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28.04.2017

18:19 Uhr

Börse Frankfurt

Anleger lassen spektakuläre Woche ruhig ausklingen

Kaum Bewegung am Freitag, doch der Dax geht mit einem dicken Wochenplus aus einer denkwürdigen Woche. Der letzte Handelstag hat zwar einige Überraschungen parat, Anleger allerdings erteilen der Euphorie eine Absage.

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Frankfurt/DüsseldorfEin neues Allzeithoch zu Beginn der Woche, ein unspektakulärer Handelstag am Freitag: Von der anfänglichen Euphorie an den Aktienmärkten ist zum Wochenende hin wenig zu spüren. Der Dax beendete den Handelstag mit leichten Abschlägen von 0,1 Prozent bei 12.438 Punkten. „Neue Anleger kommen auf dem aktuellen Kursniveau nicht in den Markt. Der Optimismus geht langsam wieder zurück“, sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners zu den weiteren Entwicklungen des deutschen Leitindex.

Und doch: Unterm Strich bleibt ein dickes Wochenplus von mehr als drei Prozent. Der Montag hatte den Leitindex auch auf Monatssicht mit mehr als ein Prozent ins Plus gehievt. Der MDax sank leicht um 0,2 Prozent, für den SDax ging es um moderate 0,1 Prozent nach oben.

Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

5. Juni 2014

Erstmals in seiner Historie ist der Dax fünfstellig. Um 14:33 Uhr knackt der deutsche Leitindex die magische Marke und steigt bis auf 10.014 Punkte.

22. Januar 2015

EZB-Präsident Mario Draghi beschließt ein Anleihekaufprogramm im Stile der Federal Reserve. Die Zentralbank wird bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Millionen Euro aufkaufen. Insgesamt sollen so 1,14 Billionen in die Märkte gespült werden. Der Dax springt nach nervösen Pendelbewegungen auf ein Rekordhoch von 10.454 Punkten. In den folgenden Tagen hält die Hausse an, am 13. Februar springt der Dax das erste Mal über in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen.

16.März 2015

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung der 11.000-Punkte steht ein weiterer Meilenstein der Dax-Geschichte auf der Börsen-Agenda. Der Leitindex klettert zum ersten Mal über 12.000 Punkte. Weder der Konflikt in der Ostukraine noch der sich immer weiter zuspitzende Schuldenstreit scheinen die Börsenteilnehmer groß zu stören. Sie kaufen Aktien und befeuern die Hausse.

14. Juni 2017

In Erwartung einer positiven Zinsentscheidung der US-Notenbank knackt der Dax das erste Mal im Laufe seiner Geschichte die 12.900 Punkte und erreicht schließlich sein Allzeithoch von 12.921 Punkten. Schon in den Monaten zuvor hatte der Dax im Anschluss an den Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich seinen Höchststand mehrfach verbessert.

Kopfzerbrechen bereitete Investoren am Freitag dagegen die Nordkorea-Krise. „Es besteht die Möglichkeit, dass wir am Ende einen großen, großen Konflikt mit Nordkorea haben“, warnte US-Präsident Donald Trump in einem Reuters-Interview unmittelbar vor Ablauf seiner ersten 100 Tage im Amt. Bei der Umsetzung seiner Wahlversprechen habe Trump nichts vorzuweisen, sagte Anlagestratege Kiran Kowshik. Die Gesundheitsreform des US-Präsidenten war im März an überparteilichem Widerstand gescheitert. Details seiner am Mittwoch vorgestellten Steuerreform sind immer noch unklar.

Plus: Das Bruttoinlandprodukt stieg im ersten Quartal des Jahres und der Präsidentschaft Trumps nur um 0,7 Prozent – statt der von Ökonomen erwarteten 1,2 Prozent. Auch der Konsum in den USA nahm nur minimal zu.„Wir erwarten eine Verbesserung im zweiten Quartal“, sagte jedoch Jim O'Sullivan, der Chef-Ökonom von High Frequency Economics in New York. Der Dow Jones reagierte ebenfalls mit Abschlägen.

Auf die Veröffentlichung der neuesten Inflationsschätzungen für die Eurozone reagierte Anleger kaum. Mit 1,9 Prozent lag sie nahe am EZB-Ziel von knapp zwei Prozent und nährte Spekulationen auf eine raschere Reduzierung der Konjunkturhilfen durch die Notenbank. „Und das kaum 24 Stunden nachdem EZB-Chef Mario Draghi gesagt, dass die Preise voraussichtlich nur langsam steigen werden“, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Der Euro wurde durch die hohe Inflation angekurbelt und legte zuletzt um 0,29 Prozent zum Dollar zu und lag so bei 1,0904.

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Darüber hinaus hatten Investoren erneut eine Fülle von Firmenbilanzen zu verdauen. Die Saison verlaufe bisher sehr gut, lobten die Analysten der Bank of America Merrill Lynch. Prognosen würden meist angehoben und der Aufwärtstrend stehe auf breiter Basis. In der vergangenen Woche seien daher 21 Milliarden Dollar frisches Geld in europäische Aktien geflossen – so viel wie zuletzt im Dezember 2015.

Positiv überraschte am Freitag unter anderem die UBS, deren Aktien sich in Zürich dank eines Milliardengewinns um 2,1 Prozent verteuerten. Das Geschäft der Royal Bank of Scotland (RBS) entwickelte zum Jahresauftakt ebenfalls besser als erwartet. RBS-Titel stiegen um 4,7 Prozent auf 265,4 Pence und waren damit Spitzenreiter im Londoner Auswahlindex FTSE.

Im Dax waren Linde mit einem Kursplus von 2,3 Prozent Top-Favoriten. Der Industriegasekonzern steigerte das operative Ergebnis um drei Prozent auf gut eine Milliarden Euro und übertraf damit die Markterwartungen leicht.

Zudem bestätigte die Deutsche Bank Citigroup-Manager James von Moltke als neuen Finanzvorstand. Moltke, bislang auf einem Top-Posten in der Finanzabteilung des US-Instituts, werde im Juli nach Frankfurt kommen, verkündete die Deutsche Bank am Freitag. Damit bestätigten sich Informationen des Handelsblatts. Trotzdem gehörte die Aktie der Bank mit Verlust von 1,3 Prozent zu den größten Verlierern.

Amazon, Microsoft und die Google-Mutter Alphabet überzeugten Investoren dagegen mit ihren Geschäftszahlen. Den beiden ersteren verhalf vor allem ein starkes Cloud-Geschäft zu überraschend starken Gewinn-Zuwächsen. Letztere profitierten vom boomenden Werbegeschäft auf Smartphones und Tablets. Die Aktien der drei Nasdaq-Schwergewichte waren mit 949,59 Dollar, 69,14 Dollar und 916,85 Dollar jeweils so teuer wie nie zuvor.

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