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27.10.2014

17:38 Uhr

Börse Frankfurt

Dax-Anleger im Konjunkturstress

Der Bankentest der EZB sorgte beim Dax nicht für Stress, dafür aber die Wirtschaft. Der Ifo-Index hat sich erneut und überraschend stark verschlechtert. Damit war jegliche Kauflaune der Investoren wieder verflogen.

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FrankfurtZum Wochenstart kannten die Börsianer zunächst nur ein Thema: Die Ergebnisse des Bankenstresstests der EZB. Alle deutschen Banken – außer einer – hatten überzeugend bestanden. Das sorgte zwar für Kauflaune, aber nur kurz.

Denn schon am Vormittag kam der Ifo-Geschäftsklimaindex, der überraschend stark und den sechsten Monat in Folge fiel. Damit waren die Anleger schnell zurück beim Alltagsgeschäft und den Sorgen um die schwächelnde Wirtschaft. Der Dax drehte tief ins Minus. Schließlich ging der Leitindex 0,95 Prozent tiefer bei 8.902 Punkten aus dem Handel.

„Der Konjunkturmotor in Deutschland läuft nach wie vor nicht rund“, sagte Marktanalyst Niall Delventhal von DailyFX. Eine Verkaufswelle, die den Dax bis zum Jahrestief von 8.354 Punkte drücken könnte, sei möglich. „Denn die schlechten Zukunftsaussichten der deutschen Unternehmer lassen auch nur eher maue Gewinne für das vierte und letzte Quartal erwarten.“

Wie schwierig die konjunkturelle Lage europaweit ist, zeigte auch der Zwischenbericht des Logistik-Konzerns TNT Express, der einen Verlust auswies. Der Vorstand machte die konjunkturelle Lage in Westeuropa - von Großbritannien über Frankreich bis nach Deutschland und Italien - für die Entwicklung verantwortlich. Die Aktien des Deutsche Post-Rivalen brachen um 6,8 Prozent Euro ein.

Größter Dax-Verlierer waren BASF-Aktien mit einem Abschlag von 3,2 Prozent. Wie die Logistikbranche hängt auch die Chemiebranche von der Konjunktur ab, und BASF hatte mit seinem Ausblick am Freitag die Anleger enttäuscht. Analysten äußerten sich entsprechend kritisch.

Deutsche Banken überzeugen beim Stresstest

Von den 24 deutschen Banken, die am Stresstest teilgenommen haben, ist am Ende nur eine durchgefallen – die Münchener Hypothekenbank landete im Krisenszenario bei einer harten Eigenkapitalquote von 2,9 Prozent. Die Münchener haben aber ihre Kapitalbasis bereits zum 30. September um 415 Millionen Euro gestärkt. Da dieses Geld im Stresstest noch nicht berücksichtigt wurde und man heute über eine ausreichende harte Kernkapitalquote verfügt, ist das Stresstest-Ergebnis kein Drama für die Münchener. Zusätzlicher Kapitalisierungsbedarf besteht derzeit nicht. „Kapitalausstattung und erfreulicher Geschäftsverlauf stimmen uns sehr zuversichtlich für die Zukunft“, betonte Vorstandssprecher Louis Hagen.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Gut war auch das Ergebnis der beiden größten deutschen Geldinstitute: Die Commerzbank erreichte im Szenario eine Kernkapitalquote von 8,0 Prozent. Die Deutsche Bank landet im simulierten Krisenszenario bei 8,8 Prozent – und damit genau im Durchschnitt aller deutschen Banken im Stresstest. Das beflügelte auch die Aktienkurse der Banken: Die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank legten in der Spitze um 9,5 und 3,6 Prozent zu, gaben ihre Gewinne bis zum Handelsschluss aber weitestgehend wieder ab – die Deutsche Bank-Aktie schloss sogar 1,5 Prozent schwächer.

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