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11.07.2017

17:44 Uhr

Börse Frankfurt

Dax-Anleger warten wieder auf die US-Notenbank

Der Dax hat nach einem morgendlichen Ausflug über die psychologisch wichtige Marke von 12 500 Punkten seine Gewinne wieder abgegeben. Die Anleger bekamen einen Vorgeschmack auf den Start der Bilanzsaison.

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Börse am Abend: Schwächeanfall der Amerikaner, starker Auftritt der Deutschen

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FrankfurtUnsicherheit über die weitere US-Geldpolitik hat am Dienstag die europäischen Aktienbörsen gelähmt. Der Dax schloss mit einem Minus von 0,1 Prozent mit 12.437 Punkten, der Euro Stoxx 50 lag zum Schluss 0,4 Prozent im Minus. „Alle warten auf Janet Yellen“, sagte ein Händler. Die Fed-Chefin wird am Mittwoch und Donnerstag den zuständigen Ausschüssen des Kongresses Bericht über die geldpolitische Lage erstatten. Börsianer erhoffen sich neben Hinweisen auf Tempo und Ausmaß weiterer Zinserhöhungen Auskunft darüber, wie die Fed die durch Anleihekäufe aufgeblähte Bilanz abbauen will.

„An den Märkten wird mit einer Normalisierung der Geldpolitik gerechnet und das hilft dem Dollar“, sagte Devisen-Experte Masafumi Yamamoto von der Investmentbank Mizuho Securities in Tokio. „Ich gehe davon aus, dass Yellen bestätigt, dass es eine Zinserhöhung geben und dass der Abbau der Bilanz bald beginnen wird.“ Der Präsident der Fed von San Francisco, John Williams, rechnet trotz einer hartnäckig niedrigen Inflation mit einer weiteren Anhebung der Zinsen noch in diesem Jahr, wie er in Sydney betonte.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Die Zinsspekulationen stützten den Dollar, der zum Yen auf 114,30 von 114,03 Yen zulegte. Auch der Euro rutschte wieder knapp unter 1,14 Dollar. Der Dollar-Index, der den Wert von anderen wichtigen Währungen zum Dollar misst, stieg zeitweise um 0,2 Prozent.

Sollte der Dax die 12 500-Punkte-Marke wieder überwinden, besteht laut Marktanalyst Milan Cutkovic von AxiTrader Hoffnung auf eine Rally bis auf 12 700 Punkte. Grundsätzlich befänden sich die Anleger wieder im „Risikomodus“. Vorsicht und Zurückhaltung würden bei Aktien aufgegeben, während Gold oder als sicher geltende Währungen wie der Yen oder der Schweizer Franken kaum gefragt seien.

Im Dax standen Thyssen-Krupp mit einem Plus von 1,2 Prozent zusammen mit den Automobilwerten BMW (plus 1,7 Prozent) und Daimler (plus 1,3 Prozent) ganz oben. Zwischenzeitlich hatte das Papier des Essener Konzerns mit 27,05 Euro ein neues Sechs-Jahres-Hoch markiert. Inmitten der laufenden Stahl-Fusionsverhandlungen mit Tata Steel treibt der Mischkonzern zur Senkung von Kosten den Abbau von bis zu 2500 Arbeitsplätzen in der Verwaltung voran. Auffällig gefragt waren am deutschen Markt auch Aktien von anderen Stahlunternehmen wie Salzgitter oder Klöckner & Co, die in ihren Indizes jeweils zu den Spitzenwerten zählten mit Gewinnen zwischen ein und 2,7 Prozent. Die Lufthansa meldete ein kräftiges Passagierwachstum im ersten Halbjahr, was die Aktie um 0,4 Prozent hochtrieb.

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Einen Vorgeschmack auf die nächste Woche Fahrt aufnehmenden internationalen Bilanzsaison kam aus den hinteren Börsenreihen: Der im MDax gelistete Profiküchen-Ausstatter Rational schraubte seine Umsatzprognose für 2017 hoch. Der im TecDax gelistete Zahlungsabwickler Wirecard erwartet mehr Gewinn. Rational stiegen um 4,5 Prozent, Wirecard um 2,9 Prozent.

Strahlende Gesichter auch bei den Aktionären von Hapag Lloyd: Nachdem eine Mega-Fusion in der Branche am Montag die Aktien schon aus dem Dornröschenschlaf geholt und um über sieben Prozent in die Höhe katapultiert hatte, legten sie am Dienstag mehr als zehn Prozent zu. Auslöser des Höhenflugs war der Abschied von Tui. Die Anleger seien erleichtert, dass die drohende Platzierung vorbei sei, sagte ein Händler. „Tui hatte den Zeitpunkt gut gewählt.“ Die Aktien des Tourismuskonzerns legten 0,3 Prozent zu.

Außerhalb der Dax-Familie büßten die Anteilsscheine des Katalysatoren-Herstellers Baumot zwischenzeitlich fast 19 Prozent ein, haben jedoch seit Ende Juni eine starke Rally von 200 Prozent hinter sich. Die Anleger schienen überzeugt, dass es eine neue Gesetzgebung für Dieselfahrzeuge geben werde, begründete ein Händler die Gewinne.

Lange Gesichter dagegen bei den Aktionären von Pearson: Der Traditionsverlag verkaufte einen 22-prozentigen Anteil am weltgrößten Buchverlag Penguin Random House an Bertelsmann. Das werde die fundamentalen Probleme des Verlags, der für Schulbücher bekannt ist, nicht lösen, sagten Händler. Das letzte Tafelsilber sei nun verkauft, sagte Roddy Davidson, Analyst bei Shore Capital.

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