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29.06.2015

08:10 Uhr

Börse Frankfurt

Das griechische Drama erreicht den Dax

VonFrank G. Heide, Georgios Kokologiannis

Das Drama um Griechenland wird viele Kurse an den deutschen Börsen heute heftig drücken. Vorbörslich notiert der Dax über fünf Prozent im Minus bei unter 11.000 Punkten.

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Düsseldorf/FrankfurtDie Vorzeichen sind klar: Im außerbörslichen Geschäft bei Lang & Schwarz sackte der deutsche Leitindex Dax am Montagmorgen zunächst um etwa vier Prozent ab und fiel im Laufe des Morgens zeitweise mehr als 600 Zähler unter seinem Schlusskurs vom Freitag. Das entspricht einem Minus von über fünf Prozent. Auch auf der Handelsplattform IG Markets deuteten Indikatoren den Dax zum Wochenstart mehrere hundert Punkte unter seinem Schlussstand von Freitag.

Die Reaktion der Märkte auf die überraschende Ankündigung einer Volksbefragung durch die griechische Regierung nach Handelsschluss am vergangenen Freitag dürfte nach einer Befragung des Analysehauses Sentix vom Sonntag ebenfalls zu spürbaren Verlusten bei Euroland-Aktien und dem Euro-Dollar-Wechselkurs führen. Der Euro verlor im asiatischen Handel über ein Prozent.

Außerbörslich litten die Titel der Deutschen Telekom am stärksten. Die Telekom ist mit 40 Prozent an dem größten griechischen Telekom-Anbieter OTE beteiligt.

Auch an den anderen europäischen Börsenplätzen werden zur Eröffnung große Kursverluste befürchtet. Dagegen dürften die als besonders sicher geltenden Bundesanleihen nach Ansicht der von Sentix befragten institutionellen Anleger stark gesucht sein – genauso wie das Krisenmetall Gold. Und dies obwohl die Wahrscheinlichkeit für einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone nach Überzeugung der Sentix-Umfrageteilnehmer durch die jüngsten Ereignisse gar nicht gestiegen ist – sie liege unverändert bei rund fünfzig Prozent.

Viele Marktstrategen sehen trotz der Kursverluste auch keinen Grund zur Panik an den Märkten. Ein Grund: Anders als etwa bei der Lehmann-Krise 2008 sind die Börsen auf das Geschehen gut vorbereitet. Dennoch: Marktbeobachter erwarten etwa für deutsche Staatsanleihen ein deultiches Kursplus am Montag – die Papiere gelten als „sicherer Hafen“.

Börse in Athen bleibt geschlossen

Am Wochenende waren die Verhandlungen über einen Kompromiss dann in letzter Minute gescheitert, nachdem der griechische Regierungschef Alexis Tsipras eine Volksabstimmung über mögliche Reformen für den kommenden Sonntag angekündigt hatte und damit die Gläubiger düpierte. Jetzt steht den Griechen wohl eine der größten Krisen ihrer Geschichte ins Haus. Da die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Nothilfen für Griechenlands Finanzinstitute nicht weiter erhöht, müssen die Banken vorerst geschlossen blieben. An der Athener Börse sollen griechischen Medienberichten und Finanzkreisen zufolge die Pforten geschlossen am Montag zunächst bleiben.

Langfristig ein Non-Event?

Zumindest langfristig dürfte sich aber Durchhaltevermögen an den Finanzmärkten nach Einschätzung von Fachleuten auszahlen: Auf Sicht von drei bis sechs Monaten sollten Euroland-Aktien wieder zulegen. Für die Gemeinschaftswährung „sollte sich das Griechenland-Event letztlich als Non-Event erweisen“, so die Experten von Sentix. Umkehren sollte sich bis dahin auch der Kursaufschwung bei deutschen Bundesbonds.

++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++: Banken bleiben für sieben Tage geschlossen

++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++

Banken bleiben für sieben Tage geschlossen

Die Euro-Zone steht vor einer Erschütterung, Athen steuert auf die Pleite zu. Die Banken bleiben geschlossen, Kapitalkontrollen werden eingeführt. Griechen dürfen 60 Euro pro Tag abheben, Ausländer unbegrenzt.

„Diejenigen, die den Grexit für wahrscheinlich halten, erwarten keine Wendung mehr in letzter Sekunde“, berichtet Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. Für diese Anleger sei der Pfad zum Grexit unausweichlich. Dagegen rechneten die anderen Investoren zu drei Vierteln mit einer solchen „Wendung in letzter Sekunde“.

Unsicherheit in Asien, aber keine Panik

Die Eskalation im Schuldenstreit Griechenlands mit seinen internationalen Geldgebern drückte zum Wochauftakt auch die Stimmung an den Märkten in Fernost. In Japan fiel der Nikkei -Index der 225 führenden Werte am Montag um rund zwei Prozent auf 20.287 Punkte. Der breiter gefasste Topix gab knapp zwei Prozent auf 1634 Zähler nach. Ein ähnliches Minus verzeichneten die Börsen in Seoul, Taipeh und Hongkong.

An den Finanzmärkten wird erwartet, dass Griechenland in den nächsten Tagen seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Die Banken des Landes bleiben diese Woche geschlossen. Titel von Firmen, die auf Verkäufe in Europa angewiesen sind, gingen auf Talfahrt.

Euro unter Druck

Der Euro ging am frühen Montagmorgen auf Talfahrt und notierte etwa zwei US-Cent unter dem Wert von Freitagabend. Die Gemeinschaftswährung notierte am Montag zunächst bei etwa 1,0955 Dollar und legte dann etwas zu auf 1,1018 Dollar. Das entspricht einem Minus von 1,3 Prozent.

Kursschwankungen in dieser Größenordnung waren in den Wochen vor dem Scheitern der Verhandlungen zwischen internationalen Gläubigern und Griechenland am Samstag durchaus üblich gewesen.

Die Kurskorrektur hielten Experten für durchaus zu erwarten, denn in der vergangenen Woche war die Meinung an den Märkten eher gewesen, dass eine Einigung in den Schuldenverhandlungen erwartet wurde. „Es war eine der seltenen Gelegenheiten, zu denen der Markt die optimistiche Position eingenommen hatte“, so Bart Wakabayashi, Währungschef bei State Street Global Markets in Tokio.

Kommentare (18)

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Herr walter rehm

29.06.2015, 07:48 Uhr

Ob 400 Punkte runter oder rauf....das ist den Hochfrequenzrechnern der Mächtigen egal....ob rot oder schwarz....das Spiel kann man von beiden Seiten spielen im Casino der reichen....heute wird wieder in Nanosekunden Millionen gemacht...alles mit System und Technik

Herr Jürgen Dannenberg

29.06.2015, 07:58 Uhr

Da wird sich gar niix abspielen. Es sei denn, wie der Spiegel behauptet das 1,6 % Prozent Verlustpunkte gegenüber den Dollar ein Desaster sind.
Noch einmal zurück zu den ultra radikal linken/rechten Politikern - mein Gott was sind das für Spinner. Da sind unsere ja noch richtig Gold gegen. Die glauben tatsächlich das was sie sagen, und eine Wagenknecht - Kipling bekommt ganz feuchte Augen. Die DDR wird im Nachhinein siegen. Jawohl.

Herr Michael Müller

29.06.2015, 08:07 Uhr

Kaufkurse!!!

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