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17.05.2017

18:28 Uhr

Börse Frankfurt

Chaos im Weißen Haus belastet den Dax

Zweifel am Erfolg Donald Trumps machen Anleger vorsichtig. Sie sichern am Mittwoch ihre Gewinne. Besonders unter Druck stehen Immobilienwerte, aber auch die Deutsche Bank lässt Federn. Top-Wert ist Thyssen-Krupp.

Börse am Abend

Chaos aus den USA erreicht die Börse

Börse am Abend: Chaos aus den USA erreicht die Börse

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FrankfurtNeue Enthüllungen über den Politikstil Trumps bereiteten Börsianern Kopfschmerzen. Insidern zufolge soll der US-Präsident den inzwischen entlassenen FBI-Chef James Comey gedrängt haben, die Untersuchung der Verbindungen des ehemaligen Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn zu Russland einzustellen. Anleger hätten große Hoffnungen auf Trumps Pläne zur Ankurbelung der Konjunktur gesetzt, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. „Der jüngste Skandal verzögert seine Pläne im günstigsten Fall und im schlimmsten Fall werden sie nicht umgesetzt.“

Hans Peterson, leitender Anlageexperte bei der Vermögensverwaltung der SEB Bank, betonte, dass seine Klienten bereits über eine mögliche Amtsenthebung Trumps diskutierten. Britische Buchmacher taxieren die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Abgangs des US-Präsidenten auf 55 Prozent.

Die zunehmend verwirrende Politik unter US-Präsident Donald Trump und eine schwache Wall Street haben dem Dax am Mittwoch zugesetzt. Mit einem Minus von 1,35 Prozent ging er bei 12.632 Punkten aus dem Handel. Im laufenden Jahr ist dies sein bislang größter Tagesverlust. Noch am Vortag hatte der Dax bei 12.842 Punkten eine weitere Bestmarke gesetzt.
Der MDax der mittelgroßen Werte rutschte zur Wochenmitte um 1,6 Prozent auf 24.686 Zähler ab. Für den TecDax ging es um 1,5 Prozent auf 2.198 Punkte abwärts.

Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

5. Juni 2014

Erstmals in seiner Historie ist der Dax fünfstellig. Um 14:33 Uhr knackt der deutsche Leitindex die magische Marke und steigt bis auf 10.014 Punkte.

22. Januar 2015

EZB-Präsident Mario Draghi beschließt ein Anleihekaufprogramm im Stile der Federal Reserve. Die Zentralbank wird bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Millionen Euro aufkaufen. Insgesamt sollen so 1,14 Billionen in die Märkte gespült werden. Der Dax springt nach nervösen Pendelbewegungen auf ein Rekordhoch von 10.454 Punkten. In den folgenden Tagen hält die Hausse an, am 13. Februar springt der Dax das erste Mal über in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen.

16.März 2015

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung der 11.000-Punkte steht ein weiterer Meilenstein der Dax-Geschichte auf der Börsen-Agenda. Der Leitindex klettert zum ersten Mal über 12.000 Punkte. Weder der Konflikt in der Ostukraine noch der sich immer weiter zuspitzende Schuldenstreit scheinen die Börsenteilnehmer groß zu stören. Sie kaufen Aktien und befeuern die Hausse.

14. Juni 2017

In Erwartung einer positiven Zinsentscheidung der US-Notenbank knackt der Dax das erste Mal im Laufe seiner Geschichte die 12.900 Punkte und erreicht schließlich sein Allzeithoch von 12.921 Punkten. Schon in den Monaten zuvor hatte der Dax im Anschluss an den Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich seinen Höchststand mehrfach verbessert.

Trump werde immer stärker zu einer Belastung für die Aktienmärkte, sagte Analyst Gregor Kuhn vom Handelshaus IG Markets, während Börsenexperte Jochen Stanzl von CMC Markets das Politik-Chaos in Washington als Stimmungskiller bezeichnete. Das dominierende Angst-Thema nicht nur am deutschen Aktienmarkt sei eine mögliche starke Korrektur an der Wall Street, erklärte Stanzl.

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel am Mittwoch um 0,3 Prozent auf 97,852 Punkte und lag damit wieder auf dem Niveau vor Trumps Wahl im November. „Der letzte Rest des 'Trump-Dollars' ist dahin“, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann.

Die Hoffnung auf einen US-Wirtschaftsboom und rasche Zinserhöhungen der Notenbank Fed hatte den Dollar-Index im Januar auf ein 14-Jahres-Hoch von 103,82 Zählern gehievt. Die aktuelle Talfahrt des US-Währung ist nach Ansicht von Leuchtmann noch nicht zu Ende. „Wir können weder annehmen, dass die in täglicher Frequenz auftauchenden Skandalmeldungen abreißen, noch, dass der Twitter-Sturm des US-Präsidenten abebbt.“

Vor diesem Hintergrund nahmen einige Anleger Kurs auf als sicher geltende Häfen. Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuerte sich um gut ein Prozent auf 1249,54 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Schweizer Währung war ebenfalls gefragt: Ein Dollar war mit 0,9821 Franken zeitweise so billig wie zuletzt vor knapp zwei Monaten.

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Aus Branchensicht standen Immobilienwerte besonders unter Druck. Dies lag in erster Linie aber daran, dass mehrere Branchenunternehmen ihre Dividendenzahlung für 2016 veranlasst hatten und die jeweiligen Aktien am Mittwoch mit einem entsprechenden Abschlag gehandelt wurden. So waren Vonovia mit einem Kursabschlag von rund vier Prozent klares Schlusslicht im Dax. Alstria Office verloren 4,65 Prozent und standen ganz unten im MDax. Die Papiere von TAG Immobilien büßten 4,39 Prozent ein.

Aber auch für die Deutsche Bank war es kein guter Tag: Am Vorabend der Hauptversammlung ging die Aktie mit einem Minus von knapp 3,5 Prozent als größter Verlierer im Dax aus dem Handel.

Bei den deutschen Aktienwerten war Thyssen-Krupp mit einem Kursplus von drei Prozent nicht nur der Gewinner im Dax, sondern auch der einzige Wert im deutschen Leitindex, der im Plus aus dem Handel ging. Mit der Lösung für die Frage milliardenschweren Pensionslasten von Tata Steel in Großbritannien rückt eine Fusion mit der Thyssen-Stahlsparte näher. Der Deal könnte dem Analysten Alessandro Abate von der Berenberg Bank zufolge noch im ersten Halbjahr 2017 verkündet werden. Der Zusammenschluss werde den operativen Gewinn des deutschen Konzerns um bis zu 500 Millionen Euro verbessern. Tata Steel legten an der indischen Börse um rund acht Prozent zu.

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