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30.10.2014

17:47 Uhr

Börse Frankfurt

Dax beendet Achterbahn-Handel im Plus

Der Dax erlebte heute eine Berg- und Talfahrt. Miese Linde- und Lufthansa-Zahlen, schwache Bank-Aktien und die Fed-Geldpolitik hatten den Leitindex im Griff. Starke US-Börsen sorgten für einen versöhnlichen Schluss.

Börse am Abend

Linde und Lufthansa schocken Anleger

Börse am Abend: Linde und Lufthansa schocken Anleger

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FrankfurtDer Dax wurde heute von Zahlen überflutet. Zahlreiche Konzerne haben ihre Bilanzen veröffentlicht. Viele Unternehmen konnten mit positive Quartalsberichten überzeugen. Nur die Lufthansa und Linde vermiesten mit schwachen Bilanzen die Stimmung an den Märkten. Der Dax musste sich deswegen recht schnell von seinen Anfangsgewinnen verabschieden. Im Mittagshandel rauschte er noch deutlicher ins Minus. Am Nachmittag kämpfte sich der Dax dann wieder zurück. Positive US-Börsen trieben ihn an und ließen den Leitindex mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 9115 Punkten schließen.

Neben schwach notierenden Linde- und Lufthansa-Aktien bereitete den Börsianern heute wieder einmal eine Notenbank Sorgen. Diesmal war es die Federal Reserve. Die US-Notenbank veröffentlichte gestern ihre Sitzungsergebnisse. Zwar bekräftigten die Zentralbanker, ihre sehr lockere Geldpolitik noch „geraume Zeit“ beizubehalten. Gleichzeitig äußerte sich die Fed jedoch zuversichtlicher zur Entwicklung am US-Arbeitsmarkt. Ein nachhaltiger Job-Aufbau gilt als entscheidende Voraussetzung für eine baldige Anhebung der Zinsen. Dieser wiederum ist von der US-Konjunkturentwicklung abhängig. Und die weiß zu überzeugen.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Im dritten Quartals legte das Bruttoinlandsprodukt um rund 3,5 Prozent zu, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit drei Prozent gerechnet. Im zweiten Quartal waren es 4,6 Prozent, begünstigt von Nachholeffekten nach dem strengen Winter. „Die Zahlen bestätigen die hohe Dynamik der US-Konjunktur“, sagte Ökonom Johannes Jander von der Helaba. Die weltgrößte Volkswirtschaft bleibt damit eine der globalen Wachstumslokomotiven.

Beim weltgrößten Industriegase-Konzern sieht es derzeit düster aus. Linde präsentierte miserable Quartalszahlen und sieht sich nicht mehr in der Lage seine Mittelfristziele zu erreichen. Die Anleger reagierten schockiert. Im Dax rauschten die Papiere zeitweise über sieben Prozent ins Minus. Am Ende schlossen Linde-Aktien 2,8 Prozent tiefer.

In den vergangenen drei Monaten musste Linde Abschreibungen in Höhe von knapp 230 Millionen Euro hinnehmen. Auf Basis aktueller Wechselkurse rechnet das Unternehmen deswegen 2017 nur noch mit einem operativen Konzernergebnis von 4,5 bis 4,7 Milliarden Euro und einer Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) von elf bis zwölf Prozent. Bislang wollte Linde bereits im Jahr 2016 ein operatives Konzernergebnis von mindestens fünf Milliarden Euro und eine Rendite von etwa 13 Prozent schaffen.

Ebenfalls schwach präsentierten sich die Aktien der Lufthansa. Mit einem Minus von 6,6 Prozent beendeten sie den Handelstag auf dem letzten Platz im Dax. Allerdings waren die Zahlen alles andere als enttäuschend. Trotz der teuren Streiks der vergangenen Wochen konnte die Airline ein deutliches Plus beim Gewinn verbuchen. Doch wegen schlechter Wirtschaftsaussichten und der harten Konkurrenz kippt die Airline die Gewinnprognose für das nächste Jahr.

Kommentare (10)

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Frau Ute Umlauf

30.10.2014, 09:38 Uhr

Börse ist für mich Volksbelustigung.
Da agieren Laiendarsteller hektisch hin u. her ... rauf u. runter. Und das alles, ohne physische Werte!

Herr Paul Müller

30.10.2014, 09:46 Uhr

"...Der Autobauer hat den Betriebsgewinn dank Rekordverkäufen von Audi und Porsche überraschend stark gesteigert..."
Das klang vor kurzem noch anders. Da wurden die VW Mitarbeiter auf harte Einschnitte vorbereitet, weil der Ausblick schlecht ist. Und nun, nach 4 Wochen alles gut? Sieht eher nach staatlich verordneter Kurspflege bzw. Blasenpflege aus.

Herr Tom Bauer

30.10.2014, 10:26 Uhr

Schön, dass das HB das eigentliche Thema langriftiger Indexentwicklung thematisiert: Die Bilanzen der Firmen!

Krisen hin oder her, FED oder EZB... alles das hat für die Kursentwicklung maximal mittelfristigen Einfluss.

Leider, bei vielen Kommentatoren in Presse Funk und Fernsehen sind das die fokussierenden Themen. Klar, die müssen auch jeden Tag ihre Spalten füllen.

Was bedeutet das für eine langfristige Entwicklung eines Indexes? Gesunde Firmen werden langfristig am Markt bestehen und den Index prägen (wenn der INdex entsprechend zusammengestellt wird).
Hier sind uns die US Amerikaner wieder mal weit voraus, und auch die Aktienkultur hatte Zeit sich entsprechend zu entwickeln.
Bei uns ein Mangel, daher kaprizieren wir uns auf Druck der öffentlichen Darstellung auf (politische) Nebenkriegsschauplätze anstatt uns mit Firmenbilanzen und den Perspektiven unserer Wirtschaft zu beschäftigen.

Somit berauben wir uns Gesamtgesellschaftlich an den Chancen am Erfolg der Wirtschaft teilzuhaben; speziell auch am Aktienmarkt.

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