Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.03.2016

18:50 Uhr

Börse Frankfurt

Anleger machen zum Wochenbeginn Kasse

Börsianer warten gespannt auf den Donnerstag. Dann könnte die Europäische Zentralbank weitere Schritte im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche beschließen. In der Zwischenzeit sichern Anleger ihre Gewinne.

Börse am Abend

Investoren nehmen Gewinne mit

Börse am Abend: Investoren nehmen Gewinne mit

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtDer Dax hat am Montag seiner zuletzt starken Entwicklung Tribut gezollt. Auch von der schwächer erwarteten Wall Street kam kein Rückenwind - entsprechend ging der deutsche Leitindex am Montag mit Abschlägen aus dem Handel, er schloss 0,5 Prozent tiefer bei 9.779 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor 0,8 Prozent auf 19.682 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax sank um 0,8 Prozent auf 1.639 Punkte.

Börsianer sprachen von einer Verschnaufpause, nachdem sich der Dax am Freitag den dritten Wochengewinn in Folge gesichert hatte. In der Spitze hatte der Index dabei um mehr als zehn Prozent zugelegt. Der Bereich um 9.900 Punkte sei allerdings „wie eine Mauer“, an der es immer wieder Gewinnmitnahmen gegeben habe, schrieb Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar.

Die Marktteilnehmer warten bereits gespannt auf den Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Hinzu kam ein negativer Analystenkommentar: Die US-Bank JPMorgan empfahl aufgrund der zuletzt überdurchschnittlich guten Entwicklung an den internationalen Aktienmärkten Anlegern eine Reduzierung ihres Aktienanteils.


Die Erwartungen an die EZB

Was die EZB bisher getan hat

Die Zinsen im Euroraum wurden unter EZB-Chef Mario Draghi quasi abgeschafft, der Leitzins liegt seit September 2014 mit 0,05 Prozent nur noch knapp im positiven Bereich. Zusätzlich kauft die Notenbank seit dem 9. März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. 60 Milliarden Euro nimmt die EZB dafür in die Hand - Monat für Monat. Im Dezember verlängerte der EZB-Rat dieses Programm („Quantitative Easing“/QE) um ein halbes Jahr bis mindestens März 2017. Das viele billige Geld soll über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Verbrauchern und Unternehmen ankommen und die Wirtschaft ankurbeln.

Warum die EZB nachlegen will

Oberstes Ziel der EZB sind stabile Preise - und die definieren Europas Währungshüter bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent. Doch davon ist die Inflation trotz der Geldflut der Notenbank weiterhin meilenweit entfernt. In Deutschland drückte der erneute Absturz der Ölpreise die jährliche Teuerungsrate im Februar nach vorläufigen Zahlen auf Null. Im Euroraum fielen die Verbraucherpreise erstmals seit einem halben Jahr sogar wieder: Die Inflationsrate ging auf minus 0,2 Prozent zurück. Das dürfte die EZB nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Christoph Weil bestärken, ihre eigenen Inflationsprognosen zu senken: „Dies macht den Weg frei für weitere expansive Maßnahmen.“

Was die EZB noch tun kann

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter den Strafzins nochmals verschärfen, den Banken bezahlen müssen, wenn sie kurzfristig Geld bei der Notenbank parken. Seit Dezember liegt er bei 0,3 Prozent. Möglich wäre auch eine Staffelung dieses Zinses je nach Höhe der Einlagen. Müssen Banken mehr für das Bunkern von Liquidität zahlen - so die Theorie - bringt sie das eher dazu, das Geld als Kredit an Verbraucher und Unternehmen weiterzureichen. Theoretisch könnte die EZB auch das Volumen ihrer monatlichen Wertpapierkäufe aufstocken oder Grenzen aufweichen, die im Rahmen ihres QE-Programms eingezogen wurden - wie die, dass die Zentralbank nicht mehr als 33 Prozent der Anleihen eines Staates kaufen darf. Solche Schritte sind im EZB-Rat aber wesentlich umstrittener als das Thema Strafzinsen.

Was die Maßnahmen bringen - und was nicht

Ökonomen raten zu mehr Besonnenheit: Hauptgrund für die niedrige Inflation sei der Absturz der Ölpreise - und der sei zugleich ein Konjunkturprogramm. „Der niedrige Ölpreis lässt der Inflation keinen Raum zum Atmen. Doch die Lage ist nicht so gravierend, wie die Gesamtrate glauben macht“, kommentierte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner die jüngsten Inflationszahlen. Und da die Finanzmärkte eine Erholung der Rohölpreise erwarteten, sei für 2017 im Durchschnitt eine Inflationsrate von rund zwei Prozent wieder realistisch. „Deshalb sollte die EZB über die aktuelle Flaute hinwegsehen“, riet Zeuner. „Vor allem eine weitere Absenkung des bereits negativen Einlagensatzes erscheint mir per Saldo wenig wirksam.“

Unter den Einzelwerten sorgte vor allem BASF für Gesprächsstoff. Eine mögliche Offerte für den US-Konkurrenten Dupont sorgte für marktkonforme Kursverluste von rund einem Prozent. Am Wochenende war bekannt geworden, dass BASF einer Fusion der beiden US-Rivalen Dupont und Dow Chemical möglicherweise nicht untätig zusehen und ein Übernahmeangebot für Dupont machen will. Eine BASF-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern. Der Markt wäre von einer Übernahmeschlacht sicherlich nicht begeistert, sagte ein Händler. Equinet-Analyst Michael Schaefer geht davon aus, dass ein Bieterwettkampf um Dupont die BASF-Bilanz stark belasten dürfte. BASF müsste eine deftige Prämie an die Dupont-Aktionäre zahlen, schreibt der Experte in einem Kommentar. Gleichzeitig wären die Synergieeffekte bei einer Fusion von Dupont und BASF im Vergleich zu einer Allianz von Dupont mit Dow Chemical deutlich kleiner.

Neuer Commerzbank-Chef Zielke: Mit Eigensinn an die Konzernspitze

Neuer Commerzbank-Chef Zielke

Premium Mit Eigensinn an die Konzernspitze

Martin Zielke führt künftig die Commerzbank. Lange Zeit wurde der Privatkundenvorstand nur als Außenseiter-Kandidat gehandelt. Am Ende überzeugten die Stärken eines Mannes, der lieber Taten als Worte sprechen lässt.

Auch die Vorzugsaktien des Autobauers Volkswagen rutschten am Dax-Ende um 5,5 Prozent ab. Die Hoffnungen auf eine schnellere Bewältigung der Krise in den USA hätten einen Dämpfer erhalten, hieß es. Belastend wirkt auch, dass die VW-Führung bereits Monate vor dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre in den USA von den Software-Manipulationen gewusst haben soll.

Am Rentenmarkt stagnierte die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere bei 0,08 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,07 Prozent auf 142,03 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,12 Prozent auf 165,31 Punkte. Der Kurs des Euro fiel: Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,0953 (Freitag: 1,0970) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9130 (0,9116) Euro. 

Vor der EZB-Ratssitzung: Mario Draghis Medizin

Vor der EZB-Ratssitzung

Premium Mario Draghis Medizin

Der EZB-Chef steht vor der Ratssitzung am Donnerstag unter Druck. Trotz Gegenmaßnahmen der Notenbanker ist die Inflation in der Euro-Zone niedrig. Was können Draghi & Co. noch tun, um für mehr Inflation zu sorgen?

Auch andere europäische Börsen rutschten am Montag ins Minus. Schwächste Einzelbranche waren erneut italienische Bankenaktien, die am Indexende des Mib in Mailand mehrprozentig nachgaben. Mit den italienischen Banca Monte dei Paschi di Siena, Banca Popolare di Milano und Banca Popolare SC gaben drei italienische Finanzwerte jeweils mehr als sechs Prozent nach. Aber auch Julius Bär Gruppe verloren 1,2 Prozent, Credit Suisse gaben 0,8 Prozent nach und UBS lagen 0,4 Prozent im Minus.

Exportorientierte Autowerte und verwandte Aktien sowie Rohstofftitel standen ebenfalls auf den Verkaufslisten. Die Abgaben erfassten aber in der Regel den breiten Markt. Der Euro Stoxx 50 notierte mit 3.000 Punkten 1,2 Prozent leichter.

Auch die Wall Street eröffnete nach zuletzt vier Handelstagen in Folge mit Kursgewinnen etwas schwächer. „Investoren legen erst einmal eine Pause ein“, sagte Analyst Andre Bakhos von Janlyn Capital. „Sie suchen danach, was die nächste Triebfeder sein könnte.“ Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor in den ersten Minuten 0,3 Prozent auf 16.961 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,5 Prozent nach auf 1.991 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank 0,6 Prozent auf 4.690 Punkte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×