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05.12.2016

07:34 Uhr

Börse Asien

Tokio schließt nach Nein zu Italien-Referendum schwächer

Die Märkte in Asien haben nur leicht auf das Ergebnis des italienischen Referendums reagiert. Selbst die Verluste bei Finanzwerten hielten sich in Grenzen. Analysten hatten mit einem stärkeren Einbruch gerechnet.

Der große Einbruch an den Märkten blieb in Japan aus. dpa

Börsentafel

Der große Einbruch an den Märkten blieb in Japan aus.

TokioNach dem gescheiterte Verfassungsreferendum in Italien haben die asiatischen Börsen ihre Talfahrt fortgesetzt. Die aktuellen Kursverluste seien aber vor allem Gewinnmitnahmen, betonte Norihiro Fujito, Anlagestratege des Vermögensverwalters Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Der Euro rutschte um bis zu 1,5 Prozent ab und war mit 1,0508 Dollar so billig wie zuletzt vor knapp zwei Jahren. Zur japanischen Währung verlor er zeitweise sogar mehr als zwei Prozent.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans verlor 0,5 Prozent und der Tokioter Leitindex Nikkei büßte 0,8 Prozent auf 18.270,77 Punkte ein. Vergangene Woche hatte der Nikkei ein Elf-Monats-Hoch markiert. Die Shanghaier Börse büßte 1,4 Prozent ein. „Der asiatische Handel hat gefasst reagiert“, betonte Jörg Krämer, den Chef-Volkswirt der Commerzbank.

Ökonomen zum Ausgang des Italien-Referendums

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank

„Ich würde am heutigen Tag nicht das Wort Euro-Krise in den Mund nehmen. Italien dürfte jetzt eine Technokraten-Regierung bekommen. Das muss nichts Schlechtes bedeuten. Übergangsregierungen in Europa haben manchmal mehr hinbekommen als reguläre Regierungen.

Die Debatte über eine Absenkung der Anleihenkäufe durch die EZB dürfte nun erst einmal vom Tisch sein. EZB-Chef Draghi dürfte am Donnerstag signalisieren, dass das Kaufprogramm fortgesetzt wird. Es dürfte nachjustiert werden zugunsten von italienischen Staatsanleihen. Das dürfte diese stützen. Die EZB Sitzung am Donnerstag kommt wie gerufen, um größere Schäden vor allem für italienische Staatsanleihen zu verhindern.“

Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt Nordea

"Wenn man sieht, wie breit der Widerstand gegen die Reformen war, dann war es eher Renzis Niederlage als ein Sieg der Populisten. Nachdem Renzi das Land vorangebracht hat, ist nun erst einmal unklar wie es weitergeht - Neuwahl oder nicht? Dieses Vakuum dauert hoffentlich nur kurz an. Auf den Finanzmärkten könnten italienische Bankaktien mehr leiden als Staatsanleihen. Italien ist aber nicht auf dem Weg aus der EU oder dem Euro-Raum. Damit das realistisch würde, müsste die Fünf-Sterne-Bewegung die nächste Wahl gewinnen, die Verfassung ändern, damit ein Euro-Referendum möglich würde, und es gewinnen. All das ist weit weg. Italien und die EU werden den gestrigen Rückschlag überleben."

Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt

„Der asiatische Handel hat gefasst reagiert. Der Eurokurs ist nicht eingebrochen. Natürlich ist es tragisch, dass die Italiener die Chance vertan haben, sich einen effizienteren parlamentarischen Entscheidungsprozess zu geben. Aber das bedeutet nicht automatisch eine eurokritische Fünf-Sterne-Regierung und eine Rückkehr der Staatsschuldenkrise. Der Staatspräsident will eine Übergangsregierung einsetzen. Diese würde versuchen, eine Wahlrechtsreform durchzubekommen.

Mittelfristig ist eine wesentliche Regierungsbeteiligung der Fünf-Sterne-Bewegung nicht vom Tisch. Sie will deutlich mehr Staatsausgaben. Das könnte zu einem Käuferstreik der Investoren führen und eine Staatschuldenkrise auslösen.“

Quelle: Reuters

Die Italiener lehnten die Verfassungsreform ab, die der Zentralregierung mehr Macht sichern sollte. Ministerpräsident Matteo Renzi kündigte daraufhin seinen Rücktritt an. „Es ist nicht sehr schwierig, Neuwahlen am Horizont aufziehen und einen Sieg der '5-Sterne-Bewegung' zu sehen, die die EU, den Euro oder beides verlassen will“, sagte Mark Wills, Asien-Chef des Vermögensberaters State Street. Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank, mahnte dagegen zur Besonnenheit. „Ich würde am heutigen Tag nicht das Wort Euro-Krise in den Mund nehmen. Italien dürfte jetzt eine Technokraten-Regierung bekommen. Das muss nichts Schlechtes bedeuten. Übergangsregierungen in Europa haben manchmal mehr hinbekommen als reguläre Regierungen.“

Zu den größten Verlierern am japanischen Aktienmarkt zählten die Finanzwerte, deren Branchenindex um 1,8 Prozent abrutschte. „Langfristig wird der Ausgang des Referendums die Bemühungen Italiens verzögern, die dortigen Banken von ihren faulen Krediten zu befreien“, sagte Minori Uchida, Chef-Devisenanalyst der Bank of Tokyo-Mitsubishi. Die Geldhäuser des südeuropäischen Landes sitzen auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg von Krediten, deren Rückzahlung fraglich ist.

Am Rohölmarkt verbilligte sich die Sorte Brent aus der Nordsee um ein Prozent auf 53,94 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Analysten der US-Bank Goldman Sachs machten die anziehende US-Ölproduktion hierfür verantwortlich. „Seit Ende Mai ist die Zahl der Bohrungen in den USA um 51 Prozent gestiegen.“ Dem Ölindustrie-Dienstleisters Baker Hughes zufolge stieg deren Zahl in der vergangenen Woche um drei Bohrungen auf 477.

Von

rtr

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