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16.09.2015

18:10 Uhr

Börse Frankfurt

Dax beendet ruhigen Handelstag im Plus

Vor der Zinsentscheidung der Fed am morgigen Donnerstag erlebt der Dax einen ruhigen Tag mit nur geringfügigen Veränderungen. Letztlich schließt er knapp im Plus. Sorgenfalten bereiten einmal mehr die Versorgeraktien.

Börse am Abend

Mehrheit geht nicht von US-Zinsanhebung aus

Börse am Abend: Mehrheit geht nicht von US-Zinsanhebung aus

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FrankfurtKommt die Zinserhöhung oder kommt sie nicht? Diese Frage erwarten die Anleger seit Wochen mit Spannung. Vieles spricht dafür, einiges dagegen – auch die Stimmung an den Börsen ist gespalten. Was den Dax angeht, überwiegt am Mittwoch die Zuversicht. Der Leitindex sprang zum Handelsbeginn um mehr als hundert Punkte nach oben – auf über 10.300 Punkte.

Diese Werte kann der Dax im Laufe des Tages zwar nicht halten, er schließt allerdings mit einem Plus von knapp 0,4 Prozent bei 10.227 Zählern. Lediglich am Nachmittag war der Leitindex kurzzeitig ins Minus gerutscht. „Unsere Volkswirte gehen davon aus, dass die US-Notenbank die Zinserhöhung verschieben wird, um die Risiken für die Konjunktur nach den jüngsten Kursturbulenzen zu analysieren“, schrieben die Experten der Barclays Bank in einem Kommentar.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Fed-Chefin Janet Yellen werde sicher betonen, dass das Thema auf allen folgenden Sitzungen auf die Tagesordnung komme. Wegen der geringen Inflation und einer möglichen Abkühlung der Weltwirtschaft sei aber frühestens im März 2016 mit der US-Zinswende zu rechnen, betonten die Analysten. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters war eine knappe Mehrheit der befragten Fed-Beobachter ebenfalls der Ansicht, dass diese am Donnerstag stillhalten wird.

Grund für die anfangs deutlichen Kursaufschläge war eine Rally am chinesischen Aktienmarkt. „Dass der Dax im Laufe des Tages seine Gewinne dann wieder hergab, vermittelt eine recht eindeutige Botschaft: Es braucht nicht nur mehr Liquidität, um den Markt zu beruhigen. Es braucht vor allem Vertrauen“, sagte Analyst Jens Klatt von DailyFX.

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