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06.06.2012

17:56 Uhr

Börse Frankfurt

Dax beendet fünftägiges Trauerspiel

Eigentlich sprachen heute alle Fakten gegen einen starken Dax. Denn weder hat die EZB den Leitzins gesenkt noch deutete sie weitere Bankenhilfen an. Dennoch machte der Leitindex heute eine gute Figur.

Die Europäische Zentralbank hat am Mittwoch zeitweise für Trubel an den Börsen gesorgt. AFP

Die Europäische Zentralbank hat am Mittwoch zeitweise für Trubel an den Börsen gesorgt.

FrankfurtAm Ende eines nervenaufreibenden Handelstages schloss der Dax nach fünf Minustagen deutlich im Plus. Das deutsche Branchenbarometer notierte 2,1 Prozent fester auf 6.094 Punkte. Die zweite Garde der Indizes präsentierte sich im heutigen Tagesverlauf durchweg stabiler und schloss ebenfalls in sattem grün. Der MDax lag 3,1 Prozent im Plus auf 10.036 Punkte und der TecDax stieg um 2,9 Prozent auf 737 Zähler

Für Aufregung sorgte heute die Europäische Zentralbank, die am Nachmittag ihre Leitzinsentscheidung bekannt gab. Angesichts der wiederaufflammenden Euro-Schulden- und Bankenkrise versprachen sich heute viele Anleger von der Notenbank wichtige Schritte in Richtung möglicher Zinssenkungen und weitere Andeutungen für eine neue potenzielle Bankenhilfe in Form eines dritten Euro-Tenders. Doch in der Pressekonferenz zur Zinsentscheidung nahm Zentralbankchef Mario Draghi solchen Spekulationen jegliche Substanz. Draghi verlängerte lediglich die Möglichkeit der Banken sich unbegrenzt Liquidität von der EZB zu leihen. Die Vollzuteilung bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften mit den Banken soll bis Mitte Januar 2013 bestehen.

"Die Geldpolitik hat kein Recht, für Versäumnisse anderer in die Bresche zu springen. Es gibt keinen Kuhhandel zwischen der EZB und den Regierungen in der Euro-Zone", begründete Draghi die defensive Haltung der EZB in Frankfurt. Viele Investoren zeigten sich enttäuscht von der Zurückhaltung der Zentralbank und verkauften ihre Aktien, worauf sich die Dax-Gewinne mehr als halbierten.

EZB lässt Leitzins unverändert

Video: EZB lässt Leitzins unverändert

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Dass die EZB keine neue langfristigen Refinanzierungsgeschäfte plant, habe die Stimmung der Anleger etwas eingetrübt, hieß es. Marktstratege Lars Kremkow von Activetrades hatte im Vorfeld einen dritten Langfristender für wahrscheinlicher gehalten als eine Zinssenkung. Mit diesem Mittel hatte die EZB den Banken bereits im Dezember und Februar unter die Arme gegriffen.

Erst mit der Eröffnung der Wall Street kam der deutsche Leitindex wieder auf Kurs. Der Dow Jones zeigte sich nach Frankfurter Börsenschluss 1,7 Prozent im Plus auf 12.338 Punkte, der S&P-500 legte um 1,8 Prozent zu auf 1.308 Zähler und der Nasdaq-100 notierte 2,1 Prozent fester auf 2.539 Punkte.

Der Tag an den Märkten (Stand 17:45 Uhr)

Dax

- 0,19 Prozent (Schlusskurs vom Freitag)

Euro Stoxx 50

+ 0,1 Prozent

Dow Jones

- 0,3 Prozent

Nikkei

+ 0,1 Prozent

Euro

1,2302 Dollar (+/- 0 Prozent)

Gold

1.602 Dollar (- 0,7 Prozent)

Öl (Brent)

106,40 Dollar (+ 1,2 Prozent)

Der Euro tauchte nach der EZB-Pressekonferenz wie der Dax kurzzeitig ab, konnte sich schnell aber wieder erholen und bekam mit der Eröffnung der Wall Street ebenfalls neuen Schub. Am Abend kostete der Euro im Vergleich zum Dollar 1,2520 Dollar.

Doch wie schwer die Enttäuschung über die defensive Haltung der Europäischen Zentralbank wog, konnte man gut am Ibex 35 erkennen. Der spanische Leitindex, der vor der Leitzinsentscheidung über drei Prozent im Plus lag, rutschte am Nachmittag ab und konnte sich nur noch knapp ein Prozent im positiven Bereich halten.

Trotz des guten heutige Handelstages bleibt die Grundstimmung allerdings skeptisch. Seit dem 29. Mai musste der Dax fast sieben Prozent abgeben. Der Leitindex taumele wie ein angeschlagener Boxer durch den Ring, erklärte Helaba-Analyst Christian Schmidt. "Die Frage ist, ob der Index nochmals die zweite Luft bekommt, oder aber erneut zu Boden geht."

Kommentare (86)

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06.06.2012, 07:43 Uhr

Gestern: MAN steigt ab ca 15:20Uhr um 9%. Erste Nachrichten über die Gründe, Anteilsaufstockung seitens VW, erscheinen gegen 15:53Uhr, als die 9% fast erreicht sind. Kann mir jemand eine Quelle nennen, mit deren Hilfe man früher davon hätte profitieren können?
Welches ist Eurer Meinung nach die aktuellste/schnellste Quelle für Wirtschaftsnachrichten?

Account gelöscht!

06.06.2012, 07:55 Uhr

Reuters Trader Western Europe (RTWE). Der Dienst beinhaltet alle internationalen Nachrichten aber auch den deutschen Wirtschaftsdienst.

Die Kosten liegen bei 366 € im Monat. Hinzu kommen halt noch etliche Real-Time Börsen-Gebühren, z.B. XETRA kostet 75 €, EUREX 85 €, NYSE und NASD je 125 € pro Monat. Logischerweise alles plus MWST.

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06.06.2012, 08:00 Uhr

Und täglich grüßt das Murmeltier :-)

Short bleiben vor der EZB Sitzung. Die wird nämlich auch wieder nur ne weitere Enttäuschung für den Markt. Hohe Kurse zum endgültigen Ausstieg nutzen!

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