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03.11.2014

17:37 Uhr

Börse Frankfurt

Dax-Anleger versilbern ihre Anteile

Vergangene Woche ging es rasant aufwärts, das billige Geld der Notenbank wirkte. Doch am Montag ist die Kauflaune schnell verflogen. Jetzt hoffen Anleger wieder einmal auf Draghi – und warten auf Unternehmenszahlen.

Dax bricht Höhenflug ab

Kurssturz bei Rheinmetall

Dax bricht Höhenflug ab : Kurssturz bei Rheinmetall

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DüsseldorfDer japanischen Notenbank sei Dank ging es zum Wochenschluss noch kräftig aufwärts. In der neuen Woche konnte der Dax allerdings nicht an die Rally anknüpfen und ging 0,8 Prozent tiefer bei 9.251 Punkten aus dem Montagshandel. Börsianern zufolge drückten chinesische und europäische Konjunkturdaten auf die Stimmung. Zudem dürften einige Investoren nach dem steilen Anstieg der vergangenen Tage und Wochen nun Gewinne realisiert haben.

Um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln, will die japanische Zentralbank ihr Wertpapierkaufprogramm weiter aufstocken. Das schob die Märkte zuletzt weltweit an: Der Dax legte allein am Freitag um mehr als zwei Prozent zu.

Die Konjunktursorgen bleiben

Doch am Montag kippte die Stimmung schnell, da die Konjunktursorgen wieder in den Vordergrund rückten. Die Stimmung in den chinesischen Industrieunternehmen hatte sich im Oktober überraschend verschlechtert. Das belaste etwas, erklärte Analyst Joshua Mahony vom Broker Alpari UK. In der Eurozone lag der Einkaufsmanagerindex für die Industrie leicht unter der Erwartung. Die Konjunktursorgen würden mit den Stimmungsindikatoren des Verarbeitenden Gewerbes nicht verdrängt, sagte Analyst Ulrich Wortberg von der Landesbank Helaba.

Gemischte Signale kamen aus der deutschen Wirtschaft. Die deutsche Industrie wächst zwar wieder – der Einkaufsmanagerindex kletterte im Oktober um 1,5 auf 51,4 Punkte, wie das Markit-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mitteilte – doch das Neugeschäft ließ den zweiten Monat in Folge nach.

Hoffen auf die Notenbanken

„Die Anleger werfen Wachstumszweifel über Bord und setzen wieder auf Aktien“, sagt Markus Reinwand, Aktienexperte der Helaba. Die jüngste Erholung stehe allerdings auf schwachem Fundament. Die zunehmende Sorglosigkeit insbesondere der US-Anleger berge daher beachtliche Kursrisiken, mahnt er. Fundamental hat sich die Situation für Aktien zuletzt nicht wirklich verbessert.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Daher setzen die Anleger auch in der neuen Woche darauf, dass die internationalen Notenbanken die Märkte weiter stützen werden. Besonders im Fokus steht daher die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) und die anschließende Pressekonferenz am Donnerstag.

Die marktbasierten Inflationserwartungen seien nochmals gesunken, betont Michael Schubert von der Commerzbank: „Sollten auch die umfragebasierten Erwartungen weiter nachgeben, würde der Druck auf die Notenbank zunehmen, weitere Maßnahmen wie Staatsanleihenkäufe zu beschließen.“ Für kommenden Donnerstag signalisierten EZB-Ratsmitglieder allerdings eine noch abwartende Haltung, meint der Experte.

Kommentare (9)

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Herr thomas oldendorp

03.11.2014, 08:40 Uhr

..
DAXSTIMMUNG
:::::::::::
es ist offensichtlich zuviel Optimismus
im markt, d.h. die kurs sind zu schnell
und ohne korrektur gestiegen.
..
Optimismus mus abgebaut werden - !!
..
erst dann kann es mit gesundem
Pessimismus weiter aufwärts gehen
..

Herr Tom Bauer

03.11.2014, 09:18 Uhr

@PeterLustig
Nennung von Einzelaktien werden IHnen nix bringen solange sie nicht selbst davon überzeugt sind. Sie werden egal bei welchem Namen immer das Haar in der Suppe sehen und nicht die Chance die ein anderer ggf. sieht.

So gehts also nicht.

Dennoch. In meinem bereits bestehenden Depot und unter MEINER Struktur waren meine letzten beiden Käufe Whole foods und Apache. Haben eben sehr gut gepasst.

Intel hielte ich derzeit für auch chancenreich.
Good luck!

Herr Dr. Peter Lustig

03.11.2014, 09:27 Uhr

@Herr Tom Bauer

Danke für die Antwort. Mir ging es nur um eine objektive Betrachtung der aktuellen Chancen (was ist günstig?).

Ich bin voll und ganz Ihrer Meinung, dass Aktien Sinn machen. Nur sage ich auch, nicht unbedingt zu diesem Kurs.

Die Wahrscheinlichkeit einer Jahresschlussrally sind nun deutlich gestiegen, weshalb eine Wette darauf, dass die runtergeprügelten Zykliker in den nächsten 3-6 Monaten kräftig anziehen, schon interessant sein könnte. Es wird auch dieses Jahr mit gewisser Wahrscheinlichkeit keinen Crash mehr geben - alleine schon saisonal bedingt.

Von daher geniessen Sie Ihre Anlagen und die Notanbankrally.

P.S.: Stört Sie bei den Franzosen nicht diese anlegerfeindliche Steuer?

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