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08.09.2014

17:37 Uhr

Börse Frankfurt

Dax-Anleger brauchen mehr Feuerholz

Die EZB lieferte vergangene Woche ordentlich Zündstoff – trotzdem kommt die Börse nicht in Fahrt. „Draghis Drogen“ wirkten heute nicht. Das lag auch an einem turbulenten britischen Markt.

Tag an den Börsen

Schottland-Abstimmung belastet Pfund - Börse richtungslos

Tag an den Börsen: Schottland-Abstimmung belastet Pfund - Börse richtungslos

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FrankfurtNeue Woche, alte Impulse: Recht überraschend hatte die EZB vergangene Woche bekannt gegeben, den Leitzins weiter zu senken. Mittlerweile steht er mit 0,05 Prozent so niedrig wie nie. Das Signal ist eindeutig: Die Geldschleusen bleiben weiter offen – dem Dax gab diese Nachricht Rückenwind.

Allerdings hielt die Euphorie nicht lange: Am Montag dümpelte der Dax zwischen Minus und Plus und ging schließlich 0,1 Prozent höher bei 9.758 Punkten aus dem Handel.

Damit sah es ganz danach aus, als ob sich Anleger an das billige Geld der europäischen Notenbank gewöhnt hätten. Außerdem wissen Anleger schon länger: Draghi wird alles unternehmen, um die Deflation zu bekämpfen. Die EZB kündigte am Donnerstag auch an Pfandbriefe (covered bonds) im großen Stil aufzukaufen.

„Anlegern bleibt einfach keine andere Wahl, als in Aktien zu investieren“, sagte ein Börsianer. „Denn bei diesen rekordniedrigen Leitzinsen werfen Anleihen fast nichts mehr ab.“ Am Freitag gab es bei einigen Staatsanleihen im Euro-Raum sogar Negativzinsen. Trotzdem kam der Dax nicht in Schwung. Zu viel Verunsicherung kam aus Großbritannien.

Spaltet sich Schottland von Großbritannien ab?

Hauptgesprächsthema an den Märkten war nämlich eine Umfrage, wonach bei der Volksabstimmung in Schottland in weniger als zwei Wochen eine Mehrheit für die Unabhängigkeit von Großbritannien stimmen könnte. „Bisher war in Stein gemeißelt, dass Schottland zu Großbritannien gehört“, sagte ein Händler. „An etwas anderes hat hier nicht einmal jemand gedacht.“

Investoren machten daher einen Bogen um das Pfund Sterling, das mit 1,6105 Dollar so niedrig notierte wie seit zehn Monaten nicht mehr. Auch die Londoner Börse war nicht en vogue, so dass der Leitindex FTSE („Footsie“) um rund ein Prozent fiel - deutlich stärker als die meisten übrigen großen europäischen Indizes.

Wovor sich Anleger hüten sollten

Falsche Sicherheit

Fühlen sie sich nicht zu sicher - denn dieses Gefühl kommt immer vor bösen Überraschungen.

Rendite ohne Risiko

Es gibt keine Rendite ohne Risiko. Was man dagegen oft bekommt: Risiko ohne Rendite.

Zocken mit dem Sparschwein

Ersparnisse aus 35 Jahren harter Arbeit in eine Geldanlage zu stecken, die man nur 15 Minuten analysiert hat - böser Fehler.

Ungeduld

Hin und her macht Taschen leer: Hibbelige Finger sind der schnellste Weg, sein Geld zu verbrennen.

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Übersteigertes Selbstbewusstsein

Zu viel Selbstsicherheit hat noch nie gut getan. Wer meint, alle Gewinne beruhten auf Können, alle Verluste aber seien Pech, ist auf der falschen Fährte.

Daytrading

Man hat keine Chance gegen den Zufall und Super-Computer, die innerhalb von Millisekunden mehr Entscheidungen treffen als ein Anleger in einem ganzen Leben.

Crashpropheten

Hören Sie besser nicht auf Menschen, die ständig vor dem Untergang warnen. Es soll Leute geben, die 128 der letzen zwei Crashs richtig vorhergesagt haben...

„Die Geschwindigkeit, mit der die Stimmung umgeschlagen ist, hat viele Leute schockiert“, sagte Adam Myers, Chef der europäischen Devisen-Anlagestrategie bei der Credit Agricole. Sollten die Unabhängigkeits-Befürworter das Votum am 18. September für sich entscheiden, sei das der Auftakt für eine Phase der Unsicherheit, warnten die Analysten der Barclays Bank. 

Unter Druck gerieten in London somit die Aktien von Konzernen mit viel Geschäft in Schottland. So zählten die Titel der Rüstungsschmiede Babcock und des Finanzkonzerns Standard Life mit einem Abschlag von je rund vier Prozent zu den größten Verlierern. Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds gingen ebenfalls auf Talfahrt und verloren bis zu drei Prozent.

Kommentare (8)

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Herr Edi Haas

08.09.2014, 10:01 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Thomas Albers

08.09.2014, 10:05 Uhr

"Haben sich Anleger an Draghis Drogen gewöhnt?"

Das wäre das schlimmste, was passieren kann. Das würde etwa bedeuten, dass die Anleger kein oder wenig(er) Vertrauen (mehr) in die Maßnahmen der Notenbanken hätten.

Herr Edi Haas

08.09.2014, 10:27 Uhr

Es ist einfach eine Garantie für die Finanzmärkte. Langfristig muss man ja nicht anlegen.
Das einfachste ist es meiner Meinung zu kaufen und abzuwarten, sobald man im Plus ist die Stops nachziehen. Wie geschrieben mit Aktienderivaten lassen sich noch größere Renditen einfahren, auch wenn man ab und an einmal warten muss. Aber auf Draghi ist bisher immer Verlass gewesen. Super-Donnerstag war besonders gut. Exporte ebenfalls auf Rekordniveau
und Schäuble freut sich über die Börsenumsatzsteuer auch auf Rekord. Solange es legal ist mit ein paar Calls seinen Einsatz zu vervielfachen werden sicherlich bald immer mehr diese Art des Geldverdienens nutzen. Es gibt ja die EZB die wie eine Versicherung einspringt, sollten die Aktien schwächen.....außerdem werden gute Firmen immer überleben

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