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15.08.2012

18:04 Uhr

Börse Frankfurt

Dax-Anleger plagen Konjunktursorgen

Der deutsche Leitindex schließt mit einem kleinen Abschlag. Durchmischte Konjunkturdaten und Sorge um die Verzögerung der geldpolitischen Eingriffe seitens der Zentralbanken drücken auf die Stimmung der Dax-Anleger.

Börse in Frankfurt am Abend

Video: Börse in Frankfurt am Abend

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DüsseldorfZwar konnte der deutsche Aktienindex anfängliche Verluste eingrenzen, schaffte es aber nicht in die Gewinnzone. Der Dax hat mit einem Minus von -0,4 Prozent bei 6.947 Zählern geschlossen. Der MDax notierte zum Handelsschluss 0,2 Prozent leichter bei 11.026 Punkten. Der TecDax verbuchte sogar einen leichten Aufschlag von 0,1 Prozent auf 779 Stellen.

An den europäischen Aktienmärkten hat sich Ernüchterung breitgemacht. Hatten Anleger am Vortag noch erleichtert auf Konjunkturdaten aus Deutschland, Frankreich und den USA reagiert, nahmen sie ihre Gewinne nur einen Tag später direkt wieder mit. "Aktienanleger haben es derzeit wahrlich nicht leicht; die Berichtssaison ist so gut wie gelaufen, viele Politiker machen noch Urlaub, und die Zentralbanken lassen sich Zeit", sagte ein Händler. "In dieser Situation schwankt die Stimmung der Investoren zwischen Konjunkturskepsis und der Hoffnung auf neue Hilfen für schuldengeplagte Länder. Heute überwog die Skepsis."

Der Tag an den Märkten (17:35 Uhr)

Dax

+ 1,0 Prozent

Euro Stoxx 50

+ 1,25 Prozent

Dow Jones

+ 0,35 Prozent

Nikkei

- 0,58 Prozent (Schlusskurs vom 11.10)

Euro

1,2921 Dollar (+ 0,4 Prozent)

Gold

1.769 Dollar (+ 0,4 Prozent)

Öl (Brent)

116,48 Dollar (+ 1,3 Prozent)

"Hauptsorge der Anleger ist die Konjunktur", sagte ein Händler. " Die Aktienrally der vergangenen Wochen sei zu einem großen Teil mit dem vielen billigen Zentralbankgeld zu erklären, das im Umlauf ist." Sollten die internationalen Notenbanken ihre Hilfen ausweiten, würde das die Liquidität zusätzlich erhöhen und die Aktienkurse weiter treiben, so der Börsianer.

Die Börsen erholten sich zeitweise dank unerwartet guter Industriedaten aus den USA. Die Industrieproduktion ist dort im Juli um 0,6 Prozent gestiegen, während am Markt nur ein Plus von 0,5 Prozent prognostiziert worden war. Zugleich blieben die Verbraucherpreise in den USA im Juli erneut stabil. Etwas auf die Stimmung hatte zuvor der Empire-States-Index des Großraums New York gedrückt, der überraschend nachgab und so Sorgen im Hinblick auf eine Verlangsamung der Konjunkturerholung weckte. “Der überraschend schwache Empire States Index ist enttäuschend und zeigt, dass die Stimmung in der US-Industrie weiterhin angespannt ist”, sagte Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen.

Die Woche an den Märkten

Montag

Am frühen Morgen deutscher Zeit wurde in Japan das vorläufige Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal veröffentlicht. Deutsche Wohnen, Solarworld und QSC legen Zahlen vor.

Dienstag

Für Deutschland und die Euro-Zone werden die vorläufigen Zahlen zum BIP im zweiten Quartal bekanntgegeben. Daneben kommen der ZEW-Konjunkturindikator und Daten zur europäischen Industrieproduktion. Am Nachmittag folgen aus den USA die Erzeugerpreise, die Einzelhandelsumsätze und die Lagerbestände. Aareal Bank, Merck, Hochtief, K+S, RWE, Tui, Sky Deutschland, Kabel Deutschland, Norma Group, Nordex, Talanx, Xing und die HRE öffnen die Bücher.

Mittwoch

Von der Konjunkturseite gibt es heute vor allem Impulse aus den USA. Hier stehen der Industrieindex der New Yorker Notenbank ("Empire State Index"), die Verbraucherpreise, der Nettokapitalfluss sowie die Industrieproduktion auf der Agenda. Unternehmensdaten kommen von Air Berlin, DIC Asset, Manz, H&M, Carlsberg, Gagfah und Cicso.

Donnerstag

Genau hinschauen werden Börsianer auf die jüngsten Verbraucherpreise im Euro-Raum. Daneben ist aus den USA der Industrieindex der Notenbank von Philadelphia ("Philly Fed Index") interessant. SAF Holland und Zurich Insurance Group präsentieren ihre Zahlen.

Freitag

Wichtige Daten kommen mit den Erzeugerpreisen für Deutschland, der Handelsbilanz und der Leistungsbilanz für die Euro-Zone. In den USA werden das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan und die Frühindikatoren veröffentlicht. Swiss Life verrät, wie die Geschäfte liefen.

Die führenden deutschen Industriekonzerne präsentieren sich zur Jahresmitte in solider Verfassung. Anders als erwartet sind weder die Betriebsergebnisse noch die Nettogewinne unter Druck geraten. Im Schnitt legten beide Ertragsgrößen gegenüber den starken Vorjahreswerten sogar noch leicht zu. Das ergibt sich aus einer Handelsblatt-Analyse der Halbjahresabschlüsse der 25 Industrieunternehmen im Dax-30.

Auch beim Blick nach vorne demonstrieren die Firmen trotz wachsender Unsicherheiten Zuversicht. Lediglich der Lastwagen-Konzern MAN revidierte seine Ertragsprognose nach unten. Sieben Konzerne, darunter Adidas, Bayer, Eon und gestern Merck, haben ihren Ausblick sogar leicht erhöht. Die übrigen Firmen blieben bei den bisherigen Aussagen, verwiesen allerdings darauf, dass es schwieriger werden könnte, die Ziele zu erreichen.

Insgesamt weisen die Dax-Unternehmen für das erste Halbjahr eine leichte Steigerung ihrer operativen Ergebnisse um knapp ein Prozent auf 47 Milliarden Euro aus. Den stärksten Zuwachs bilanzierte der Energiekonzern Eon, dem modifizierte Gashandelsverträge mit Gazprom einen kräftigen Ertragsschub bescherten.

Schwache Konzern-Prognosen: Ein schlechtes Omen für den Dax

Schwache Konzern-Prognosen

Ein schlechtes Omen für den Dax

Der Dax wird vorerst die psychologisch wichtige 7000-Punkte-Marke wohl nicht knacken.

Die drei deutschen Pharmakonzerne Bayer, Boehringer Ingelheim und Merck sind derzeit im internationalen Geschäft ziemlich erfolgreich. Während große Wettbewerber wie Pfizer, Glaxo-Smithkline, aber auch Astra-Zeneca mit Umsatzrückgängen durch billige Nachahmerpräparate kämpfen, legen die deutschen Pharmakonzerne zwischen vier und sieben Prozent zu.

Dank der guten Arzneimittelverkäufe in Asien und Amerika hob gestern nach Bayer auch Merck seine Jahresziele an. Insbesondere das etablierte Multiple-Sklerose-Mittel Rebif verkauft sich in den USA gut. Dort konnte Merck Preiserhöhungen im zweistelligen Prozentbereich durchsetzen. Auch Boehringer Ingelheim profitiert stark vom Wachstum seiner etablierten Produkte. Bei der Gewinnentwicklung haben die deutschen Konzerne aber noch Nachholbedarf. Restrukturierungskosten und Sonderaufwendungen belasten die Gewinne.

Air Berlin erläutert die Verluste: Bei den deutschen Unternehmen nähert sich die Bilanzsaison ihrem Ende, nachdem gut drei Viertel aller Dax-Konzerne bereits ihre Zahlen vorgelegt haben. Aktuelle Daten kommen heute noch von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin. Bekannt ist, dass die Fluggesellschaft im zweiten Quartal 66 Millionen Euro Verlust gemacht. Unternehmenschef Hartmut Mehdorn ist im Zugzwang und muss erklären wie er die Verluste eindämmen will. Höhere Flugpreise allein werden wohl nicht reichen.

Kommentare (39)

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15.08.2012, 07:27 Uhr

Dax scheut vor 7.000 Punkten
15.08.2012, 06:59 UhrUS-Wirtschaftsdaten könnten den Dax heute am Nachmittag bewegen. Das Marktbarometer braucht einen kräftigen Impuls, um endlich über die Hürde von 7.000 Punkten zu springen.
... falsche Überschrift!, richtig wäre: Das Marktbarometer benötigt einen kräftigen Impuls um wieder in realistische (nicht utopische) Bereiche zu gelangen. Der Bereich um 5900 - 6000 Punkte bis Ende September (großer Verfallstermin) erscheint realistisch.

Account gelöscht!

15.08.2012, 07:39 Uhr

Ja vielleicht, Sodener. Aber was passiert, wenn wir doch die 7000 knacken und auf die 7200 laufen, vllt. 7500 und du bist nicht mehr dabei? Schon mal das Wort Performancedruck gehört?

Stell dir vor, du bist Asset-Manager und hast eine Portfolio-Liquidität von 500 Mio. € zu managen. Wohin also mit der Kohle?

Account gelöscht!

15.08.2012, 07:51 Uhr

@Ahnungsloser_Hamburger
Ist ja das altbekannte Problem weshalb fast alle Aktienfonds den Index nicht outperformen. Das Geld der Kunden wird z. Zt. in überhitzte Aktienmärkte gepumpt obwohl jeder ahnt, daß die Blase in Kürze platzen könnte und das Portfolio wieder 20% (gerechnet ab heute) im Minus ist.

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