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16.03.2016

17:46 Uhr

Börse Frankfurt

Börsianer warten ab

Am Mittwochabend steht der Zinsentscheid der Notenbank Fed an – und deutsche Anleger halten die Füße still. Der Dax kratzt an der 10.000-Punkte-Marke, fällt dann aber zurück. Vor allem Autowerte stützen den Index.

Börse am Mittag

Dax ringt mit 10.00 Punkte Marke - und deutsche Autobauer triumphieren

Börse am Mittag: Dax ringt mit 10.00 Punkte Marke - und deutsche Autobauer trimphieren

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Düsseldorf, FrankfurtVor der abendlichen US-Leitzinsentscheidung haben sich die Aktienbesitzer am Mittwoch nicht aus der Deckung gewagt. Der Dax stand zum Handelsschluss aber dennoch 0,5 Prozent im Plus bei 9983,73 Punkten. Zwischenzeitlich notierte der deutsche Leitindex oberhalb der Marke von 10 000 Punkten.

Der MDax der mittelgroßen Werte gewann zum Schluss 0,92 Prozent auf 20 103,79 Punkte, und der Technologiewerte-Index TecDax stieg um 0,1 Prozent auf 1632,73 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 ging es dagegen um 0,19 Prozent auf 3061,96 Punkte nach unten.

Unter Börsianern gilt als sicher, dass die US-Notenbanker den US-Leitzins nicht antasten. "Angesichts der Beruhigung der Aktienmärkte, den steigenden Ölpreisen und einer leicht anziehenden Inflation könnten sie eine Anhebung im Juni signalisieren", sagte Anlagestratege Niels Christensen von der Nordea Bank.

Dreht die Fed an der Zinsschraube?

Warum denkt die Fed über höhere Leitzinsen nach?

In Europa hat die Europäische Zentralbank die Zinsen gerade gesenkt, die US-Notenbank denkt über eine weitere Anhebung nach - wie passt das zusammen? Die Federal Reserve (Fed) hat zwar auch die Weltwirtschaft im Auge, muss sich bei ihren Entscheidungen aber zunächst einmal am wirtschaftlichen Geschehen in den USA orientieren. Die Lage am Arbeitsmarkt und die Inflation sind bestimmende Indikatoren, beiden hängen zusammen. Die USA haben sich schneller als andere aus der Finanzkrise gearbeitet, die Arbeitslosenquote liegt bei fast idealen 4,9 Prozent - auch wenn dort viele Teilzeit- und Niedriglohnjobs versteckt sind. Die niedrige Inflation war lange Zeit das Haupthindernis für eine Zinsanhebung. Jetzt gibt es vorsichtige Zeichen für ein Anziehen, wie Fed-Vize Fischer kürzlich kundtat.

Quelle: dpa

Warum glauben dann die meisten Volkswirte, dass die Fed derzeit noch nicht an der Zinsschraube dreht?

Die Fed muss vorsichtig sein. In der globalisierten Wirtschaft hängt alles mit allem zusammen, eine reine Binnensicht ist auch in den USA nicht möglich. Eine Zinsanhebung verteuert potenziell etwa die Exporte, Kunden amerikanischer Produkte in konjunkturell schwachen Ländern könnten auf Käufe verzichten. Im schwächelnden China könnten die USA wichtige Marktanteile verlieren, wenn sie jetzt zu schnell handeln.

Quelle: dpa

Wer drückt beim Thema Zinsanhebung aufs Tempo, wer auf die Bremse?

Die Banken hätten gerne höhere Leitzinsen, weil sie dann mittelfristig mehr Geld für Kredite und andere Leistungen verlangen könnten. Sie orientieren sich mit ihren Geschäftszinsen an den Vorgaben der Fed. Notenbanker wie Fed-Gouverneurin Lael Brainard sind vorsichtiger. Brainard sprach zuletzt von „weltweiten Strudeln“, die die USA erfassen könnten. „Es gibt weltweit wenig Zeichen für eine robuste Nachfrage“, sagte sie. Auch der Internationale Währungsfonds IWF, der sich vor allem um notleidende Volkswirtschaften kümmert, hält nach wie vor Vorsicht für geboten.

Quelle: dpa

Gibt es ein Zeitproblem?

Ja. Die Fed muss das richtige Timing erwischen. Wartet sie zu lange mit einer Zinsanhebung, könnte die Inflation plötzlich galoppieren. Dies müsste maßgeblich der kleine Mann tragen, außerdem würden die Risiken für unerwünschte Entwicklungen wie erneute Immobilienblasen steigen. Agiert die Fed zu hastig, würgt sie die Wirtschaft ab.

Quelle: dpa

Welche Auswirkungen hätte eine Zinsanhebung auf Deutschland und Europa?

Unmittelbar wäre diese zunächst einmal gering. Die Europäische Zentralbank hat ihre Geldpolitik gerade noch einmal gelockert. Nach Einschätzung von Volkswirten wird eine Zinswende in Europa mit einer Verspätung gegenüber den USA von mindestens zweieinhalb bis drei Jahren eintreten. Eine Zinsanhebung könnte jedoch den Dollar gegenüber dem Euro weiter stärken - was gut für deutsche und europäische Exporteure wäre. Die Waren würden für Käufer, die in Dollar bezahlen, billiger. Urlaub in den USA würde hingegen noch teurer.

Quelle: dpa

Sein Kollege Alexander Aldinger von der BayernLB nannte sogar April als möglichen Termin. "Dies wäre positiv, weil es signalisiert, dass die Fed bezüglich der Finanzmärkte entspannter ist und die Stärke der Konjunktur positiver beurteilt." Der Fed-Zinsentscheid wird um 19 Uhr MEZ veröffentlicht, Notenbank-Chefin Janet Yellen stellt sich eine halbe Stunde später der Presse.

Frische Argumente für eine nahende Zinserhöhung lieferten die US-Inflationszahlen. Die Kernrate, die ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel berechnet wird, stieg im Februar mit 0,3 Prozent etwas stärker als erwartet. Den Kursen an den Terminmärkten zufolge sehen Investoren die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im April bei 26 Prozent und im Juni bei 52 Prozent. Vor diesem Hintergrund verbilligte sich der Euro am Mittwoch um mehr als einen Viertel US-Cent auf 1,1077 Dollar.

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