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17.01.2012

17:29 Uhr

Börse Frankfurt

Aufhellende Zukunftsprognosen lassen Dax steigen

Die Schuldenkrise schreitet voran. Trotz erfolgreicher Anleiheemissionen machen die Ratingagenturen weiter gegen die Eurozone mobil. Da konzentrierten sich die Börsianer heute doch lieber auf positiv Konjunkturdaten.

Händler in Frankfurt: Kann man den freundlichen Kurs-Tendenzen trauen? Reuters

Händler in Frankfurt: Kann man den freundlichen Kurs-Tendenzen trauen?

An den Aktienmärkten setzen immer mehr Anleger auf eine rasche Erholung der Weltwirtschaft. Konjunkturdaten aus China, Deutschland und den USA lieferten ihnen am Dienstag zahlreiche Argumente für diese Sichtweise und ließen die Sorgen um die Euro-Schuldenkrise vorerst in den Hintergrund treten. Der Dax schloss 1,6 Prozent höher bei 6.316 Zählern und damit auf den höchsten Stand seit Ende Oktober. Auch der Euro zog bis auf 1,2797 Dollar an. Der MDax mittelgroßer Werte stieg um 1,6 Prozent auf 9.722 Punkte und der TecDax um 1,1 Prozent auf 733 Punkte.

Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen kletterte um 32,2 auf minus 21,6 Punkte - einen so starken Anstieg hat es seit Beginn der Umfrage 1991 noch nie gegeben. Analysten hatten im Schnitt mit einem Wert von minus 50 Punkten gerechnet. „Wenn nächste Woche auch die Ifo-Geschäftserwartungen den dritten Monat in Folge steigen, dann dürfte die Talsohle bereits durchschritten sein“, sagte Deutschland-Chefvolkswirt Andreas Rees von Unicredit. „Spätestens ab Sommer dürfte es dann wieder aufwärts gehen.“ Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank kommentierte: „Es ist schön zu sehen, dass die befragten Finanzmarktakteure des ZEWs wieder bereit sind, die Krisen-Scheuklappen abzunehmen und auf das wirtschaftliche Umfeld zu schauen, das nicht schlecht aussieht.“

ZEW-Index übertrifft alle Erwartungen

Video: ZEW-Index übertrifft alle Erwartungen

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In China markierte das Bruttoinlandsprodukt zwar mit einem Plus von 8,9 Prozent im vierten Quartal das niedrigste Wachstum seit zweieinhalb Jahren - Analysten hatten allerdings mit einem noch schwächeren Wert gerechnet. „Die chinesischen Daten sind eine gute Nachricht, da die Abkühlung nicht so stark ausgefallen ist wie von manchen befürchtet“, sagte Yiping Huang, Chef-Volkswirt für asiatische Schwellenländer bei Barclays Capital. Risiken wie die europäische Schuldenkrise oder der chinesische Immobilienmarkt dürften aber nicht außer Acht gelassen werden.
In den USA fiel der Industrie-Index der New Yorker Federal Reserve mit einem Plus von 13,5 Prozent im Januar besser aus als erwartet. Die weltgrößte Volkswirtschaft hatte zuletzt immer wieder Anzeichen für eine nachhaltige Erholung ausgesandt.

Börse Frankfurt am Mittag

Video: Börse Frankfurt am Mittag

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Der Langzeit-Baustelle Euro-Schuldenkrise schenkten die Investoren am Dienstag dagegen weniger Beachtung. Von der Herunterstufung des Euro-Rettungsschirms EFSF durch die Ratingagentur S&P zeigten sich die Investoren unbeeindruckt. „Das war erwartet worden und haut niemanden mehr vom Hocker,“ sagte ein Händler. Sowohl der EFSF als auch das mit Schuldenproblemen kämpfende Spanien konnten sich am Dienstag problemlos über Anleihe-Auktionen Geld besorgen.

Der Tag an den Märkten (Stand 17:58 Uhr)

Dax

+ 1,8 Prozent

Euro Stoxx

+ 1,5 Prozent

Dow Jones

+ 1 Prozent

Nikkei

+ 1,1 Prozent (8.466 Punkte)

Euro

+ 0,6 Prozent (1,2738 Dollar)

Gold

+ 0,9 Prozent (1.659 Dollar)

Öl (Brent)

+ 0,2 Prozent (110,54 Dollar)

Die guten Zahlen der großen Volkswirtschaften ließen im Dax vor allem diejenigen Werte steigen, die besonders sensibel auf die Konjunktur reagieren. HeidelbergCement, ThyssenKrupp und MAN
gewannen zwischen 5,6 und 3,5 Prozent.

Unter den einzelnen Branchen ragten - wie bereits am Vortag - Autowerte mit überdurchschnittlichen Gewinnen hervor. Gründe dafür sind Händlern zufolge positive Analystenkommentare. Dazu kamen Zulassungszahlen für den europäischen Automarkt, wo sich der Abwärtstrend im Dezember zwar verschärft hatte, aber die starke Nachfrage in Deutschland immerhin etwas stützte. Rückrufaktionen bei Volkswagen (VW) und BMW konnten deren Aktienkursen wenig anhaben.
Daimler-Papiere kletterten um 3,8 Prozent, die von BMW um 3,5 Prozent und Volkswagen-Vorzugsaktien um 2,4 Prozent.

Stimmen zum Rating-Rundumschlag

Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister

„Ich glaube auch nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben.“

Moritz Kraemer, S&P-Chefanalyst für Europa

„Wir erfüllen unsere Aufgabe“

Max Otte, Crash-Prophet

„Die Ratingagenturen arbeiten zu langsam und in der Tendenz auch parteiisch, nämlich gegen Kontinental-Europa.“

Francois Baroin, französischer Finanzminister

„Es ist keine Katrastrophe.“ „Es ist wie ein Schüler der eine sehr lange Zeit 20 von 20 Punkten erzielt und nun 19 Punkte erreicht hat. Es ist weiterhin eine exzellente Note.“

Andrew Wells, Global Chief Investment Officer Fixed Income bei Fidelity

„Deutschland geht aus dieser Welle von Herabstufungen eindeutig als Sieger hervor.“ Er rechne mit einer anhaltenden Flucht in den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen. „Die Herabstufung Frankreichs war allgemein erwartet worden und ist sicherlich nicht so schlimm wie weitreichendere Herabstufungen von „AAA'-Nationen inklusive Deutschland gewesen wären.(...) Das Augenmerk des Marktes wird sich sicher schnell den EU-Stützungsmechanismen - vor allem dem EFSF - zuwenden.“

Jacques Cailloux, Royal Bank of Scotland (RBS)

„Die Auswirkungen der Herabstufungen auf den Markt werden kurzfristig zwar begrenzt bleiben, sie rufen aber deutlich in Erinnerung, dass die europäische Schuldenkrise noch einige Zeit andauern wird. Entscheidender ist, dass die Herabstufungen die Erwartungen zementieren, dass weder der EFSF noch der ESM ihr 'AAA'-Rating halten können. Dies macht eine Stärkung der Finanzkraft jeder dieser beiden Institutionen schwieriger. Wir rechnen mit einer Verschärfung der Krise und einer Ausweitung der Spreads im Vergleich zu Deutschland. (...)“

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank

Der Druck der Ratingagenturen verschärfe generell „die Notwendigkeit zu Strukturreformen für mehr Leistungsfähigkeit, die nicht zuletzt die EZB in Europa immer wieder anmahnt.“ Die Auswirkungen der Rating-Abstufung einiger Länder seien aber überschaubar, weil sie an den Kapitalmärkten in den vergangenen Wochen „mehr und mehr erwartet worden ist und bereits langsam Eingang in die Preise gefunden hat“. Der Drei-Jahres-Tender der Europäischen Zentralbank (EZB) habe überdies „Stabilität in den Markt gebracht, die die Effekte einer Ratingveränderung kompensieren würde.“

Jörg Asmussen, EZB-Direktoriumsmitglied

„Ich glaube nicht an die Verschwörungstheorie, dass die bösen USA Europa ruinieren wollen.“

Ewald Nowotny, EZB-Direktoriumsmitglieds

„Was die EZB angeht, werden wir alles, was in unseren Möglichkeiten steht unternehmen, um eine Entspannung herbeizuführen“

Rolf Schneider, stellvertretender Chefvolkswirt bei der Allianz

„Angesichts der weitreichenden Reformen in vielen Krisenländern der Eurozone sind sie nicht nachvollziehbar“

Sigmar Gabriel, SPD-Chef

„Die Ratingagenturen sind doch in diesem Fall nur die Überbringer der schlechten Botschaft und nicht der Verursacher.“

Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums

"Mich hat die Herabstufung nicht sehr erschüttert. Es war zu erwarten, dass Standard & Poor's sehr kritisch auf einige Länder schaut. Die Schelte, die Standard & Poor's momentan bekommt, ist die völlig falsche Reaktion. Die Rating-Agenturen haben in der Vergangenheit versagt. Aber sie sind im Moment so wichtig wie noch nie. Denn sie sind ein Regulativ der Politik, ein Regulativ des Schuldenmachens."

Heiko Müller, Deutschlandchef des Devisenbrokers Alpari

„Die Abwertung bedeutet, dass nun die Kapitalaufnahme nicht nur für die Peripherieländer der Eurozone, die sich eh schon als sehr problematisch gestaltet, sondern auch für Schwergewichte wie Frankreich  teurer wird.“

Thomas Mayer, Chefvolkswirt Deutsche Bank

„Damit dürfte der EFSF selbst auch seine AAA-Bewertung verlieren“

Dominic Rossi, Global Chief Investment Officer Aktien bei Fidelity

„Auch wenn die Herabstufung Frankreichs die Märkte nicht überrascht hat, so sind es doch enttäuschende Nachrichten, die den Euro und die Aktienmärkte nach unten ziehen werden. (...) Problematisch ist, dass nun die Spekulationen über eine Herabstufung des EFSF wieder angeheizt werden. Das wird es dem Rettungsschirm erschweren, das nötige Kapital aufzubringen und den Anleihenaufkauf der Europäischen Zentralbank zu ersetzen.“

Clemens Fuest, Wirtschaftsprofessor und Berater der deutschen Regierung

„Die Chancen (einer Herabstufung Deutschlands) stehen 50 zu 50. Wenn sich die anderen Länder rasch erholen, gibt es eine Chance, dass Deutschland noch einmal drum herum kommt. Man muss aber auch sehen, so ein fürchterliches Drama wäre das auch nicht. Die USA sind ja auch herabgestuft worden. Deutschland würde dann etwas weniger als der ganz sichere Hafen angesehen werden."

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Barclays Capital Deutschland

„Die Schultern der vermeintlichen finanzstarken Länder sind zu schwach, als dass sie die Lasten der maroden Länder übernehmen könnten.“

Auch Metro -Papiere fanden nach anfänglichen Verlusten wieder auf die Gewinnerseite zurück. Sie notierten 3,8 Prozent fester. Der neue Chef Olaf Koch will den Verkauf der Warenhauskette Kaufhof bis auf weiteres zu den Akten legen. „Im aktuellen Umfeld konnte offensichtlich kein guter Preis erzielt werden“, schreibt LBBW-Investmentanalystin Barbara Ambrus. „Wir sehen es aber positiv, dass Metro hier auf ein besseres Umfeld warten kann und nicht auf einen kurzfristigen Verkaufserlös, sondern auf ein gutes Ergebnis setzt“.

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Kommentare (53)

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Account gelöscht!

17.01.2012, 07:36 Uhr

Man sollte die Agenturen rechtlich verbieten ratings ab zu geben bis auf weiteres. Sie haben schon so viele Probleme gemacht seit 2005 - sie haben alle Glaubwuerdigkeit verloren.

Account gelöscht!

17.01.2012, 07:38 Uhr

Man sollte die Agenturen bis auf weiteres verbietn noch Ratings ab zu geben. Vor Gericht. Sie haben seit 2006 so viele Probleme gemacht fuer uns alle ...

Uhrk

17.01.2012, 08:00 Uhr

Genau! Schafft die Fieberthermometer ab, und es gibt kein Fieber mehr!
Nur noch Fiebertote!

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