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04.01.2016

14:04 Uhr

Börse Asien

Warum der Handel in China plötzlich stillstand

Es war ein Jahresauftakt, wie ihn sich kein Anleger wünscht. Statt aufwärts ging es für den Index der 300 größten Aktien Chinas steil bergab. Der Handel wurde ausgesetzt, die internationalen Börsen angesteckt.

Für westliche Anleger verwirrend sind die Anzeigen an Chinas Börsen. Verluste werden in grünen Zahlen ausgewiesen, Gewinne in Rot. ap

China schreibt grüne Zahlen

Für westliche Anleger verwirrend sind die Anzeigen an Chinas Börsen. Verluste werden in grünen Zahlen ausgewiesen, Gewinne in Rot.

Düsseldorf/SchanghaiUm 13.34 Uhr Ortszeit war Schluss. Die chinesische Börse stoppte den Handel vorzeitig. Um sieben Prozent war zu diesem Zeitpunkt der wichtige China Security Index 300 (CSI 300) abgestürzt. Damit nicht noch Schlimmeres passiert, wurde der Handel des Index für den Rest des Tages ausgesetzt. Ein Sicherheitsmechanismus schlug zu.

Damit geht der 4. Januar 2016 in die Börsengeschichte ein – und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen markieren die sieben Prozent Verlust den schwächsten Jahresstart, den der CSI 300, der die 300 größten festlandchinesischen Aktien umfasst, je verzeichnete. Die Papiere sind an den Börsen in Shenzhen oder Schanghai notiert. Zum anderen wurde an diesem Tag erstmals ein Sicherheitsmechanismus eingeführt, der den Handel bei zu großen Verlusten unterbricht. Kaum einer hat geahnt, dass der sogenannte Circuit-Breaker schon am allerersten Tag seines Daseins greifen müsste.

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Doch was ist eigentlich ein Circuit-Breaker? Ins Deutsche übersetzt verbirgt sich hinter dem Begriff ein „Schutzschalter“. Im Grunde ist dies ein simpler Sicherheitsmechanismus, der den Handel bei übermäßigen Kursschwankungen aussetzt. Er soll verhindern, dass es zu noch größeren Kursrutschen kommt. Beim CSI 300 besitzt dieses System zwei Stufen: Die erste wird bei Tagesverlusten von fünf Prozent aktiv. Dann wird der Handel erst einmal für 15 Minuten ausgesetzt. Die zweite Stufe tritt bei einem Verlust von sieben Prozent in Kraft. Dann wird der Handel für den laufenden Tag beendet.

Hinter dem System liegt die Hoffnung, dass sich nach der ersten Unterbrechung der Negativtrend beruhige und danach wie gewohnt fortlaufen kann. Soweit die Theorie. Die Praxis sah am CSI 300 am Montag anders aus: Der Ausverkauf hielt an. Einzelne Investoren, die mehr als 80 Prozent des Handels betreiben, könnten nach dem Ende der ersten Unterbrechung reflexartig Positionen verkauft haben, um nicht beim Erreichen der zweiten Sicherheitsschwelle in schwachen Papieren stecken zu bleiben, schätzt Andrew Sullivan, Analyst bei Haitong International Securities in Hong Kong.

Die schlechtesten Anlagen 2015

Ukrainische Aktien

Der Konflikt mit den Pro-russischen Separatisten im Osten des Landes, aber auch Misswirtschaft hat die Ukraine an den Rand des Staatsbankrotts getrieben. Der Internationale Währungsfonds hält Kiew mit Hilfskrediten über Wasser und fordert im Gegenzug Wirtschafts- und Sozialreformen. Der Leitindex PFTS verlor 2015 mehr als 35 Prozent, gleichzeitig brach die ukrainische Währung Hrywnja ein. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in die Aktien des Leitindex investiert hat jetzt nur noch 44.950 Euro und damit mehr als die Hälfte seines Geldes verloren – so viel wie mit keiner anderen Anlage.

Stand: 30.12.2015, 11:30Uhr; Wertentwicklung ohne Transaktionskosten
Quelle: Bloomberg

Brasilianische Aktien

Das südamerikanische Land durchlebt eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Inflation ist bereits zweistellig und Volkswirte fürchten, dass Brasiliens Wirtschaft bis 2017 um acht Prozent schrumpfen wird. Die Politik ist durch einen Korruptionsskandal gelähmt. Das belastete auch die Börse deutlich. Der Index Ibovespa verlor zwölf Prozent. Da gleichzeitig der Real gegenüber dem Dollar und dem Euro einbrach, vergrößert sich der Verlust für Euro-Anleger: Von 100.000 Euro bleiben nur 66.200 Euro übrig.

Brentöl

Der Verfall der Ölpreise – bedingt durch die Wachstumssorgen in den Schwellenländern und die unverändert hohen Fördermengen der Opec – hielt das ganze Jahr an. Kurz vor Weihnachten fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar auf das Elf-Jahrestief von 35,98 Dollar und ist seither nur leicht gestiegen. In Dollar gerechnet liegt der Jahresverlust bei gut 35 Prozent, in Euro sind es 28,16 Prozent. Das heißt: Aus 100.000 Euro wurden 71.850 Euro.

Aktien Griechenland

Anders als für die nur noch wenigen Besitzer griechischer Anleihen war für die Besitzer griechischer Aktien ein schlechtes Jahr: Fünf Wochen lang war im Sommer die griechische Börse wegen des drohenden Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro-Raum geschlossen. Als die Börsen im August wieder öffneten, ging es weiter bergab: Der Leitindex ASE brach in diesem Jahr um 25,37 Prozent ein – von 100.000 Euro blieben Anlegern nur 74.630 Euro übrig.

Magere Schweine

Nicht nur Öl, Industrierohstoffe und Metalle sind 2015 unter die Räder gekommen, sondern auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelte Terminkontrakte auf Nutztiere: Der Preis für Magere Schweine zum Beispiel fiel hier um 27 Prozent. In Euro gerechnet liegt der Verlust bei 19,34 Prozent. Somit bleiben von 100.000 investierten Euro noch 80.660 Euro übrig.

Kaffee

Auf dem Preis für die schwarzen Bohnen lastet unter anderem der heftige Verlust des brasilianischen Real zum Dollar, da Brasilien das mit Abstand wichtigste Kaffee produzierende und exportierende Land ist. Gleichzeitig sind die Ernteaussichten gut, das erwartete hohe Angebot drückt zusätzlich auf den Preis. In Euro gerechnet fiel der Terminkontrakt für am Chicago Board of Trade gehandelten Kaffee um 19,28 Prozent. Das entspricht bei einer Anlage von 100.000 Euro einem Verlust von 19.280 Euro.

US-Junk-Bonds der Energiebranche

Der Verfall der Öl- und Gaspreise ließ die Ausfälle bei amerikanischen Energieunternehmen mit schwacher Bonität nach oben schnellen. Die Folge: Die Kurse der Junk-Bonds (Schrottanleihen) dieser Unternehmen fielen rasant. In Dollar gerechnet ist ein Verlust von 23,9 Prozent aufgelaufen, in Euro sind es mehr als 15 Prozent. Aus 100.000 Euro sind so bei dieser Anlage nur noch 84.440 Euro geworden

Aktien Schwellenländer

Die Emerging Markets machten Anlegern auch 2015 nicht viel Freude. Der MSCI Emerging Markets verlor über 16 Prozent. Auch hier machte für Euro-Anleger der Dollar-Anstieg einiges wett, den der Index notiert in der US-Währung. Wer 100.000 Euro in den MSCI Emerging Markets investiert, hat jetzt noch 92.560 Euro auf dem Konto.

Gold

Das gelbe Metall glänzte auch 2015 nicht. Im Gegenteil: In Dollar gerechnet verlor der Preis für eine Feinunze erneut 9,8 Prozent. Ein Trost für Euro-Anleger: Dank der Aufwertung des Dollars zur europäischen Gemeinschaftswährung haben sie nur ganze wenig verloren. Aus 100.000 in Gold angelegten Euro wurden 99.880 Euro.

Nach dem Ende der ersten Unterbrechung dauerte es gerade einmal sieben Minuten, bis Sicherheitsmechanismus Nummer zwei griff: Der Kurs des gesamten Index krachte unter die Schwelle von minus sieben Prozent. Bevor der Handel ausgesetzt wurde, hatten am verkürzten Handelstag Aktien im Wert von knapp 90 Milliarden Dollar die Besitzer gewechselt. Im vergangenen Jahr wurden je Handelstag Wertpapiere im Wert von durchschnittlich 150 Milliarden Dollar gehandelt.

Den Ausverkauf am chinesischen CSI 300 hatten am Montag schwache Konjunkturberichte in Gang gesetzt. Für negative Stimmung sorgte insbesondere die chinesische Industrieproduktion. Sie schrumpfte im Dezember den zehnten Monat in Folge, wie eine Umfrage des Markit-Instituts und des Medienhauses Caixin ergab.

Eine Rolle spielte ferner der bevorstehende Ablauf eines Aktien-Verkaufsverbots für Großaktionäre, die über fünf Prozent an einem Unternehmen halten. Die Regel wurde im Zuge von Chinas Börsencrashs im Sommer eingeführt. Nun trennten sich viele kleinere Anleger von ihren Papieren, weil sie davon ausgingen, dass die Großinvestoren dies nach Fristende ebenfalls tun.

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