Einen solch großen Anteil kann man nicht als Ganzes am Markt platzieren.“ Es sei daher die beste Strategie, in Etappen auszusteigen. Dadurch habe Hugo Boss Schritt für Schritt neue Investoren und eine höhere Liquidität des Aktienkapitals gewonnen.

Auch Andrew Formica, Chef der Fondsgesellschaft Henderson Global Investors, hält Schnellplatzierungen für wichtig, da man größere Portfolios bewegen könne: „Dafür braucht man einen transparenten und fairen Mechanismus, um Käufer und Verkäufer zusammenzubringen.“

Kommentare (1)

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Herr Nikolai Joschua Schürenberg

07.05.2015, 12:23 Uhr

"Große Aktiendeals"..."Haniel trennt sich von Metro-Anteilen im Wert von einer halben Million"....Und der Autor liegt ca. 499 500 000 Euro daneben.

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