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29.05.2013

17:58 Uhr

Börse Frankfurt

Dax-Anleger sind Fed-Abhängige

Ohne die Gelder der Zentralbanken geht beim Dax gar nichts mehr. Selbst gute US-Daten können die Stimmung nicht heben. Im Gegenteil: Sie schüren die Angst vor einer vorzeitigen Beendigung der Fed-Unterstützung.

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FrankfurtGute Konjunkturdaten helfen den Börsen – sollte man meinen. Dass dem nicht immer so ist, bewies der heutige Handelstag. Der Dax konnte von der Erholung der US-Wirtschaft kein Kapital rausschlagen. Schlimmer noch. Die starken Wirtschaftsdaten belasteten den Dax sogar. Am Ende gab der Leitindex satte 1,7 Prozent auf 8.337 Punkte nach. In der zweiten Reihe sah es nicht viel besser aus. Der MDax schloss 1,3 Prozent tiefer auf 14.112 Zähler und der TecDax musste ein Minus von 1,3 Prozent auf 966 Zähler hinnehmen.

Die US-Wirtschaft erholt sich und die Aktienmärkte geben nach – wie kann das sein? Auf den ersten Blick mag es paradox wirken. Doch in Wirklichkeit folgt das Börsengeschehen derzeit einer Logik, die durch das massive Engagement der Notenbanken auf aller Welt entstanden ist.

Diese besagt, dass ohne das Geld der Zentralbanken kaum noch etwas bei Dow Jones, Dax & Co. geht. Jede Andeutung einer Beendigung des Geldregens sorgt bei den spekulativen Anlegern für panische Gewinnmitnahmen. Diese Anleger haben die Worte Ben Bernankes vom vergangenen Mittwoch noch in bester Erinnerung. Der Fed-Chef erklärte vor dem US-Kongress den weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank. Unter anderem verwies er darauf, die lockere Geldpolitik zu straffen, sollten sich Anzeichen einer Erholung der US-Wirtschaft mehren.

"Kurzfristig betrachtet sind die Zahlen aus den USA ein zweischneidiges Schwert", sagte Arnaud Poutier, Frankreich-Chef des Brokerhauses IG Markets. Denn sie könnten die US-Notenbank Fed dazu bringen, weniger Geld in die Märkte zu pumpen.

Die Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

5. April 1991

In Frankfurt geht das „Interbank Informations System” - kurz Ibis genannt und eine Art Vorläufer des Xetra-Systems - an den Start.

19. Januar 1996

Die Börse führt den MDax ein, dem zunächst 70 mittelgroße Unternehmen angehören. Im März 2003 wird der MDax auf 50 Unternehmen verkleinert.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

10. März 1997

Start des Neuen Marktes. Nach einer Reihe von Skandalen wird das Segment am 21. März 2003 wieder abgeschafft. Am 24. März 2003 wird als inoffizieller Nachfolger der TecDax eingeführt, dem 30 Tech-Aktien angehören.

28. November 1997

Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading” - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Zunächst werden 109 Aktien auf Xetra gehandelt. Später öffnet die Börse Xetra für alle deutschen sowie für europäische und US-Aktien.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2000

Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Beim Börsendebüt am nächsten Tag erreicht die Aktie in der Spitze knapp 85 Euro. Heute notieren die Infineon-Titel bei 6,60 Euro. Danach beginnt eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

1. Juni 2007

Erstmals seit März 2000 steigt der Dax wieder über 8000 Punkte.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

21. Januar 2008

Der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate leitet die Talfahrt des Dax ein. Am 21. Januar fällt der Index um mehr als 500 Zähler oder sieben Prozent auf 6790 Punkte.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

22. Mai 2013

Der Mai wurde für den Dax der Monat der Rekorde. Nachdem der Dax ein Rekordhoch nach dem anderen knackt, liegt das neue Allzeithoch bei 8.558 Punkten.

25. Oktober 2013

Der Dax schafft zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

7. November 2013

Neuer Rekord: Der Dax steigt zwischenzeitlich auf ein Allzeithoch von 9193 Punkten, gab bis zum Handelsende aber einen Teil der Gewinne wieder ab. Zum Börsenschluss reichte es für 9081 Punkten. Die Anleger feierten die überraschende Senkung des Leitzinses durch die EZB auf 0,25 Prozent.

25. November 2013

Der Dax beginnt die neue Handelswoche mit einer Rekordjagd. Schon in den ersten Minuten springt der Index über das alte Rekordhoch von 9254 Punkten und pendelt bereits vormittags an der Marke von 9300 Punkten.

2. Dezember 2013

Trotz eines ruhigen Präsenzhandels konnte der Dax an diesem Montag eine neue Bestmarke setzen: Er stieg am Vormittag bis auf 9424,83 Punkte.

30. Dezember 2013

Der Dax beendet seine Jahresendrally knapp über der Marke von 9500 Punkten.

4. Februar 2014

Der Dax startet stark ins neue Jahr und erreicht am 17. Januar mit 9789 Punkten abermals ein Rekordhoch. Börsianer hoffen, dass der Index nun über die 10000-Punkte-Markte springt und werden enttäuscht: Gegen Monatsende geht dem Dax die Puste. Am 31. Januar schließt er bei 9349 Punkten und läutet den Februar mit fallenden Kursen ein.

Einige Experten warnen derweil schon vor einer Beendigung der Politik des billigen Geldes. Angesichts einer möglichen Drosselung oder gar eines Endes der Wertpapier-Käufe der US-Notenbank Fed nehme der eine oder andere Anleger sicher Gewinne mit, sagte Philippe Gijsels, Chef-Analyst von BNP Paribas Fortis Global Markets.

Andere Börsianer sehen in der heutigen Kurskorrektur hingegen nur eine Momentaufnahme. Das gestiegen US-Verbrauchervertrauen werde die langfristige Rally nicht beenden. Die Zentralbanken gäben dem Markt zu verstehen "nehmt das Risiko nicht raus, wir sind da, um zu unterstützen", sagte Analyst Andrew Slimmon von Morgan Stanley Smith Barney. "Im Moment sind gute Nachrichten gut für den Markt und schlechte sind es auch."

Nach Einschätzung von David Thebault, Chef-Händler von Global Equities, ist trotz der aktuellen Verluste der Aufwärtstrend der Aktienbörsen immer noch intakt. "Aus charttechnischer Sicht befinden wir uns auf einer positiven Welle - zumindest bis Ende nächster Woche", betonte er. Dann gäben die monatlichen US-Beschäftigtenzahlen die Richtung vor. Die Fed will so lange Anleihen und Immobilienpapiere kaufen, bis die US-Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist. Analysten sagen für Mai einen unveränderten Wert von 7,5 Prozent voraus. Derzeit kauft die Fed zur Ankurbelung der Konjunktur Wertpapiere im Volumen von monatlich bis zu 85 Milliarden Dollar an.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

29.05.2013, 08:12 Uhr

Gestern konnte sich Italien wieder sehr günstig refinanzieren-das HB berichtete.Ich bin der Meinung,Draghi sollte eher mal die Zinsen anheben,statt senken,aber das kommt wohl für einen Italiener nicht in Frage.Bei Weidmann an der EZB-Spitze sehe die gesamte EZB-Politik anders aus.
Pikant an der Sache,eigentlich sollte Italien gar nicht mit im Euro dabei sein- siehe dazu die ARD Reportage zur "Geschichte des Euro".Aber Kohl und Waigel mussten sich dem Druck Frankreichs beugen,da unser Nachbar eine deutsche Dominanz im Euroverbund fürchtete.Aber wenn Italien draußen geblieben wäre,gebe es heute auch keinen Draghi an der Spitze des Euro und somit beißt sich wieder mal die Katze in den Schwanz.

Deutschlehrerin

29.05.2013, 09:37 Uhr

"Stirnrümpfen" muss die grosse Schwester vom "Nase runzeln" sein ;)

Account gelöscht!

29.05.2013, 11:15 Uhr

Deutlicher Abschlag bei Henkel.Mit einem KGV von über 20 auch gut gelaufen.Aus der Erfahrung ist da bei Henkel meistens Schluß mit Lustig.Siehe ,98,00,07 und Sommer 2011.

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