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27.02.2013

18:05 Uhr

Börse Frankfurt

Dax-Anleger lassen Italien-Wahl hinter sich

Der Dax brauchte etwas Zeit, um das italienische Wahlergebnis zu verdauen. Nun aber scheint es wieder aufwärts zu gehen. Allerdings sind noch viele Fragen ungeklärt – für die Börsen ist das aber nicht mehr relevant.

Börse am Abend

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FrankfurtEs besteht ein Unterschied zwischen einem Schock und der Angst. Ängste sitzen meist tief. Sie bilden sich über Jahre hinweg heraus und können nur schwer bekämpft werden.

Wird man geschockt, so trifft einen ein unerwartetes, meist negatives Ereignis, wie aus heiterem Himmel. Man ist unvorbereitet, Urängste und Fluchtinstinkte werden wachgerufen, so, wie wenn jemand schreiend aus der Heck springt und zu erschrecken versucht.

Internationale Pressestimmen zur Wahl in Italien

„La Stampa“

„Grillo – Boom. Parlament blockiert“

„Corriere de la Sera“

„Schockvotum: Es gibt keine Mehrheit“

„La Repubblica“

„Grillo – Boom. Italien unregierbar“

„Guardian“:

„Gefahr eines Patts im Parlament lässt Eurozone schaudern“

„The Times“:

„Sorgen um die Eurozone, nachdem Wähler den Joker unterstützen“

„Financial Times“:

„Grillos Neulinge geben der Wut von Millionen eine Stimme“

„Les Echos“:

„Italien fällt zurück in die politische Paralyse“

„Libération“:

„Umbruch auf italienisch“

„Le Figaro“:

„Gesetzgebung droht in politischer Sackgasse zu landen“

„Le Parisien“:

„Italien von Grillos Welle überschwemmt“

„Kronen Zeitung“:

„Chaoswahlen: Italien vor totaler Unregierbarkeit“

„Kurier“:

„Politisches Patt droht: Italien wird unregierbar“

„Österreich“:

„Berlusconi stürzt Europa ins Chaos“

„Die Presse“:

„Krisenland Italien droht Polit-Blockade“

„El País“:

„Berlusconi und Grillos Antipolitik machen Italien unregierbar“

„ABC“:

„Europa stolpert ein weiteres Mal über Berlusconi“

„La Razón“:

„Ein unregierbares Italien löst in Europa Alarmstimmung aus“

„Rossijskaja Gaseta“:

„Ein Tsunami namens Grillo“

„Kommersant“:

„Italien zeigt sich gemäßigt“

An den Börsen war Ex-Bunga-Bunga-Präsident Silvio Berlusconi dieser Heckenschreier. Die Wahlergebnisse schockten die Börsen. In Europa wollte kaum einer glauben, was die Zahlen einem zeigten. Berlusconi und seine Partei gehören zu den Wahlgewinnern. Der Schock, den die Wahl an den Finanzmärkten auslöste, war heftig aber genau so kurzfristig, wie er gekommen war.

Bersani will neue italienische Regierung bilden

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Denn nur zwei Tage nach dem Wahldesaster zeigt sich der Dax wieder in Topform, angestrengt die Verluste der vergangenen Tage wieder aufzuholen. Heute machte er schon ein riesen Schritt in die richtige Richtung. Zwar dauerte es bis zum Nachmittag, bis der Leitindex den Weg nach oben fand, dann aber zog er umso schneller ins Plus. Am Ende schloss der Dax über ein Prozent im Plus auf 7.676 Punkte.

Die zweite deutsche Börsenliga stand dem in nichts nach. Der MDax beendete den Handel 1,1 Prozent höher auf 13.141 Punkte und der TecDax kam bei einem Kurs von 908 Zählern auf ein Plus von 0,5 Prozent.

Ökonomen zur Wahl in Italien

Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt

Wir empfehlen, Staatsanleihen der Peripherieländer wegen der hohen Unsicherheit bis auf weiteres unterzugewichten. Aber wir rechnen nicht mit einer Eskalation der Staatsschuldenkrise wie 2011.“

Folker Hellmeyer, Bremer Landesbank

Alles ist mit allem verknüpft. Die Wahl in Italien ist in der globalen Finanzwirtschaft und damit auch in der globalen Realwirtschaft zunächst als Erschütterung spürbar. Es kann jedoch deutlich mehr werden.

Ferdinand Fichtner, Konjunkturchef des DIW

„Nur weil sich die politischen Kräfte in Italien in den nächsten sechs Monaten die Köpfe einschlagen, bricht der Euro nicht auseinander. Länger wird die Regierung ohnehin nicht durchhalten.“

Royal Bank of Scotland

"Die eindeutige Botschaft dieser Wahl ist die Ablehnung des Sparkurses. Kurz gesagt ist dieses Wahlergebnis das schlecht möglichste." Selbst eine Berlusconi-Regierung wäre vorzuziehen gewesen, da derzeit niemand das Mandat habe, eventuelle europäische Hilfen zu beantragen.

Torsten Gellert, Managing Director beim Devisenbroker FXCM

„Verliert ein auf frisches Geld vom Kapitalmarkt angewiesenes Land wie Italien das Vertrauen an den Märkten, weil es sich den notwendigen Reformen verweigert, führen die steigenden Finanzierungskosten in einen Teufelskreis, dem nur schwer zu entkommen ist. Italien droht im Falle eines anhaltenden politischen Chaos, zu einem zweiten Griechenland zu werden.“

Der Euro konnte sich heute ebenfalls von seinem Kursrutsch erholen. Die europäische Gemeinschaftswährung verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1,3096 Dollar.

Nichtsdestotrotz herrscht an den Börsen keine überschwängliche Zuversicht. Viele Investoren bleiben in ihren Ausblicken vorsichtig. "Die Märkte werden unter Druck bleiben, solange die Politiker sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen, wie Italien künftig regiert werden soll", sagte ein Händler

Die gestiegenen Renditen für italienische Staatsanleihen passen in das negative Bild des Händlers. Bei der ersten Versteigerung eines zehnjährigen Staatsbonds nach der Parlamentswahl kletterte die Rendite auf 4,83 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit Oktober 2012.

"Das italienische Problem bleibt ja erst einmal", erklärte ein Börsianer. Die unklaren Mehrheitsverhältnisse im italienischen Parlament und die Warnung der US-Ratingagentur Moody's vor einer möglichen Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes dürften den Appetit der Anleger auf italienische Bonds und Aktien zügeln.

A320 beflügelt das Airbus-Geschäft

Video: A320 beflügelt das Airbus-Geschäft

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Bei den Einzelwerten überzeugten am Mittwoch die Aktien des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS. Im Vergleich zum Vortag notierten die Papiere ganze 6,5 Prozent fester. Für 2013 zeigte sich Vorstandschef Tom Enders vor allem dank der steigenden Nachfrage nach Airbus-Fliegern optimistisch. "In Zukunft wird für uns als Management-Team anhaltendes Ergebniswachstum weiterhin oberste Priorität haben", erklärte Enders am Mittwoch. "Bis wir unsere Rentabilitätsziele erreichen, liegt noch ein gutes Stück Weg vor uns." Enders will nun auch die Aktionäre am guten geschäftlichen Umfeld teilhaben lassen. Die Dividende soll um 15 Cent steigen auf 60 Cent je Aktie.

Kommentare (22)

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Tomate

27.02.2013, 07:49 Uhr

Wenn man diesen Artikel liest frägt man sich wirklich wer sind die Anteilseigner und Interessen vom Handelsblatt?

Der Dax hält sich über 7610 Punkten, wow - gestern im Xetra lag er sogar um 22 Uhr 6740 Punkten!

Ob Bernake mehr Geld druckt ist gut für den DOW Index, jedoch investiert nach der Italien Wahl nur noch ein Kamikaze Fondmanager in Europäische Indizies. Das ist ein Pulverfass!

Banane

27.02.2013, 08:22 Uhr

Es gibt genug Fondsmanager und institutionelle Anleger, die müssen in europäische Aktien direkt oder über ETFs investieren, da sie die Vorgabe haben eine bestimmte Quote zu halten.

Schauen Sie sich auch mal die Umsätze in ETFs auf den EuroStoxx an. Es fließt immer noch sehr viel Liquidität in den Markt.

Ich denke, wir sehen bald die 7800 und vielleicht sogar 7900 wieder.

Simple

27.02.2013, 08:54 Uhr

Die Mächtigen dieser Welt werden das System nicht kaputtgehen lassen - koste es den Steuerzahler was wolle. Von daher kann man doch getrost bei einigen Qualitätstiteln zugreifen & diese mit einem schönen Stopp-Loss liegen lassen. Bei Shell, Eon, BASF etc gibt's noch ne ordentliche Dividende dazu. Für mich persönlich ist das besser als für knappe 1% in eine Bank über Tages/Festgeld zu investieren. Aber jeder wie er mag.

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