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15.01.2015

17:48 Uhr

Börse Frankfurt

Dax beendet Chaostag über 10.000 Punkten

Sie wollen wissen was Volatilität ist? Dann reicht ein Blick auf die heutige Dax-Tafel. Von 9637 bis 10.063 Punkten war alles dabei. Ein bespielloses Börsendrama. Der Regisseur des Stücks: die Schweizer Notenbank.

Börse am Abend

Dank BIP-Anstieg: Dax steigt über 10.000

Börse am Abend: Dank BIP-Anstieg:  Dax steigt über 10.000

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FrankfurtSo ein Börsendrama hat es schon lange nicht mehr gegeben. Aktionäre sahen sich heute beim Dax Kursausschlägen von mehr als 400 Punkten ausgesetzt. Sein Tagestief markierte der Leitindex bei 9637 sein Tageshoch bei rund 10.063 Zählern. Am Ende ging der Dax mit einem dicken Plus von 2,2 Prozent auf 10.033 Punkten aus dem Handel.

Am dramatischen Stück hatten heute vor allem die Schweizer Nationalbank (SNB) und teilweise auch die Bank of Japan mit spitzer Feder mitgeschrieben. Zunächst haben Spekulationen über ein milliardenschweres Finanzprogramm zur Ankurbelung der Inflation in Japan die Anlegerherzen höher schlagen lassen. Der Dax notierte über ein Prozent im Plus. Doch dann kam die Schweizer Nationalbank.

Es geschah etwas, was keiner auf dem Zettel hatte. Die SNB hat nach gerade einmal drei Jahren den Mindestkurs des Franken von 1,20 Franken je Euro aufgelöst. Außerdem wurde der Einlagenzins auf minus 0,75 Prozent gesenkt. Damit soll die Flucht in den Franken gestoppt werden. Die Notenbank hatte in den vergangenen Tagen den Franken bereits mit Milliarden gestützt, was die Bilanz weiter aufgebläht hatte.

Es folgten hektische Anlageentscheidungen auf die Maßnahmen der SNB. Kaum ein Markt war nicht vom Vorgehen der Notenbank betroffen. Der Dax stürzte innerhalb weniger Minuten um über 300 Punkte auf 9637 Zähler ab. Doch bereits am Nachmittag kehrte der Leitindex wieder auf den 10.000-Punkte-Pfad zurück. Spekulationen auf baldige weitere Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Ankurbelung der Konjunktur, die mit der jetzigen Kehrtwende der SNB weiter angeheizt wurden, sorgten nach dem Kurssturz für Auftrieb.

Die Züricher Börse SMI erlebte hingegen den größten Kurssturz aller Zeiten. Zwischenzeitlich wuchs der Tagesverlust auf abnorme 14 Prozent an. Am Ende ging der SMI mit einem Minus von 8,9 Prozent auf 8382 Punkten aus dem Handel.

Die Performance von Dax, S&P-500 & Co.

Athex (Griechenland)

Ein Jahr: - 28,9 Prozent
Drei Jahre: 21,4 Prozent
Fünf Jahre: - 62,4 Prozent

Bovespa (Brasilien)

Ein Jahr: - 2,9 Prozent
Drei Jahre: - 11,9 Prozent
Fünf Jahre: - 27,1 Prozent

BUX (Ungarn)

Ein Jahr: - 10,4 Prozent
Drei Jahre: - 2,0 Prozent
Fünf Jahre: - 21,6 Prozent

CSI 300 (China)

Ein Jahr: + 51,7 Prozent
Drei Jahre: + 50,6 Prozent
Fünf Jahre: - 1,2 Prozent

Dax (Deutschland)

Ein Jahr: + 2,7 Prozent
Drei Jahre: + 66,2 Prozent
Fünf Jahre: + 64,6 Prozent

MSCI Emerging Markets

Ein Jahr: - 4,6 Prozent
Drei Jahre: + 4,4 Prozent
Fünf Jahre: - 4,0 Prozent

MSCI World

Ein Jahr: + 2,9 Prozent
Drei Jahre: + 44,6 Prozent
Fünf Jahre: + 46,4 Prozent

NZX 50 (Neuseeland)

Ein Jahr: + 17,6 Prozent
Drei Jahre: + 70,0 Prozent
Fünf Jahre: + 72,4 Prozent

PSI 20 (Portugal)

Ein Jahr: - 26,8 Prozent
Drei Jahre: - 12,7 Prozent
Fünf Jahre: - 43,3 Prozent

RTS (Russland)

Ein Jahr: - 45,2 Prozent
Drei Jahre: - 42,8 Prozent
Fünf Jahre: - 45,3 Prozent

S&P-500 (USA)

Ein Jahr: + 11,4 Prozent
Drei Jahre: + 63,7 Prozent
Fünf Jahre: + 84,6 Prozent

TA-25 (Israel)

Ein Jahr: + 10,2 Prozent
Drei Jahre: + 35,0 Prozent
Fünf Jahre: + 27,9 Prozent

Die starken Kursausschläge könnten ein Vorgeschmack auf das sein, was den Märkten 2015 noch bevorstehe, sagte ein Börsianer. Die im Laufe der Zeit aufgebauten Spannungen durch die problematische Billiggeld-Politik der Notenbanken könnten sich erdbebenartig entladen. Dieser Donnerstag sei ein gutes Beispiel dafür. „Die Auflösung der Wechselkursbindung wirkt wie die Sprengung eines Staudamms“, sagte ein anderer Marktteilnehmer.

Der Euro fiel zunächst unter die 1,17- am Abend sogar unter die 1,16-Dollar-Marke. Nach Frankfurter Börsenschluss wurde der Euro mit 1,1587 Dollar bewertet und damit rund 1,7 Prozent niedriger. Der Schweizer Franken rauschte kurzzeitig sage und schreibe 40 Prozent ins Minus auf 0,90 Franken je Euro. Am Abend wurde die Schweizer Währung noch mit einem Minus von 13,1 Prozent auf 1,0436 Franken je Euro bewertet.

„Der Schritt der SNB heute ist ein Tsunami, für die Exportwirtschaft und für den Tourismus, letztlich für das ganze Land“, zitierte die „WirtschaftsWoche“ aus einer E-Mail von Swatch-CEO Nick Hayek. „Es fehlen mir die Worte.“. Die Aktien des Schweizer Unternehmens waren mit Verlusten bis zu 17 Prozent heute die größten Verlierer im Züricher SMI.

Kommentare (42)

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Lukas Sickert

15.01.2015, 07:55 Uhr

"Dax nimmt die 10.000 ins Visier"

Dank der Notenbankpolitik ist das auch kein Problem.Wir sollten aber über die Nachhaltigkeit diskutieren.
Sind die Kurse echt oder künstlich aufgebläht?
Sind das echte Käufer wie farmer,oder alles nur Zocker die nur das alte "rein-raus-Spiel" mögen?
Fragen über Fragen während die Kurse weiter steigen.

Celo Abdi

15.01.2015, 08:07 Uhr

Wer liebt denn nicht das "alte reinraus" Spiel :)

Account gelöscht!

15.01.2015, 08:10 Uhr

Starke Hände wollen den Markt scheinbar lieber oben sehen. Morgen ist kleiner Verfall. Und wer Puts " in-the-money " teuer geschrieben (und satt Prämie kassiert) bzw. Calls " out-the-Money " gekauft hat, hat kein großes Interesse an tiefen Kursen .....

FDAX vs. X-DAX-Spread heute früh bei +5,19, und Fair-Value (im Underlying) 3,50 - 7,50 für die Index-Arbitrage.


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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