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08.03.2016

18:14 Uhr

Börse Frankfurt

Daten aus China schicken Dax auf Talfahrt

Die Börsianer schauen gespannt nach Frankfurt zur EZB. Wird die Notenbank Ende der Woche handeln? Am Dienstag zogen schwache Exportzahlen aus China den deutschen Leitindex deutlich ins Minus.

Börse am Mittag

Kurse fallen mit Ansage

Börse am Mittag: Kurse fallen mit Ansage

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Frankfurt/DüsseldorfDer Dax konnte sich am Dienstag nicht berappeln, er schloss 0,9 Prozent tiefer bei 9.693 Punkten. Mittags erholte er sich unerwartet und erreichte kurzzeitig seinen bisherigen Tageshöchststand von 9785 Punkten. Händler konnten dafür zunächst keine fundamentalen Gründe ausmachen und verwiesen auf charttechnische Faktoren. Zuletzt hatte sich der Dax in drei starken Wochen in der Spitze um über 10 Prozent erholt.

Auch wegen der am Donnerstag anstehenden Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) halten sich die Anleger weiter zurück – starke Signale aus Deutschlands verarbeitendem Gewerbe änderten daran nichts.

Die Erwartungen an die EZB

Was die EZB bisher getan hat

Die Zinsen im Euroraum wurden unter EZB-Chef Mario Draghi quasi abgeschafft, der Leitzins liegt seit September 2014 mit 0,05 Prozent nur noch knapp im positiven Bereich. Zusätzlich kauft die Notenbank seit dem 9. März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. 60 Milliarden Euro nimmt die EZB dafür in die Hand - Monat für Monat. Im Dezember verlängerte der EZB-Rat dieses Programm („Quantitative Easing“/QE) um ein halbes Jahr bis mindestens März 2017. Das viele billige Geld soll über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Verbrauchern und Unternehmen ankommen und die Wirtschaft ankurbeln.

Warum die EZB nachlegen will

Oberstes Ziel der EZB sind stabile Preise - und die definieren Europas Währungshüter bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent. Doch davon ist die Inflation trotz der Geldflut der Notenbank weiterhin meilenweit entfernt. In Deutschland drückte der erneute Absturz der Ölpreise die jährliche Teuerungsrate im Februar nach vorläufigen Zahlen auf Null. Im Euroraum fielen die Verbraucherpreise erstmals seit einem halben Jahr sogar wieder: Die Inflationsrate ging auf minus 0,2 Prozent zurück. Das dürfte die EZB nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Christoph Weil bestärken, ihre eigenen Inflationsprognosen zu senken: „Dies macht den Weg frei für weitere expansive Maßnahmen.“

Was die EZB noch tun kann

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter den Strafzins nochmals verschärfen, den Banken bezahlen müssen, wenn sie kurzfristig Geld bei der Notenbank parken. Seit Dezember liegt er bei 0,3 Prozent. Möglich wäre auch eine Staffelung dieses Zinses je nach Höhe der Einlagen. Müssen Banken mehr für das Bunkern von Liquidität zahlen - so die Theorie - bringt sie das eher dazu, das Geld als Kredit an Verbraucher und Unternehmen weiterzureichen. Theoretisch könnte die EZB auch das Volumen ihrer monatlichen Wertpapierkäufe aufstocken oder Grenzen aufweichen, die im Rahmen ihres QE-Programms eingezogen wurden - wie die, dass die Zentralbank nicht mehr als 33 Prozent der Anleihen eines Staates kaufen darf. Solche Schritte sind im EZB-Rat aber wesentlich umstrittener als das Thema Strafzinsen.

Was die Maßnahmen bringen - und was nicht

Ökonomen raten zu mehr Besonnenheit: Hauptgrund für die niedrige Inflation sei der Absturz der Ölpreise - und der sei zugleich ein Konjunkturprogramm. „Der niedrige Ölpreis lässt der Inflation keinen Raum zum Atmen. Doch die Lage ist nicht so gravierend, wie die Gesamtrate glauben macht“, kommentierte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner die jüngsten Inflationszahlen. Und da die Finanzmärkte eine Erholung der Rohölpreise erwarteten, sei für 2017 im Durchschnitt eine Inflationsrate von rund zwei Prozent wieder realistisch. „Deshalb sollte die EZB über die aktuelle Flaute hinwegsehen“, riet Zeuner. „Vor allem eine weitere Absenkung des bereits negativen Einlagensatzes erscheint mir per Saldo wenig wirksam.“

Bei den Nebenwerte-Indizes zeigt sich ein ähnliches Muster: Der MDax der mittelgroßen Werte verlor 1,4 Prozent auf 19.406 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax gab um 2,2 Prozent auf 1603 Punkte nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,8 Prozent.

Die jüngsten chinesischen Handelsdaten schürten Sorgen um die globale Wirtschaftsentwicklung, schrieb Mike van Dulken, Analyst bei Accendo Markets. Im Februar brachen die Exporte der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft um rund ein Viertel ein und damit so stark wie zuletzt vor fast 7 Jahren. Experten hatten nach dem schwachen Januar zwar mit einem erneuten Minus gerechnet, aber nicht mit einem so deutlichen Rückgang. Zudem gingen die Importe im vergangenen Monat um weitere 14 Prozent zurück.

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