Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.02.2016

17:56 Uhr

Börse Frankfurt

Banken ziehen Dax aus dem Sumpf

Feierlaune im Finanzsektor: Commerzbank und Deutsche Bank legen zweistellig zu und sorgen für eine überraschende Erholung beim Leitindex. Der Dax schließt mit einem Plus von zwei Prozent.

Börse am Abend

Commerzbank überrascht Börsianer

Börse am Abend: Commerzbank überrascht Börsianer

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Frankfurt am MainDer Dax hat am Freitag ein überraschendes Lebenszeichen von sich gegeben. Der Leitindex erholte sich nach dem Drei-Prozent-Absturz vom Donnerstag und ging rund zwei Prozent fester bei 8929 Punkten aus dem Handel. Damit fasste das wichtigste deutsche Marktbarometer wieder die 9000-Punkte-Marke ins Auge, die es in dieser Woche erstmals seit dem Herbst 2014 unterschritten hatte. Immerhin gelang ein versöhnlicher Wochenausklang.

Für die Gegenbewegung der europäischen Börsen heute gab es gleich mehrere Gründe: Neben einem stark gestiegenen Ölpreis waren es am Nachmittag starke Zahlen aus dem wichtigen US-Einzelhandel. Der Preis für die Texas-Sorte WTI schoss gegen Abend rund zwölf Prozent in die Höhe knapp unter 30 US-Dollar je Barrel. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 9,3 Prozent auf fast 33 Dollar je Barrel.

Speziell in Deutschland sorgte der zuletzt gebeutelte Bankensektor für eine überraschende Beruhigung. So hat die Commerzbank nach dem jüngsten Ausverkauf bei den großen Geldhäusern nahezu die gesamte Branche am Freitag wieder aufgerichtet. Ein starkes Quartal bescherte Deutschlands Nummer zwei den ersten Milliardengewinn seit fünf Jahren. Vor allem die Ankündigung einer mittelfristigen Dividendenausschüttung – der ersten seit 2007 – lockte die Anleger in Scharen aufs Parkett. Die Commerzbank-Papiere gingen rund 18 Prozent höher bei 7,50 Euro pro Stück aus dem Handel – die mit Abstand größten Tagesgewinner.

Davon profitierte auch die stark unter Druck stehende Deutsche Bank, die im späteren Handel zusätzlich von sich selbst reden machen konnte. Die Frankfurter planen einen milliardenschweren Rückkauf ausgegebener Anleihen, was den Papieren einen Aufschlag von 11,8 Prozent bescherte.

Die kurzfristig grüne Farbe der Anzeigentafeln kann aber nicht über die aktuelle Lage der Märkte hinwegtäuschen: Die Handelsplätze agieren derzeit eindeutig im Verkaufsmodus – zu mannigfaltig sind die Unwägbarkeiten, die sich seit Jahresanfang aufgetan haben. Schwache chinesische Wirtschaftsdaten hatten Konjunkturzweifel losgetreten, die spätestens im Januar ein „bullenjagendes“ Ausmaß annahmen. Zudem verunsicherte eine schlecht kommunizierte Geldpolitik Pekings die Märkte nachhaltig.

Aus den Sorgen um Chinas Wirtschaft erwuchs sodann die Frage nach dem weltweiten Wachstum, die sich im massiv abgeschmierten Ölpreis manifestierte. Der ist tatsächlich vor allem durch die pessimistische Sicht der Anleger geprägt, fast nachrangig wirkt der Überschuss auf der Angebotsseite des wichtigsten Rohstoffes.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Und zu alledem gesellt sich auch noch ein Knick in der an Fahrt aufgenommenen US-Ökonomie – inmitten der schwierigen Zinswende. Da an den Börsen vor allem die Zukunft gehandelt wird, sehen die Kurse auf dem auch schlimmer aus, als es die Fundamentaldaten der Unternehmen bisher hergeben. Doch mit den schwachen Quartalszahlen bei den Banken wurde die Finanzbranche zum neuesten Sorgenkind der Börsianer. Der ein oder andere fühlt sich mit der möglichen Wirkung auf die Realwirtschaft an die Finanzkrise erinnert. Man sieht: Gleich mehrere Quellen speisen die See.

Einen denkwürdige Einschätzung lieferte Ben Kumar von Seven Investment Management in London: „Die Märkte suchen verzweifelt nach einer Story - in kurzer Zeit lag der Fokus mal auf China, mal auf Öl, den Finanzwerten oder den Zentralbanken“, sagte der Experte. „Es ist verrückt, dass wir Bewertungen haben, als gäbe es eine Rezession oder einen völligen Zusammenbruch des Finanzsystems. Und trotzdem ist der Ausverkauf wohl noch nicht zu Ende. Keiner will im Moment der erste Bulle sein.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×