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09.11.2016

08:23 Uhr

Börse Asien

Japans Börse ist Trumps erstes Opfer

VonMartin Kölling

Der Yen schießt in die Höhe, Aktien schmieren ab - Donald Trumps Vorsprung in den Auszählungen trifft Japan hart. Warum es die Asiaten am Ende weitaus weniger treffen könnte, verrät ein deutsche Investor in Japan.

Tag an den Börsen

Asien Experte: Präsident Trump - mehr Chancen als Risiken

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Die endgültige Entscheidung im Rennen um das Weiße Haus konnte der japanische Markt nicht mehr einpreisen. Aber schon die immer gewissere Aussicht, dass Donald Trump entgegen den Umfragen Präsident werden könnte, schickte die Aktien auf Talfahrt. Der Nikkei machte nicht nur frühe Gewinne wett, sondern sackte bis Börsenschluss um 5,4 Prozent auf 16251,54 Yen Prozent ab.

Damit brachte Japan wie schon beim Brexit wieder einmal das schwerste Opfer unter den asiatischen Finanzmärkten. Südkoreas Kospi-Index notierte mit 1948,25 Punkten 2,8 Prozent schwächer als am Vortag. Und in China bewegte sich der Markt bisher kaum.

Der Grund ist simpel wie erwartet: Wann immer ein Ereignis die globalen Anleger negativ überrascht, steigt der Yen massiv, weil sich die Welt in Japans Währung flüchtet. Denn sie gilt als sicherer Hafen im Sturm. Und im Gegenzug kollabieren die Aktienpreise, weil ein höherer Yen niedrigere Gewinne für die Exportkonzerne bedeutet.

So auch dieses Mal: Der Dollar verlor gegenüber dem Yen bis Börsenschluss fast drei Prozent an Wert und sackte von 105 Yen in den 101-Yen Bereich ab. Und dies ist noch nicht unbedingt das Ende des Dramas. Die Wirtschaftszeitung Nikkei hatte gewarnt, dass der Dollar bei einem Sieg Trumps auf 95 Yen und damit der Aktienmarkt von 17000 auf 15000 Yen abschmieren würde.

Worüber die USA heute noch abstimmen

Kongress

Gewählt werden sämtliche 435 Abgeordnete des Repräsentantenhauses, deren Mandat über zwei Jahre läuft. Außerdem stehen 34 der 100 Senatssitze zur Wahl. Die Senatoren werden für sechs Jahre gewählt. Jeder der 50 Bundesstaaten hat unabhängig von seiner Bevölkerungszahl zwei Vertreter im Senat.

Gouverneure

In zwölf Staaten werden die Gouverneure, also die mit weitreichenden Befugnissen ausgestatteten Regierungschefs, gewählt. Acht dieser Posten werden derzeit von Demokraten, vier von Republikanern besetzt.

Regionalparlamente und andere Posten

Gewählt werden auch die Regionalparlamente in vier Bundesstaaten. Außerdem entscheiden die Wähler über tausende von Posten und Mandate auf der kommunalen und regionalen Ebene. Darunter sind Gemeinderäte, Richter, Staatsanwälte und Sheriffs.

Referenden

Die US-Amerikaner entscheiden heute auch über eine ganze Reihe von Referenden. Dabei geht es zum Teil auch um ziemlich skurrile Dinge.

Todesstrafe

Einige der wichtigsten Volksabstimmungen finden in Kalifornien statt. So wird im bevölkerungsreichsten Bundesstaat unter anderem über die mögliche Abschaffung der Todesstrafe abgestimmt. Zwar ist die Todesstrafe in Kalifornien seit zehn Jahren nicht mehr vollstreckt worden. Doch sitzen dort 740 verurteilte Häftlinge in den Todestrakten - mehr als in jedem anderen Bundesstaat.

Marihuana

In dem Westküstenstaat entscheiden die Bürger zudem darüber, ob Marihuana generell legalisiert werden soll. Für den medizinischen Gebrauch ist es in Kalifornien bereits seit 20 Jahren erlaubt. Ebenso wird in Arizona, Maine, Massachusetts und Nevada über die Legalisierung der Droge für „Freizeitzwecke“ entschieden. Bislang ist Marihuana in vier Staaten sowie der Hauptstadt Washington allgemein legalisiert.

Kondome für Pornodarsteller

In Kalifornien geht es in den Wahllokalen auch um die Pornoindustrie. Die Bürger entscheiden darüber, ob die Sex-Darsteller künftig Kondome verwenden müssen.

Sklaverei

In Colorado stimmen die Menschen darüber ab, ob die Sklaverei abgeschafft wird – tatsächlich ist der Bundesstaat inmitten der Rockies der einzige, in dem Sklavenhaltung noch möglich ist. Derzeit gilt: Straftäter sind nicht vor Leibeigenschaft geschützt.

Waffengesetze

In Kalifornien könnten durch ein Referendum „Großraum-Magazine mit einer besonders großen Anzahl von Patronen“ verboten werden. In Nevada dürften, wenn das Referendum Erfolg hat, Waffen künftig nur noch in lizensierten Läden verkauft werden – ausgenommen sind Verkäufe unter Verwandten.

51. Bundesstaat

Bislang ist Washington D.C. Kongress unterstellt. Nun stimmen die Einwohner darüber ab, ob die Hauptstadt der USA der 51. Bundesstaat wird.

Für Anleger im japanischen Markt ist das nicht unbedingt unwillkommen. „Dies öffnet die Chance, im Tal in den Markt einzusteigen“, meint Jesper Koll, Chef von WisdomTree Investments Japan. Japans Investoren seien sehr gut darauf vorbereitet..

Seit dem Brexit-Votum im Mai hätten die Kunden der drei größten Broker des Landes den Bargeldanteil an ihren Einlagen auf 33 bis 38 Prozent verdoppelt, so Koll. „Es ist also genug Geld für Investitionen vorhanden.“

Allerdings stellt sich jetzt die Frage, wie es weitergehen wird. Koll erwartet, dass Japans zur Stimulierung der Wirtschaft ein neues Konjunkturpaket auflegen wird, falls sich die Märkte nicht beruhigen oder der Yen stark in die Höhe schnellen sollte. Die Regierung kündigte bereits an, den Devisenmarkt genau zu beobachten und – wenn nötig – einzugreifen.

Für die Großwetterlage werde allerdings kurzfristig entscheidend sein, wie schnell Trump präsidial werden und sein wirtschaftliches Team vorstellen würde. Kann Trump als Teamspieler überzeugen, erwartet Koll eine Beruhigung. „Wenn er den Cowboystil weiterführt, werden die Investoren ihre Richtlinien neu schreiben.“

Doch auch wenn Hillary Clinton Trump auf den letzten Metern den Sieg noch entreißen sollte, erwartet Koll eine Machtverschiebung, eine Stärkung Asiens und eine Schwächung des Westens. „Die Realinvestitionen der Firmen werden sich auf Asien konzentrieren, weil die Regierungen pragmatischer sind“, meint Koll. Sein Fazit: „Die Glaubwürdigkeit Asiens steigt – nur leider dadurch, dass das Führungslicht des Westens verblasst.“

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