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20.11.2015

17:15 Uhr

Börse Frankfurt

Dax auf Erholungskur

Auch der fünfte Tag der Woche wird wohl im Plus enden. Auf Wochensicht legt der Dax knappe vier Prozent zu. Die Anleger hoffen auf weiterhin billiges Notenbankgeld – nach der Fed-Freude legte Mario Draghi heute nach.

Börse am Abend

Börse trotzt dem Terror, aber Euro schwächelt wegen EZB-Politik

Börse am Abend: Börse trotzt dem Terror, aber Euro schwächelt wegen EZB-Politik

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FrankfurtDer Dax hat seine starke Woche fortgesetzt. Der Deutsche Aktienindex schloss am Freitag mit einem Plus von 0,3 Prozent und 11.085 Punkten zwar nur unwesentlich fester. Doch angesichts eines Wochenplus von knapp vier Prozent und einem leeren Terminkalender am Freitag war der Schwungabfall zum Wochenausklang zu verkraften. Grund für diese Erholung sind wieder mal die großen Notenbanken. Die Anleger hofften auch am Freitag auf weitere Impulse aus der Welt der Währungshüter. Nachdem die Fed-Protokolle zur Wochenmitte mit ihrer Aussicht auf mittelfristig weiterhin niedrige Zinsen frohlockt hatten, blickten die Börsianer nun auf das, was Mario Draghi zu sagen hatte.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank sprach am Morgen auf einer Bankenkonferenz. Und wenn der Italiener das Wort hat, wird es in den Handelssälen Europas schnell ganz still. Draghi hatte mit seiner Ankündigung vom Oktober, das Anleihenkaufprogramm der EZB bei Bedarf weiter aufzurüsten, für Kaufstimmung bei den Anlegern gesorgt. Zwar hielt sich der oberste Hüter des Euros heute mit konkreten Aussagen – der Tragweite seiner Worte wohl bewusst – routiniert zurück. Doch der oberste Hüter des Euro betonte einmal mehr die Bereitschaft, das geldpolitische Instrumentarium der EZB bei Bedarf intensiver in Anspruch zu nehmen, um das Euro-Inflationsziel von knapp zwei Prozent zu erreichen.

Wie es nach dem Fed-Entscheid weitergeht

Zinswende bleibt vorerst aus

Noch scheuen sich die Geldpolitiker um Fed-Chefin Janet Yellen, erstmals seit Jahren wieder am Geldhahn zu drehen. Allerdings könnte die US-Notenbank noch in diesem Jahr handeln – und damit auch die Konjunktur im Euroraum anschieben. Seit Ende 2008 liegen die Zinsen in den USA, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, auf dem Tief zwischen null und 0,25 Prozent.

Warum hat die Fed die Zinsen diesmal nicht angehoben?

Ein Hauptgrund sind die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Im August hatte ein Kurssturz in China Europas Börsen in einen Abwärtsstrudel gezogen und an der Wall Street für massive Verluste gesorgt. „Wir achten insbesondere auf China und aufstrebende Märkte“, sagt Yellen. Die Fed spricht von „globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen“, die den Aufschwung gefährden könnten.

Spielt das die Hauptrolle für die Entscheidung der Notenbanker?

Nein. Am wichtigsten sind hohe Beschäftigung und ein stabiles Preisniveau. Die Inflation liegt aber noch deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent, und vom Arbeitsmarkt kommen trotz hoffnungsvoller Zeichen zwiespältige Signale. Aus Sicht von Ökonomen wie Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau ist eine Zinserhöhung angesichts der US-Konjunktur aber schon lange überfällig: „Die US-Wirtschaft dürfte weiter kräftig wachsen, es herrscht praktisch Vollbeschäftigung und die Inflation, obwohl auf niedrigem Niveau, sollte sich in Richtung Zielwert der Fed von zwei Prozent bewegen.“ Die aktuelle US-Konjunkturlage verlange eine Bewegung hin zu Leitzinsen zwischen 2 und 3 Prozent.

Also geht die Spekulation um die Zinswende weiter?

Die Mehrzahl der Notenbanker ist nach wie vor der Meinung, dass die Fed das Ende ihre Nullzinspolitik noch dieses Jahr einläuten sollte. Der Offenmarktausschuss tagt bis Jahresende nur noch zweimal: Ende Oktober und am 16. Dezember. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet spätestens im Dezember die Zinswende: „Reagieren Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit.“

Ist die Fed zu zaghaft?

Nach Einschätzung vieler Beobachter schon. „Einen Zeitpunkt, zu dem eine Zinserhöhung in einer völlig stabilen weltwirtschaftlichen Situation erfolgt und keine Risiken birgt, wird es kaum geben“, warnt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Das Problem ist, dass der Druck mit jedem Aufschub zunimmt. Schließlich soll beim ersten Zinsschritt nicht der Eindruck entstehen, dass die Ära des ultrabilligen Geldes schlagartig vorüber ist. „Die Haltung der Geldpolitik wird vermutlich noch für einige Zeit nach der anfänglichen Erhöhung der Leitzinsrate hochexpansiv bleiben“, versichert Yellen deshalb.

Warum sind die Zinsen überhaupt auf dem Rekordtief?

Mit den Mini-Zinsen hatte die Fed auf die Finanzkrise von 2008 und die folgende Rezession reagiert. Bei niedrigen Zinsen investieren Unternehmen tendenziell mehr, Verbraucher geben mehr Geld aus. Das schiebt die Konjunktur an.

Welche Folgen hätte eine Zinserhöhung?

Höhere Zinsen verhindern Blasen etwa an Immobilien- und Aktienmärkten sowie eine zu hohe Inflation. Banken verleihen mehr Geld, statt es zu parken. Für viele Sparer sind Zinserträge auch eine wichtige Einnahmequelle. Allerdings würde der Dollar an Wert gewinnen, wenn gleichzeitig andere Notenbanken auf Null-Zins-Kurs bleiben. Das hätte zwei Konsequenzen, betont Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang: „Zum einen brächen die US-Exporte weg, zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen.“

Wird die EZB die Zügel im Euroraum bald anziehen?

Nein. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Geldschleusen noch lange weit geöffnet und den Zins nahe der Nulllinie lassen. EZB-Präsident Mario Draghi hat sogar weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Liane Buchholz vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) rechnet frühestens 2017 mit einem ersten Zinsschritt: „Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns noch länger begleiten.“ Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was würde eine frühere Zinserhöhung in den USA für Europa bedeuten?

Steigen die Zinsen in den USA, aber nicht in Europa, gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. In Dollar gehandelte Importe wie Rohstoffe werden so im Euroraum teurer. Das stärkt den mickrigen Preisauftrieb. Gleichzeitig werden hiesige Produkte auf dem Weltmarkt günstiger. Das befeuert den Export und die Konjunktur im Euroraum.

„Wir werden das tun, was wir machen müssen, um die Inflation so schnell wie möglich zu erhöhen“, sagte der oberste Hüter des Euros. Die Notenbank könne und werde es nicht ignorieren, dass die Teuerungsrate im Währungsraum schon länger niedrig liege. Umfang, Dauer und Zusammensetzung des laufenden Anleihekaufprogramms ließen sich ändern, um eine noch expansivere Geldpolitik zu erreichen. Auch eine Änderung des Einlagezinses sei eine Option. Neuen Schwung an den Märkten konnten die Beteuerungsformeln aber nicht entfachen. „Für mehr müssen den vielen Worten nun endlich Taten folgen“, betonte Andreas Paciorek, Analyst von CMC Markets. Mit nun noch größeren Erwartungen nähert sich die nächste Ratssitzung der Zentralbanker am 3. Dezember.

Anders als die Frankfurter Benchmark verbuchte der Leitindex des Währungsraumes, der Euro-Stoxx-50, größtenteils leichte Verluste. Im Späthandel trat er mit 3450 Zählern auf der Stelle. Auch der zweiten Reihe in der Mainmetropole gingen zum Wochenausklang die Kräfte aus. Der MDax legte minimal zu auf 21.279 Punkte. Der TecDax wirbelte bei 1826 Stellen ebenfalls nur Staub auf.

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Die US-Notenbank hat die Protokolle ihrer letzten Sitzung veröffentlicht – eine Zinserhöhung im Dezember scheint gesetzt. Das sind schlechte Nachrichten für Goldanleger. Auch Minenbetreibern stehen schwere Zeiten bevor.

Der Konjunkturkalender blieb heute leer. Umso mehr richtete sich der Blick auf die Einzelwerte, allen voran Volkswagen. Der Aufsichtsrat des kriselnden Autobauers tagt derzeit in Wolfsburg und stellt nach den drohenden Strafen wegen des Abgas-Skandals sein gesamtes Investitionspaket auf der Prüfstand. Vor Verkündigung der Gesprächsergebnisse griffen Investoren beherzt zu. Die VW-Aktien verteuerten sich um 2,3 Prozent und standen damit – wie bereits gestern – an der Dax-Spitze.

Daran konnten auch Unkenrufe aus den Vereinigten Staaten nichts ändern. So muss Volkswagen womöglich die vom „Diesel-Gate“ betroffenen Fahrzeuge in den USA teilweise zurückkaufen. Die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde CARB, Nichols, sagte dem Handelsblatt, es sei „ziemlich wahrscheinlich, dass VW wenigstens einen Teil der Flotte von den Besitzern zurückkaufen muss“. Deutsche Anwälte bereiteten Sammelverfahren gegen den Wolfsburger Konzern vor.

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