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14.03.2016

18:42 Uhr

Börse Frankfurt

Angst vor der eigenen Courage

Zweimal überspringt der Dax am Montag die 10.000 Punkte, schließt am Ende aber leicht unter der psychologisch wichtigen Marke. Mario Draghis neue Geldspritzen machten Anlegern Mut, fallende Ölpreise verunsicherten.

Börse am Abend

Dax geht knapp unter 10.000 Punkten aus dem Handel

Börse am Abend: Dax geht knapp unter 10.000 Punkten aus dem Handel

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FrankfurtHatten Anleger Angst vor der eigenen Courage? Nachdem das deutsche Börsenbarometer schon kurz nach dem Handelsstart erstmals seit Januar wieder über 10.000 Punkte geklettert war, sackte der Dax auch schon wieder unter die psychologisch wichtige Marke. Börsianer gingen auf Nummer Sicher und nahmen Gewinne vorsorglich mit.

Immerhin pendelte sich der Leitindex über den Tag hinweg knapp unterhalb der 10.000er-Marke ein und schloss mit einem leichten Plus von 1,6 Prozent bei 9.990,26 Punkten. Das ist der höchste Schlusskurs seit dem 6. Januar. Vom verpatzten Jahresstart hat sich das Börsenbarometer damit seit gut einem Monat um fast 1300 Punkte oder 15 Prozent erholt.

Auch die anderen europäischen Börsen zeigten sich in guter Verfassung: Der Euro Stoxx 50 schloss 0,6 Prozent fester bei 3091,98 Punkten, nachdem er im frühen Handel bis zu 1,4 Prozent zugelegt hatte. Der marktbreitere Stoxx 600 notierte 0,7 Prozent höher bei 344,66 Zählern. „Wir sind fast wieder da, wo wir das Jahr begonnen haben, und wir gehen noch immer davon aus, dass sich die Aktienkursrally weiter fortsetzen wird“, sagte Wiliam Hobbs, Leiter Investmentstrategie bei der Vermögensverwaltungssparte von Barclays in London.

Reaktionen auf die EZB-Entscheidung

Jan Bottermann, Chefökonom der Essener National-Bank

„Die EZB hat heute abermals ein umfangreiches Maßnahmenbündel auf den Weg gebracht und setzt ihren immer expansiveren Kurs fort. So wurden die Zinssätze zurückgenommen und die QE-Maßnahmen ausgeweitet. Wir gehen davon aus, dass eine Abkehr von diesem Pfad - zumindest bis auf weiteres - nicht in Sicht ist.“

 

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

„Doktor Draghi hat die Dosis deutlich erhöht. Wie von uns befürchtet, hat er die Geldpolitik der EZB leider deutlicher gelockert als die meisten erwartet hatten. Diese Geldpolitik wird kaum in der Realwirtschaft ankommen. Denn die Nebenwirkungen sind massiv. Das Produktivitätswachstum lässt nach, weil auch unrentable Investitionen wegen der niedrigen Zinsen attraktiv erscheinen. Es steigt das Risiko, dass es in Deutschland am Immobilienmarkt zu Überhitzungen kommt. Außerdem wird der Anreiz für Euro-Länder gesenkt, notwendige Reformen durchzusetzen. Alles in allem verschlechtert diese lockere Geldpolitik langfristig die Rahmenbedingungen für die Unternehmen, so dass sie sich heute schon zurückhalten. Die Medizin wird nicht wirken, auch wenn man die Dosis erhöht.“

Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

„Die EZB-Entscheidung bedeutet eine überraschend massive Ausweitung der Geldpolitik. Sie unterstreicht jedoch auch die Sorge der EZB über die schwächer werdende europäische Wirtschaft.“

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer Bankenverband

„Es ist vollkommen unnötig, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Geldhahn heute noch weiter aufgedreht hat. Die Notenbank überzeichnet die Deflationsrisiken. Der Geldmarkt im Euro-Raum ist durch die EZB-Politik faktisch stillgelegt. Wirtschaftsreformen sowie die Sanierung von Bankbilanzen werden verschleppt. Doch auf all diesen Feldern hat die EZB heute noch einmal eine Schippe draufgelegt.“

Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank

„Mit ihren heute verkündeten Maßnahmen ist die EZB ihrem monetären Kurs extrem treu geblieben. Allerdings zeugt das große Bündel an Maßnahmen von einer enormen Nervosität seitens der obersten Währungshüter. Denn auch sie müssen sich eingestehen, dass ihre Geldpolitik bislang die Wirkung verfehlt hat. Die Bilanz ist ernüchternd: So ist es der EZB nicht einmal gelungen, die am leichtesten von ihr zu beeinflussenden Indikatoren in die gewünschte Richtung zu drehen.“

Liane Buchholz, VÖB-Hauptgeschäftsführerin

„Die EZB beschleunigt ihre geldpolitische Irrfahrt. Die heutige Zinsentscheidung der EZB verstärkt den Abwärtsstrudel für die Sparer. Langfristige Altersvorsorgekonzepte werden ebenso entwertet wie zinsabhängige Institute in risikoreichere Geschäfte gedrängt werden. Es ist absolut unnötig, die deutsche Kreditwirtschaft zu einer umfangreicheren Kreditvergabe zu nötigen.“

Isabel Schnabel, Wirtschaftsweise

„Es handelt sich um eine weitere massive geldpolitische Lockerung. Angesichts der bisherigen Erfahrungen mit QE (geldpolitische Lockerung) halte ich es für unwahrscheinlich, dass die Ausweitung der Anleihekäufe die Inflation nachhaltig erhöhen wird. Der Markt für Unternehmensanleihen ist in Europa zu klein, als dass sich aus deren Einbeziehung ein großer Effekt ergeben dürfte. Gleichzeitig setzt die weitere Senkung der Einlagenzinsen die Erträge der Banken noch stärker unter Druck. 

Ich halte Instrumente wie die langfristigen Kreditlinien (TLTROs), die direkt an der Kreditvergabe ansetzen, für sinnvoller als den weiteren Ankauf von Anleihen. Allerdings hängt auch hier die Wirksamkeit davon ab, ob es überhaupt eine Kreditnachfrage gibt, die zu befriedigen ist.“

Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft

„Die EZB hat sich noch tiefer in die Sackgasse manövriert. Mit größter Sorge sieht die Versicherungswirtschaft, dass die Notenbank ihre schon extrem expansive Geldpolitik noch weiter signifikant gelockert hat. Denn immer mehr Anzeichen deuten darauf hin, dass diese monetären Anreize ihr Ziel nicht erreichen. Besonders deutlich wurde das seit Jahresbeginn auf den Aktienmärkten oder beim Euro-Wechselkurs, wo Verluste beziehungsweise eine Aufwertung im krassen Gegensatz zur Haltung der Geldpolitik standen.

Schlimmer noch: Mittlerweile ist sogar zu befürchten, dass diese unorthodoxe Geldpolitik das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich beabsichtigt ist - nämlich mehr Wachstum und eine höhere Inflation. Die Notenbank läuft daher zunehmend Gefahr, von den Risiken und Nebenwirkungen ihres Tuns eingeholt zu werden. Wir appellieren erneut nachdrücklich an EZB-Präsident Mario Draghi, die geldpolitische Strategie im Euro-Währungsgebiet im Interesse von Wirtschaft und Haushalten neu zu denken.“

Anleger reagierten vor allem auf die geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) vom vergangenen Donnerstag. Im Kampf gegen die chronische Wachstumsschwäche und die Mini-Inflation im Euro-Raum hat die EZB ihren Geldhahn noch einmal aufgedreht und unter anderem eine Ausweitung des Anleihenkaufprogramms angekündigt. Das versetzte Anleger in Kauflaune, urteilten Beobachter. „Nach der anfangs zurückhaltenden Reaktion auf die EZB-Schritte haben die Märkte letztlich entschieden, dass sie die Schritte mögen, weil es signalisiert hat, dass den Zentralbanken die Munition nicht ausgeht“, sagte Barclays-Stratege Hobbs.

Für Unsicherheit sorgte allerdings der erneut nachgebende Ölpreis. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um bis zu fast vier Prozent auf 38,82 Dollar je Barrel (159 Liter). Irans Forderung nach einer Sonderbehandlung bei der geplanten Öl-Förderbremse entzweit derzeit die großen Produzenten.

Mit Spannung warten Anleger nun auf die Entscheidungen der Notenbanken Japans, der USA und Großbritanniens in den kommenden Tagen. Zwar werden keine Zinsänderungen erwartet, aber die Währungshüter könnten sich zur Lage der Wirtschaft in ihren Ländern äußern. Vor allem die weltgrößte Volkswirtschaft steht im Fokus. Viele fragen sich, ob die US-Konjunktur schon bald eine weitere Zinserhöhung verkraften könne, sagte ein Händler. Denn eine diese könnte den Dollar zu stark werden lassen und damit die Exportchancen der US-Wirtschaft schmälern.

Kommentare (4)

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Herr Grutte Pier

14.03.2016, 11:01 Uhr

man könnte auch titeln:

"Der DAX feiert den Rechtsruck", da er sieht, dass noch Hofnung auf eine realistische Politik in diesem Land besteht.

Account gelöscht!

14.03.2016, 11:01 Uhr

Nach der FED am Mittwoch-Abend (unwichtig, da bin ich schon im Feierabend und das Handelsbuch ist logischerweise ohne Position geschlossen), ist vor dem Großen Verfall am Freitag. Und das ist der entscheidende Tag diese Woche für den institutionellen Profi.

Account gelöscht!

14.03.2016, 12:00 Uhr

Klar ist dem Dax das egal. Der Dax sieht in der AfD nämlich keine "Nazi" Partei sondern eine Demokratische Partei.
Der Dax lebt von der Draghi-EURO Drucker Droge und die ist ja erst letzte Woche wieder auf Volldampf hochgefahren worden. Das unbegrenzte Zocken mit Euro-Drucker-Draghi kann somit in vollen Umfang weiter gehen.

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