Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.11.2013

18:23 Uhr

Börse Frankfurt

Dax bewegt sich wenig auf hohem Niveau

Obwohl sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland im dritten Quartal fast halbiert hat, zeigen sich Dax-Anleger bei guter Laune. Profitiert hat K+S, Versorger-Aktien gerieten unter Druck.

Dax zieht nach - Berichtssaison im Endspurt

Video: Dax zieht nach - Berichtssaison im Endspurt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtDie deutsche Wirtschaft zeigt sich träge, die Konjunkturdaten der Länder des Euroraums sind enttäuschend - das alles scheint wenig Wirkung auf den Dax zu haben. Nachdem der Leitindex bereits beim Handelsbeginn stark startete, bewegte er sich auf einem beständig hohen Niveau. Nach einer leichten Abwärtsschwankung kletterte der Index im Nachmittagshandel noch einmal kräftig zu und schloss am Abend bei 9150 Punkten.

Grund für die Kauflaune der Anleger ist die Aussicht auf eine anhaltende US-Geldschwemme, die ein vorab veröffentlichter Redetext der designierte Fed-Chefin Janet Yellen ihrer Rede am Donnerstag befeuerte. Darin befürwortet Yellen die Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik.


Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Europas Börsen haben am Donnerstagnachmittag mehrheitlich im Plus gelegen. Sie folgten damit den Zuwächsen an den US-Märkten und in Asien, kamen aber von den Tageshochs im Verlauf etwas zurück. Anders als die Unternehmenswerte profitierte der Euro nur kurz von der Aussicht auf eine weiterhin lockere US-Geldpolitik. Die Gemeinschaftswährung stieg in der Nacht bis auf 1,35 Dollar, den höchsten Stand seit einer Woche. Am Nachmittag fiel er auf 1,34 Dollar zurück.

Wenig Grund zur Freude gaben die deutschen Konjunkturdaten: Das Wirtschaftswachstum hat sich im dritten Quartal wegen schwächelnder Exporte mehr als halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Juli bis September wie erwartet nur noch um 0,3 Prozent im Vergleich zum Frühjahr zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.

Für positive Impulse sorgte in den Sommermonaten ausschließlich die robuste Binnennachfrage. Außerdem wurde sowohl in Ausrüstungen wie Maschinen als auch in Bauten mehr investiert, weshalb einige Ökonomen das Land dennoch im Aufwärtstrend sehen: „Die anderthalbjährige Phase rückläufiger Investitionen scheint nun überwunden“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Obwohl sich in den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD ein Zurückrollen der Agenda-Reformen abzeichne, dürfte das die Konjunktur vorerst nicht belasten.

Für das laufende vierte Quartal rechnet das Bundeswirtschaftsministerium wieder mit einem höheren Tempo. „Wir erwarten ein Wachstum von knapp einem halben Prozent“, sagte Staatssekretär Bernhard Heitzer. Trotzdem wird es den Wirtschaftsweisen zufolge im Gesamtjahr nur zu einem Plus von 0,4 Prozent reichen. 2014 sollen es dann 1,6 Prozent sein.

Kommentare (80)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Clochard

14.11.2013, 07:45 Uhr

Da wir gestern Abend kurz vor 22 Uhr schon weit über 9100 standen, gab es Puten im Sonderangebot. Eine kleine Zwischenkorrektur ist überfällig. Frankreichs GDP hat bereits enttäuscht, mal sehen wie die Eurozonen-Zahlen aussehen.

Ansonsten erwarte ich das selbe Spiel wie die letzten Tage. Anfangs kurz hoch, dann zwischen 10 und 12/13h wieder kräftig runter & nachmittags ziehen die Amis uns mit.

Tja

14.11.2013, 08:06 Uhr

"German Q3 GDP +0.30% Q/Q, in line with forecasts"

+0.30% und der DAX +30.0%

Naja, welches Komma stimmt jetzt nicht?

Draghische_Logik

14.11.2013, 08:11 Uhr

K+S trotz Gewinneinbruch aktuell ca. 5% fester.

Alles klar. Wurde also noch schlimmer erwartet. Bonität übrigens bereits auf Ramschniveau.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×