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17.06.2016

17:46 Uhr

Börse Frankfurt

Dax behauptet sich gegen Hexen und Brexit

Spekulationen auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU haben Anleger an die Aktienmärkte zurückgelockt. Nach einem Knick, der dem Hexensabbat am Terminmarkt geschuldet ist, schließt der Dax deutlich im Plus.

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Düsseldorf/FrankfurtEuropas Märkte haben am Freitag eine überraschende Erholung angestimmt. Der Deutsche Aktienindex schoss vor dem am Donnerstag anstehenden Brexit-Referendums unerwartet in die Höhe. Zeitweise ging es bis zu anderthalb Prozent rauf. Nach einer schwachen Phase – wegen des Verfalls an der Terminbörsen schmolz das Plus am Mittag deutlich – setzte sich der Aufschwung gebremst fort. Zum Schluss notierte die Frankfurter Benchmark 9631 Punkten 0,85 Prozent im Plus. Trotz des näher rückenden Plebiszits Großbritanniens über den Verbleib in der Europäischen Union griffen die Anleger zum Wochenausklang wieder zu Aktien. Der Grund: Das gestrige Attentat auf eine britische Politikerin könnte die europakritische Stimmung der Wähler kippen lassen.

Die vermeintlich politisch motivierte Ermordung der britischen Parlamentsabgeordneten Jo-Cox, die sich als Mitglied der Labour-Partei für einen Verbleib in der EU eingesetzt hatte, reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Brexits, so zumindest können die Reaktionen der Börsianer gedeutet werden. Auch der Blick auf den Devisenmarkt, wo das britische Pfund deutlich aufwertete, lässt einen solchen Schluss zu. Es sind diese neuen Spekulationen um eine Niederlage der EU-Gegner, die das Wochenminus des Dax auf derzeit 2,1 Prozent reduzieren.

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Angesichts der vielen Unsicherheitsfaktoren tönt es allerorten vom Börsenparkett: abwarten und absichern. Davon will der Chefstratege von JP Morgan nichts mehr hören - und hat seine ganz eigene Anlagestrategie entwickelt.

Das Ganze demonstriert eindrucksvoll, wie angespannt die Stimmung an den Märkten ist. Jede Umfrage zur Volksabstimmung sorgt für Ausschläge in die eine oder andere Richtung. Interessant: Banken wie die ING oder oder die Societe Generale warnen ihre Kunden, dass es zum Zeitpunkt der Abstimmung zu Schwierigkeiten im Handel kommen könnte.

Der VDax, der die Schwankungsanfälligkeit des Dax misst, erreicht aktuell mit knapp 35 Punkten einen Stand, den er zuletzt im turbulenten Februar markiert hatte. Bis zur Volksabstimmung am Donnerstag dürfte die Anspannung – auch wenn die Kurse sich etwa heute wieder erholen konnten – wohl kaum großartig abfallen, zu groß sind die Risiken und Unwägbarkeiten, die ein Brexit mit sich bringen könnte.

Auch die zweite Frankfurter Reihe konnte einen Teil der jüngeren Abschläge wieder reinholen. Der MDax notierte 1,14 Prozent fester bei 19.690 Punkten, der TecDax rückte ein Prozent vor auf 1575 Zähler. Der Leitindex des gemeinsamen Währungsraumes, der Euro-Stoxx-Index profitierte noch mehr als die Frankfurter Börse, fiel dann aber auf ein Plus von 0,87 Prozent zurück.

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An den Börsen kam es bis zum Nachmittag auch abgesehen von Brexit-Spekulationen zu einer stärkeren Abwärtsbewegung. Dies lag nicht etwa an Eingaben von Konjunkturseite, die blieb heute weitestgehend leer. Es ging um den großen Verfall an den Terminmärkten. Dort wurden Optionen und Futures sowohl zu Einzelwerten als auch zu Indizes fällig. Der einmal im Quartal stattfindende Stichtag, auch Hexensabbat genannt, sorgt nicht selten für unvorhergesehene und abrupte Ausschläge, versuchen potente Anleger Papiere, auf die sie solche Derivate halten, bis zuletzt in eine für sie günstige Richtung zu lenken.

So auch heute: Das der mittägliche Knick eher den Hexen als einer generellen Eintrübung der Stimmung zuzuschreiben war, darauf lässt der Blick auf den Devisenmarkt schließen. Dort blieb nicht nur das Pfund gegenüber dem Dollar stark , auch der Euro gewann gegenüber dem Greenback. Zudem stiegen die Kurse direkt nach dem Verfall wieder, was diese Sicht der Dinge bestärkt. Optionen auf den Dax verfielen bei 9631 Zählern.

Entlastung kam von den Rohstoffmärkten. Dort verteuerte sich Öl und rückte wieder näher an die psychologisch wichtige 50-Dollar-Marke für ein Barrel. Während ein Fass WTI um 1,6 Prozent auf 46,94 Dollar stieg, kostete Brent aus der Nordsee 1,3 in der Juli-Auslieferung mit 48,21 Dollar 2,1 Prozent mehr.

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